Leonberg Eine Traditionsfirma schließt ihre Tore

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Das erste Warmbronner Kettcarrennen fand noch in der Schulstraße statt, bevor die Hauptstraße zur Rennstrecke wurde. Foto: privat

Leonberg - Eine Ära geht in Warmbronn zu Ende. Die Firma Hans Keim Kunststoffe in der Brandenburger Straße schließt nach mehr als 70 Jahren ihre Tore. Alles was bisher hier gefertigt wurde, wird nun in das 1979 in Zimmern ob Rottweil gegründete zweite Werk der Firma verlagert.

„Es ist eine strategische Entscheidung gewesen, und die trifft man meistens nicht mit dem Herzen“, sagt der Inhaber Christoph Keim. „Es macht keinen Sinn in einem so schönen Wohngebiet wie in Warmbronn Industrie zu entwickeln, das muss an einem Standort geschehen, der die Voraussetzungen dafür bietet und das ist für uns nun mal der in Zimmern.“

Das Werk in Zimmern ob Rottweil ist mit 75 Mitarbeitern fast drei mal so groß wie das in Warmbronn. Seit mehr als 50 Jahren befasst sich die Firma mit der Verarbeitung von transparenten Kunststoffen. Nach einem Verfahren, das der Chemiker Hans Keim entwickelt hat, wird der Kunststoff in die Form gebracht, die der Kunde benötigt.

„Niemandem wurde gekündigt“

Aus Tradition habe man so lange wie möglich am Standort Warmbronn festgehalten, doch nun gelte es sich weiterzuentwickeln, sagt Christoph Keim. Das Gelände in Warmbronn ist verkauft. „Wir wollen, dass hier eine Wohnbebauung entsteht“, sagt Christoph Keim. Von den etwa 25 Mitarbeitern in Warmbronn, denen die Entscheidung über den Umzug vor einem Jahr mitgeteilt wurde, kommen die meisten mit nach Zimmern, wenn Ende Juli die Tore geschlossen werden. „Niemandem wurde gekündigt, wir brauchen alle unsere Facharbeiter. Für die aus Warmbronn stehen Kleinbusse für die Fahrt nach Zimmern bereit“, erläutert der Firmenchef.

Wenn am Samstagnachmittag, 9. Juni, beim Warmbronner Maifest das Signal zum Start für das traditionelle Hans-Keim-Gedächtnisrennen gegeben wird – was gleichzeitig der Auftakt zum Fest ist – dann geht auch hier eine Ära zu Ende. Mehr als 40 Jahre lang haben die örtlichen Familien Keim und Bauer den Grundschulkindern dieses Sportereignis ermöglicht. Nun ziehen sie sich zurück. „Mein Vater hatte die Idee, mit dem Rennen den Grundschülern Spaß zu bringen und sie für Bewegung zu animieren“, sagt Christoph Keim.

Mit dem Wegzug der Firma Keim im Sommer und der Verlagerung ihrer Produktionsstätte nach Zimmern ob Rottweil heißt es für die Gestalter des Maifestes nun Abschied nehmen von den bisherigen Organisatoren und Sponsoren des Rennens.

Eugen Bauer, ehemals leitender Mitarbeiter der Firma Hans Keim Kunststoffe, hatte mit seiner Familie die Organisation des Rennens jahrzehntelang inne. „Ihm und seinem Team ist es zu verdanken, dass in all den Jahren alles reibungslos und ohne Unfälle verlaufen ist“, sagt Suzanne Koranyi-Esser vom Gemeindeverein. Dieser organisiert das Maifest.

Das Maifest ist eine große Sache

Eine große Leistung sei auch das finanzielle Engagement der Familie von Hans Keim, die jedes der mehr als 40 Rennen mit ihrer Spende erst möglich gemacht hat. Insgesamt 328 Kettcars hat die Familie in 41 Jahren für das Maifest angeschafft, eine Investition in die sportliche Freude der Grundschulkinder von rund 80 000 Euro.

„Noch vor dem ersten Maifest im Jahr 1976 gab es das erste Kettcar-Rennen in der Schulstraße, da bin ich mitgefahren“, erinnert sich Christoph Keim. Schon im Jahr darauf bretterten die Grundschulkinder die besser geeignete, leicht abschüssige Hauptstraße entlang. Rund 100 Kinder haben jedes Jahr in die Kettcarpedale getreten, um eines der acht Kettcars zu gewinnen. „Wenn nun am Wochenende die kleinen Rennfahrer und -fahrerinnen die Hauptstraße hinuntersausen, dann werden sie von vielen Eltern und Großeltern angefeuert, die vor langer Zeit ebenfalls als Schnellste ins Ziel kommen wollten“, weiß Suzanne Koranyi-Esser. „Damals wie heute ist ein Keim-Kettcar für Warmbronner Kinder das Allergrößte“, sagt sie.

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