Leonberg Mit dem Flox-Kompensator gegen die giftigen Gase

Von Ulrike Otto
Abfall-Chef Wolfgang Bafin (li) erklärt OB Bernhard Schuler die Anlage. Foto: factum/Bach

Leonberg - Wunderschön herbstlich ist die Stimmung am Rübenloch. Rot, orange, gelb oder braun sind die Blätter der Bäume, einige wenige sogar noch grün. Unter dem herbstlichen Laubwald ist es jedoch weniger schön. 1999 wurde die Deponie zwischen B 295 und dem Teilort Warmbronn stillgelegt. Seitdem gärt und arbeitet es unter Tage. Das Methan, das dabei entsteht, wird schon seit einigen Jahren an verschiedenen Stellen abgesaugt, damit das klimaschädliche Gas nicht in die Atmosphäre geht. Seit diesem Jahr ist dies nun für die anderen Gase unmöglich, die bei der Kompostierung der Abfälle entstehen.

Im April hat der Probebetrieb der sogenannten Schwachgas-Verwertungsanlage begonnen. „Seitdem haben wir bereits eine Million Kubikmeter klimaschädliche und giftige Gase abgesaugt“, erklärt Joachim Lehner, der die Anlage mit seiner Firma Contec geplant und die Umsetzung betreut hat. Dabei wird auf moderne Technologien gesetzt, die zudem noch aus der Region stammen. Diese Gase heißen deshalb Schwachgase, weil sie in einer normalen Flamme nicht verbrennen. Die Technik dazu entwickelt hat die Firma E-Flox aus Renningen. Sie ist nun in einem Container auf dem jetzigen Häckselplatz des Abfallwirtschaftsbetriebes am Rübenloch zu finden. Damit ist die Flox-Anlage mobil und kann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn am Rübenloch nicht mehr genügend verwertbare Gase entstehen, leicht an eine andere Deponie versetzt werden.

500 000 Lkw-Ladungen Müll

Doch warum ist diese Anlage so wichtig? Dazu ist ein Ausflug in die Geschichte der Deponie erforderlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier bis 1999 der Müll aus dem Kreis Leonberg und von 1973 an aus dem Kreis Böblingen abgeladen. „Das waren 5,3 Millionen Kubikmeter Abfall insgesamt. Das entspricht ungefähr 500 000 Lkw-Ladungen“, hat Wolfgang Bagin, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) im Kreis Böblingen, ausgerechnet. Durch die Zersetzungsprozesse entstehen verschiedene Deponiegase. Erst 1994 hat man damit begonnen, diese aufzufangen. Den Hauptanteil dieser Gase bildet Methan – welches 25 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Ohne die vielen kleine Absaug-Ventile, die über die ganze Deponie verstreut liegen, würde dieses einfach in die Atmosphäre steigen. Stattdessen treibt es nun ein kleines Blockheizkraftwerk an, das die Gebäude am Häckselplatz mit Wärme versorgt.

Riesiges Einsparpotenzial

Je länger jedoch die Deponie außer Betrieb ist, desto mehr sinkt der Anteil von Methan und desto größer wird der Teil der Schwachgase. „Das bringt die Maschinen zum Stocken“, veranschaulicht Bagin. Mit der neuen Anlage werden nun 800 Kubikmeter dieser Schwachgase abgefangen und verbrannt. „Das entspricht einer Einsparung von 14 Tonnen CO2 am Tag. Zum Vergleich: Ein Mensch allein hat einen CO2-Verbrauch im Jahr von zehn Tonnen“, erklärt der AWB-Chef. Auf das Jahr hochgerechnet liege das Einsparpotenzial bei rund 30 000 Tonnen. „Dafür könnten 3000 Autos gleichzeitig einmal um die Erde fahren“, hat Wolfgang Bagin einen weiteren Vergleich parat. „Verwertungsanlage“ heißt im Falle Rübenloch zwar nicht, dass damit ein Gewinn erzielt werde. Wohn- oder Gewerbegebiete liegen zu weit weg, um den Strom oder die Wärme zu nutzen. Gut angelegt seien die 735 000 Euro für die Anlage dennoch. „Die Frage ist doch, was kostet es uns, eine Tonne CO2 zu vermeiden? Da liegen wir hier viel günstiger als etwa bei der Gebäudedämmung“, sagt Joachim Wünning von der Firma E-Flox.

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