Leonberg/Gerlingen Landrat schlägt Straßenbahn nach Leonberg vor

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Die U 6 könnte in der Zukunft bis Leonberg fahren. Foto: factum//Simon Granville

Leonberg - Dass der ganze Landkreis Böblingen unter dem vielen Verkehr leidet, ist auch dem Landrat bewusst. Kreative Ideen sind da gefragt, und als solche will er einen Vorschlag verstanden wissen, den er am Mittwochabend im Gespräch mit Journalisten gemacht hat.

„Schauen Sie mal auf die Karte“, riet Roland Bernhard. „Alle Stadtbahnen enden vor unserem Landkreis.“ Das ist in der Tat so. Die U 6 fährt nur bis Gerlingen, und die U 1, die U 8 und die U 3 nur bis Vaihingen. Die U 2 hält zwar an der Haltestelle „Eltinger Straße“, bevor sie zu ihrer Endstation in Botnang fährt – aber bis nach Eltingen reicht die Linie nicht.

Noch nicht. Denn genau das ist Bernhards Idee: Die Verlängerung der Stuttgarter Stadtbahnlinien in den Kreis Böblingen. Anlass für die Idee ist die Ankündigung der Bundesregierung, ihre Fördersätze für Schienenprojekte erheblich anzuheben. Wenn es so kommt, wie bislang geplant, können Bau, Elektrifizierung und Reaktivierung von Zugstrecken mit bis zu 90 Prozent der Kosten gefördert werden – es würde also fast alles bezahlt. Auch die Hoffnungen der S-Bahn-Verlängerung bis Calw liegen auf dem Geld.

„Wir hirnen intensiv“

„Dieses Fördergeld wollen auch wir intensiv nutzen“, kündigt Roland Bernhard an. „Sie dürfen davon ausgehen, dass wir zurzeit intensiv hirnen, wo wir was verbessern können.“ Ein Beispiel dafür sei die Stadtbahn, die kurz vor Leonberg, nämlich in Gerlingen, endet.

Roland Bernhard nennt aber noch eine weitere Idee im Landkreis: Eine Schienenverbindung von Herrenberg nach Nagold. Das wäre der Lückenschluss zweier Bahnknoten. Durch Nagold fährt die Kulturbahn, von Pforzheim und Calw kommend. In Herrenberg könnten diese Fahrgäste in den Regionalexpress oder den Intercity nach Stuttgart einsteigen.

Zahlen des Verbands Region Stuttgart (VRS) belegen, dass der öffentliche Nahverkehr an seine Grenzen angelangt ist. Vor allem in der morgendlichen Spitzenzeit von 7 bis 8 Uhr sind Busse und Bahnen proppenvoll. 127,5 Millionen Gäste fahren allein mit der Stuttgarter S-Bahn. Das ist eine Steigerung von 25 Prozent in nur zehn Jahren. Besonders belastet sind die in den Kreis Böblingen fahrenden S-Bahn-Linien 1 und 6. Die S 1, die aus Herrenberg über Böblingen nach Stuttgart fährt, wird ohnehin viel genutzt. Und die S 6 ist die einzige S-Bahn-Linie, die nicht zusätzlich von einem Regionalexpress entlastet wird. Mit einer zusätzlichen Express-S-Bahn versucht der Verband Region Stuttgart darum, wenigstens zwischen Weil der Stadt und Feuerbach Entlastung zu schaffen.

Eine neue Idee?

Alle Verantwortlichen für den Nahverkehr sind darum schon lange händeringend auf der Suche nach weiteren Kapazitäten. Landrat Roland Bernhard denkt jetzt an den Ausbau und die Ausweitung des Stadtbahn-Netzes. Eine Verlängerung der Stadtbahn von Gerlingen nach Leonberg sei bislang in ihrem Haus noch kein Thema gewesen, sagt eine Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) auf Nachfrage.

Ganz neu ist die Idee aber nicht. Gitte Hutter, die linke Stadträtin im Leonberger Gemeinderat, hatte das im September 2018 im Interview mit unserer Zeitung schon einmal ins Gespräch gebracht. „Die Stuttgarter Stadtbahn sollte von Gerlingen weiter nach Leonberg führen“, forderte Hutter damals.

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