Leonberg Kreistag sagt Ja zum Gesundheitscampus

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Rings um das Leonberger Krankenhaus ist noch viel Platz für weitere medizinische Foto: privat

Leonberg - Der erste Schritt ist bereits getan: Seit April errichtet die Gesellschaft für Interdisziplinäre Strahlentherapie in unmittelbarer Nachbarschaft des Krankenhauses ein hochmodernes Zentrum für Strahlenbehandlung. Hier sollen vom kommenden Sommer an Krebspatienten schonend therapiert werden.

Einen zweiten Schritt hat am Mittwochnachmittag der Finanzausschuss des Kreistages gemacht: Die Mitglieder beschlossen einstimmig, dass die Leonberger Ärzteschaft, die Stadt und die Geschäftsführung des Klinikverbundes konkrete Gespräche über einen sogenannten Gesundheitscampus führen sollen. Und nicht nur das: Besteht inhaltliche Einigkeit zwischen allen Beteiligten, soll ein konkreter Projekt- und Zeitplan für die Inbetriebnahme eines Campus erstellt werden.

Nicht nur positive Resonanz

Ob und wann das sein wird, ist derzeit noch offen. Denn die Vision einer krankenhausnahen Infrastruktur mit Arztpraxen und anderen medizinischen Dienstleistungen ist schon seit zwei Jahren in der Diskussion und wird nicht nur positiv gesehen. Könnte doch, so meinen die Kritiker, ein zu gutes Angebot jenseits des offiziellen Krankenhauses in letzter Konsequenz dazu führen, dass in der Klinik Abteilungen reduziert oder ganz geschlossen werden.

Der Landrat und die Kreistagsfraktionen sind da wesentlich optimistischer. „Ergänzende Angebote“, so meinte Roland Bernhard im Ausschuss, würden die Kliniken in Leonberg wie in Herrenberg „für die nächsten Jahrzehnte sichern.“ Bedenken, dass zu gute Praxen die medizinischen Leistungen im Krankenhaus beeinträchtigen könnten, wies der Landrat zurück: „Das Campus-Angebot ist additiv, nicht alternativ.“ Wolle doch neben dem privaten Strahlentherapiezentrum das Land ein Psychosomatisches Zentrum auf dem Klinikgelände errichten.

Was bedeutet Basisversorgung?

„Das sind wesentliche Fortschritte“. lobte der CDU-Fraktionschef Helmut Noë, dessen Partei sich in Leonberg bereits für einen Gesundheitscampus ausgesprochen hat. Noë erneuerte seine Forderung, dass die Geschäftsführung des Klinikverbundes mit dem Land definieren müsse, was unter der in Leonberg und Herrenberg vorgesehen Basisversorgung zu verstehen ist.

Zustimmung für den Campus gab’s auch von Heiderose Berroth. Die Liberale kritisierte in dem Zusammenhang eine geplante Mindestmenge an Operationen in einzelnen Krankenhäusern, auf die besonders die AOK drängt. Stattdessen sollte die Zahl der Eingriffe verbundweit betrachtet werden, weil dies sonst den jeweiligen Standorten schade.

Herrenberger OB mahnt Leonberg

Fast schon euphorisch äußerte sich Thomas Sprißler (Freie Wähler): „Der Campus-Gedanke ist eine eindeutige Bestätigung, dass wir alles versuchen, die beiden kleineren Häuser so aufzustellen, dass sie ihren Teil im Medizinkonzept annehmen. Das sollten auch die Gremien vor Ort mittragen“, meinte der Herrenberger Oberbürgermeister mit Blick auf die kritische Diskussion in Leonberg.

Nicht ganz so begeistert zeigte sich Tobias Brenner. „Der Campus ist erst einmal eine Worthülse“, erklärte der SPD-Fraktionschef. Wenn daraus wirklich eine Stärkung werden solle, müsse insgesamt das medizinische Profil des Krankenhauses geschärft werden. So sei angesichts der chefärztlichen Kompetenz in der Bauchchirurgie und der Darmtherapie ein onkologisches Zentrum in Leonberg sinnvoll.

Ergänzung, aber keine Alternative

Ein Vorschlag, der bei Roswitha Weber-Streibl auf positive Resonanz stieß. Die Kreisrätin der Grünen erkundigte sich zudem, wie es denn mit der mit rund 60 Millionen Euro veranschlagten Sanierung im Krankenhaus aussehe. Seit der Eröffnung der neuen Intensivstation vor einem guten Jahr habe man nichts mehr gehört. Ein Gesundheitscampus, so Weber-Streibl, sei keine Alternative, sondern eine Ergänzung. Auch ihr Fraktionskollege Roland Mundle warnte davor, „dass der Campus in Leonberg als Trostpflaster gesehen wird.“

Unterm Strich sprachen sich alle dafür aus, die Chancen für einen Campus konkret auszuloten. Damit kommen nun die Leonberger Kommunalpolitiker und die niedergelassenen Ärzte mit ins Spiel. Denn letztere müssten ja ans Krankenhaus ziehen.

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