Leonberg In Hartmanns Besen feiert es sich gut

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Mit Maske und im Freien, aber Hauptsache Besen: Stefan Hartmann (Mitte) tischt in der Renninger Straße wieder den zahlreichen Gästen auf. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Der Hof hinter dem Haus ist schon eine etwas ungewöhnliche Örtlichkeit für eine urschwäbische Institution. Denn traditionell herrscht in einer Besenwirtschaft immer drangvolle Enge, idealerweise im Wohnzimmer des Besenwirtes oder in einem Nebenraum.

So war es auch bisher im Besen von Stefan und Antje Hartmann. Seit knapp 40 Jahren betreibt die Familie in der zweiten Generation eine Besenwirtschaft. Jahrelang wurde ein Kellerraum des damaligen Elternhauses für den Weinausschank genutzt. Seit zehn Jahren gibt es ein Haus weiter im ersten Stock eine Besenstube. Und wenn es hier bisher sehr voll wurde, dann durften die Gäste auch nebenan im Wohn- und Esszimmer der Familie Hartmann Platz nehmen.

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Doch dieses Jahr ist alles anders. Um den Gästen mehr Abstand zueinander in Coronazeiten ermöglichen zu können, haben sich Stefan und Antje Hartmann entschlossen, den Besen ins Freie zu verlegen. „Wir mussten komplett umdenken und natürlich vieles umräumen“, sagt der Wengerter. „Wir betreten absolutes Neuland und sind selbst gespannt, wie es von den Gästen angenommen wird.“

Und die sind begeistert, können auf überdachten Biergarnituren an der frischen Luft sitzen und mit mehr Abstand wieder mehr Freiheiten innerhalb der geltenden Coronaverordnung genießen. Die Ausschanktheke nutzt Stefan Hartmann gleichzeitig als 3G-Kontrollstation. Wer hineinwill, muss geimpft, genesen oder getestet sein.

Die Gäste kommen durch den bekannten Vordereingang in der Renninger Straße 22, gehen aber nicht die Treppe hoch, sondern laufen geradeaus weiter in den Hof. „Glücklicherweise können wir die Küche unseres Mieters in der Erdgeschosswohnung nutzen, sonst hätten wir den Besen nicht nach draußen verlegen können. Der Weg zur ursprünglichen Besenküche im ersten Stock wäre zu umständlich gewesen“, sagt Stefan Hartmann. Allerdings musste er im Hof extra eine leistungsstarke Spülmaschine installieren. Viel Aufwand für das Ehepaar, damit nach zweijähriger besenfreier Zeit wieder gemeinsam gefeiert werden kann.

Besuch über die Eltinger Grenzen hinaus

Bereits zur Eröffnung haben Stefan und Antje Hartmann alle Hände voll zu tun, die Laufwege zwischen Theke, Küche und den Gästen sind deutlich länger und die Corona-Kontrollen brauchen Zeit. In der Küche hilft Freundin Ulrike mit. „Ohne sie würde ich es nicht schaffen“, sagt Antje Hartmann, denn gleich zur Eröffnung kommen mehr Gäste als erwartet.

Viele Eltinger sind darunter, aber auch Besucher aus Gebersheim, Höfingen oder der Nachbarstadt Renningen. Von dort sind Bernd und Monika Grötzinger nach Leonberg geradelt und haben eine kleine Besentour gemacht. Sie waren zuerst im Fischerbesen am Tiefenbachsee und sind anschließend im Eltinger Hofbesen eingekehrt. „Die Atmosphäre hier draußen ist einfach toll“, loben sie das Konzept.

Noch bis 3. Oktober ist der Besen geöffnet

Jeweils von 15 bis 22 Uhr ist Hartmanns Hofbesen noch bis zum 3. Oktober geöffnet. Ausgeschenkt wird ausschließlich der eigene Wein. Die Familie bewirtschaftet eine Rebfläche von 25 Ar, außerdem pflegt sie 30 Ar Obstbaumwiesen. Den Wein stellt Stefan Hartmann selbst her, vom Anbau bis zum Ausbau. Angeboten werden ein Rosé-Secco, ein Kerner-Riesling 2018 und ein 2019er Cuvée aus Marienfelder und Helfensteiner Trauben mit etwas Lemberger kombiniert. Wer einen Rotling mag, kann den letztjährigen Wein probieren.

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Eigener Apfelsaft, eigener Apfel-Kirschsaft und verschiedene andere Säfte ergänzen die Getränkekarte. Auch bei den Speisen setzt die Familie auf Regionalität. „Ich schicke unserem Bäcker abends einfach eine Nachricht mit meiner Brötchenbestellung für den nächsten Tag“, erzählt Antje Hartmann. Die Brötchen sind die Basis für die beliebten Besen- und Knoblauchwecken. Auch Wurst und Fleisch für Siedfleisch, Salzfleisch, Bauernbratwürste und Vesperteller kommen aus der Region und können kurzfristig beim Metzger nachbestellt werden. Hier zahlt sich der gute Kontakt der beiden zu den heimischen Lieferanten aus.

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