Leonberg Ein schüchterner Internatsschüler

Von Arnold Einholz

Hier an der Lenauschule hatte ich als schüchterner Internatler vom Dorf , der die Klasse 9 als einziger Junge mit 32 Mädchen besuchte, bei der Mitarbeit an der Schülerzeitung eine strenge Mentorin aus der Klasse 12: Sie hieß Herta Müller.

Wo trifft ein banatschwäbischer Journalistik-Student auf eine sächsische Jugendarbeiterin? Beim Studium in der Landeshauptstadt Bukarest. Unsere Söhne wurden in Temeswar geboren, wo auch mein Arbeitsplatz war, die Redaktion der deutschsprachigen Tageszeitung „Neue Banater Zeitung“.

Sie wurden in einer Zeit geboren, als ein seniler Diktator Ceausescu und seine grausame Ehefrau das Land an den Rand einer Hungersnot brachten, um die Staatsschulden abzubauen.

Ein gefragter „Exportartikel“ waren jährlich 13 000 Rumäniendeutsche, für die die Bundesrepublik 8000 Mark pro Kopf bezahlte. Im Halbverborgenen kassierte die Securitate von ihnen hohe Erpressungsgelder und schacherte mit ihren enteigneten Häusern und Wohnungen.

Doch als um Weihnachten 1989 das Diktator-Ehepaar Ceausescu nach einem kurzen Prozess im Kugelhagel des Exekutionskommandos starb, brachen für die Rumäniendeutschen alle Dämme. Die Revolution, die die Welt am Fernseher erlebte, war in Temeswar ausgebrochen, in der Stadt, die der Diktator, wohl im böser Vorahnung, wegen ihres westlichen Flairs so hasste,

Mehr als 250 000 Menschen, von denen viele Tausend seit Jahren auf gepackten Koffern saßen und ihnen dafür übel mitgespielt wurde, machten sich innerhalb von zwei Jahren auf den Weg nach Deutschland. Sie kamen in stillgelegten Bundeswehrkasernen, umgebauten Turnhallen oder heruntergekommen Pensionen unter.

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