Leonberg Für Leonberg sucht Bosch weitere Fachkräfte

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Nach dem Abzug von Bosch in Rutesheim wird das 2,7 Hektar große Gelände ein Wohngebiet. Foto: Holger Leicht

Leonberg - Am Standort Leonberg ist die Beschäftigungssituation stabil, wir stellen weiterhin ein und auch die hier geplanten Erweiterungsvorhaben schreiten unverändert voran.“ Nur gute Nachrichten hat ein Firmensprecher des Technologie-Konzerns Bosch für Leonberg zu verkünden. Das ist nicht selbstverständlich in dem Kontext, dass an anderen großen und traditionsreichen Bosch-Standorten der Rotstift angesetzt wird und Arbeitsplätze verloren gehen. Auch in Renningen sind nach aktuellem Stand keine Streichungen vorgesehen.

Auch eine Nachricht hat der Firmensprecher zu verkünden, die das Stadtbild an der Römer- und Poststraße in Leonberg radikal ­verändern wird. Auf dem Gelände des hier ­geplanten Bosch-Zentrums geht es nun zügig weiter. Voraussichtlich zum Jahresende werden die Abrissbagger anrollen und die Gebäude des einstigen Möbelhauses und der Firma Bothner abtragen.

Tüfteln am Autonomen Fahren

Leonberg, wo derzeit rund 1750 Mitarbeiter beschäftigt sind, gilt als die weltweite Bosch-Zentrale für die Entwicklung des autonomen Fahrens – der Zukunftstechnologie schlechthin. Und so ist vorgesehen, auf dem ­erworbenen Gelände weitere Büro- und Laborflächen einschließlich Kantine mit einer Gesamtgröße von 27 500 Quadratmetern zu errichten. Die Neubauten sind nicht nur dafür da, die Enge im jetzigen Entwicklungszentrum zu lindern. Vor ­etwa einem Jahr, als das Vorhaben angestoßen wurde, hatte eine Unternehmenssprecherin angekündigt, dass die Kapazi­täten des Standortes um etwa 1000 Arbeitsplätze erweitert würden. ­Diese Aussage steht auch heute noch.

Damit Bosch aktiv werden konnte, mussten im Frühjahr die Stadträte die ­Änderung des Bebauungsplans und eine neue Nutzung der Fläche beschließen. Die notwendigen Anpassungen wurden im neuen Bebauungsplan für das Gebiet „Mühlpfad Stiefel Gewerbegebiet nörd­liche Poststraße“ zusammengefasst.

Damit wurde der Weg frei gemacht, sodass Mitte des kommenden Jahres Bosch mit dem Vorhaben richtig loslegen kann. Im Unternehmen rechnet man mit einer Bauzeit von gut zwei Jahren. „Vorgesehen ist, dass 2023 Büros, Labore und alles was zum neuen Zentrum gehört, bezugsfertig ist“, sagt der Bosch-Sprecher. Damit könnten dann alle weiteren in anderen Leonberger Immobilien untergebrachten Bosch-Mitarbeiter in das neue Zentrum an der Römer- und Poststraße einziehen.

Die Tage des ehemaligen Möbelhauses sind gezählt – Bosch reißt es ab. Foto: factum/Granville
Trotz des benachbarten Bosch-Forschungszentrums in Malmsheim ist der Leonberger Entwicklungs- und Dienstleistungsstandort im Aufwind. Der Standort Leonberg gilt als eine Art Silicon Valley der Fahrerassistenz: „Hier entwickelt Bosch die Zukunft des assistierten, automatisierten und vernetzten Fahrens“, formuliert es Standortleiter Thomas Irawani. Deshalb soll hier ein Technologie-Campus entstehen, mit mehreren Tausend Mitarbeitern. Vor dem Hintergrund der breiten Zukunftsthemen, die hier angegangen werden, ist Bosch in Leonberg interessant für junge Mitarbeiter, was ­dazu führt, dass es zu den Standorten mit dem jüngsten Durchschnittsalter zählt.

Für den boomenden Entwicklungsstandort hatte das leer stehende Möbelhaus-Gelände nicht ausgereicht. Deshalb ist Bosch auch auf das Verkaufsangebot der Firma Bothner eingegangen. Hier wurden Autofelgen lackiert. Vor zehn Jahren hatte sich dann der Edellackierer Fuchs aus Meinerzhagen im Sauerland eingemietet und die Anlage übernommen. Doch Fuchs hat Ende 2018 die Produktion in Leonberg eingestellt und in die west­fälische Zentrale verlagert.

Von der Entwicklung überrollt

„Die Integration der Fertigung und der Arbeitsplätze in Feuerbach ist in Gange“, sagt der Firmensprecher über einen weiteren Bosch-Standort, den in Rutesheim. Aber auch hier wird noch produziert. ­Rutesheim wurde von der Entwicklung in der Automobilbranche überrollt. Hier produzierte der Konzern seit 1956 an der Bahnhofstraße. Im Frühjahr 2016 wurde verkündet, dass von den 730 Arbeitsplätzen 500 nach Feuerbach ins Stammwerk verlagert werden und damit der 27 000 Quadratmeter große Bosch-Standort ­Rutes­heim geschlossen wird.

Zwei Gründe gaben den Ausschlag für diese Entscheidung: Die Gebäude waren seit vielen Jahren nicht mehr renoviert worden. Der zweite Grund hängt mit dem Produkt zusammen. Bosch stellte hier die Lambda-Sonden her – die messen den Sauerstoffgehalt im Abgas und sind in ­Katalysatoren eingebaut. Rutesheim war nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Stadt Rutesheim hat das Beste aus dem Desaster gemacht und entwickelt, ­begleitet von einer großen Bürgerbeteiligung, nun auf dem Gelände ein neues Baugebiet. In dem spielt bezahlbarer Wohnraum eine große Rolle. Auch eine Kindertagesstätte soll hier entstehen. Flächen in dem Areal reserviert hat sich auch Bosch und baut über die eigene Wohnungsgesellschaft hier ebenfalls Mietwohnungen.

Kein Rotstift in Renningen

Am Bosch-Campus in Renningen kann vom Rotstift derzeit keine Rede sein, im Gegenteil. Dort entstehen gerade sogar zwei neue Gebäude, eines für die Werkfeuerwehr, eines für ein neues Rechenzentrum. Es handelt sich dabei allerdings „nur“ um Erweiterungen der Infrastruktur, wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilt, eine Stellenerweiterung geht mit der Erweiterung nicht einher.

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