Leonberg-Eltingen 38 000 Stunden für den Artenschutz

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Viele Bürger wollen den dörflichen Charakter Eltingens, wie hier in der Carl-Schmincke-Straße, erhalten. Foto: factum/Granville

Leonberg - Der Bürgerverein Eltingen will ­mitreden, gestalten, Anregungen ­geben und im Natur- und Landschaftsschutz anpacken. Und der Bürgerverein will die Lebensqualität in Eltingen, das Ortsbild mit seinem dörflichen Charme und das Wir-Gefühl der Gemeinschaft erhalten. So ist es im Vereinszweck fest­geschrieben, und dafür setzen sich die 130 Mitglieder ein. Auf der ordentlichen Hauptversammlung zeigte der Vorsitzende Klaus Hettler in seinem Jahresrückblick, was dieser Vereinszweck konkret bedeutet.

Ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit ist der Artenschutz und damit die Arbeit an den mittlerweile sieben Biotopen. „38 000 Arbeitsstunden wurden seit der Gründung der Umweltgruppe im Jahr 1981 geleistet. „Und hier sind nur die Stunden gerechnet, die wir mit Spaten, Hacke oder Sense in der Hand vor Ort sind“, erzählt Michael Kast, einer der ‚Schlammbrüder“, wie sie sich selbst nennen. Für das Tiefenbachbiotop waren es 2018 allein 480 Stunden, für ­Wildbienen, Kröten und Vögel wurden 330 Stunden investiert, und selbst für die Ameisen wurden 60 Stunden benötigt.

Hilfe für Bienen und Vögel

Zur Arbeit gehört es auch, die 100 Vogelkästen nach der Brutsaison zu reinigen und Wildbienenkästen zu bauen. „200 Stunden brauchen wir für den Bau einer der aufwändigen Wildbienen-Nisthilfen.“ Außerdem pflegen die Schlammbrüder zwei Hektar Biotopfläche mit acht Teichen. „29 Libellenarten konnten wir in den Biotopen nachweisen“, berichtet Kast. „Zwei neue sind jetzt hinzugekommen, die Kleine Moosjungfer und die Keilflecklibelle.“

Zahlreiche Veranstaltungen gab es im Berichtsjahr, darunter im Dezember das Gespräch mit Baubürgermeister Klaus Brenner zur Verdichtung der Wohnbebauung in Eltingen. Gerade dieses Thema brennt den alteingesessenen Eltingern unter den Nägeln. Das stellt sich bei der Podiumsdiskussion mit sechs der im Gemeinderat vertretenen Parteien heraus.

Elke Staubach (CDU), Wolfgang Schaal (Freie Wähler), Bernd Murschel (Grüne), Wolfgang Schönleber (SPD), Bernd Schönwald (FDP) und Gitte Hutter (Linke) stellten sich den Fragen. „Überall wachsen Neubauten aus dem Boden, die Nach­verdichtung ist ein Grund dafür, doch wir bitten hier um Augenmaß, um eine massive komprimierte Bauweise zu verhindern“, ist das Anliegen von Klaus Hettler an alle Fraktionen und die Verwaltung.

Wird zu viel gebaut?

Ein Dorn im Auge ist vielen Mitgliedern der Bau-Boom in Eltingen, das macht die Diskussion deutlich. Dabei stellt sich niemand gegen den Wohnungsbau, aber in der Kritik stehen die uniformen massiven Bauten mit Flachdach, die derzeit hochgezogen werden und nicht zu den Giebeldächern passen. Einig sind sich alle Fraktionen, dass der dörfliche Charakter Eltingens mit seinen Fachwerkhäusern erhalten ­bleiben sollte. Auch für Elke Staubach ist es wichtig, dass Eltingen seine Eigenständigkeit als Stadtteil behält. „Eltingen wird sich verändern, aber wir brauchen auch Grünbereiche, damit die Menschen hier weiter gerne wohnen.“

Durch die massiven Flachdachbauten verliere Eltingen seinen Charakter, sagt Wolfgang Schaal, der Gemeinderat sei hierzu nicht befragt worden. „Gibt es keinen Bebauungsplan, darf die Stadt dem Investor Flachdächer nicht verbieten“, stellt Baubürgermeister Klaus Brenner klar, der als Gast eingeladen ist. Bernd Schönwald verweist auf das Spannungsverhältnis ländlicher Raum zu Großraum mit viel ­Industrie und allen Vor- und Nachteilen. „Wichtig ist es, Kompromisse zu schließen und dabei so viel Lebensqualität wie möglich zu schaffen und zu erhalten.“

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