Postareal Leonberg Ein filigraner Brückenschlag zur Altstadt

Von Ute Jenschur
Das interessiert viele Bürger brennend: Wie geht es beim Postareal weiter? Foto: factum/Granville

Leonberg - Er ist ganz Visionär an diesem Abend, so wie man ihn in den vergangenen Monaten bereits kennengelernt hat: Oberbürgermeister Martin Kaufmann schwebt eine filigrane, vielleicht leicht geschwungene Brücke vor, die Leonbergs Altstadt für Fußgänger und Radfahrer mit dem geplanten neuen Stadtquartier auf dem Postareal verbinden soll. Konzipiert, warum nicht, vielleicht sogar von der Tochter des Architekten und Warmbronner Ehrenbürgers Frei Otto, der in der Stadt bereits seine Spuren hinterlassen hat. Das zumindest will Kaufmann dem Investor schmackhaft machen. „Die Brücke sollte ein Imagegewinn für die Stadt und ein Erlebnis für Fußgänger und Radfahrer werden“, so Kaufmann. Sie wird in der Bahnhofstraße auf Höhe der jetzt leer stehenden Apotheke beginnen, den Eltinger Fußweg überqueren und mitten in das neue Quartier führen. So ist es zumindest auf dem Siegerentwurf des Investors Strabag Real Estate zu sehen.

Nicht nur ein symbolischer, sondern auch ein realer, aufmerksamkeitsstarker Brückenschlag soll also die historische Altstadt und das neue Stadtquartier verbinden. Strabag hat laut Preisgericht die städtischen Vorgaben ideal umgesetzt und bietet für das Gelände einen Kaufpreis von 8,35 Millionen Euro. Die Stadt hatte das Postareal 2009 für 1,5 Millionen Euro erworben, zuzüglich des Kaufpreises für einige angrenzende Gebäude.

Modelle stehen im Rathaus

Den Bürgern wurden jetzt die Pläne und Modelle des ersten und zweiten Siegers der europaweiten Ausschreibung vorgestellt, die auch weiterhin im Rathaus besichtigt werden können. Es geht um die Zukunft eines zentralen Geländes, das das Leonberger Stadtbild entscheidend mitprägt. Vorgabe der Verwaltung war, dass ein autofreies, belebtes, architektonisch eigenständiges Quartier mit Grünflächen entsteht. Der Siegerentwurf schafft eine Verbindung zum Rathaus, zur Eltinger Straße, zur Altstadt und öffnet sich über einen noch anzulegenden Stadtgarten zum Layher-Gelände hin. Das Modell zeigt auf 6500 Quadratmetern bebauter Fläche einen großen Supermarkt im Untergeschoss, Läden und Gastronomie im Erdgeschoss, ein Fitnesscenter und 150 Wohnungen im Obergeschoss. Außerdem ein Vier-Sterne-Hotel und einen Quartiersplatz. 8100 Quadratmeter sind für den Einzelhandel vorgesehen, in einer Tiefgarage wird es 510 Stellplätze geben, die Zufahrt erfolgt von der Eltinger Straße aus.

Von allen Seiten prasseln zum Projekt die Fragen der Bürger auf Oberbürgermeister Martin Kaufmann und Baubürgermeister Klaus Brenner ein: Wie lang und breit denn die vorgeschlagene Fuß- und Radfahrerbrücke konkret werden soll, fragt eine Besucherin. Andere fragen, wie viele der alten Kastanienbäume an der Eltinger Straße erhalten bleiben und ob es auch weiterhin eine Postfiliale geben wird. Kaufmann macht deutlich, dass er sich in den Verhandlungen für den Erhalt einiger der Kastanienbäume und auch für eine Postfiliale einsetzen will.

„Keine Ideallösung, aber ein Konzept“

Die Ausgestaltung der Brücke und viele andere Details nach denen die Bürger fragen, wie die zusätzliche Verkehrsbelastung und die Zufahrt von der Eltinger Straße aus, werden erst in den nächsten Monaten gemeinsam mit dem Investor und dem Gemeinderat ausgearbeitet. „Das ist der nächste Schritt“, sagt Baubürgermeister Brenner. „Selten wird der Siegerentwurf einer Wettbewerbsausschreibung am Ende 1:1 verwirklicht. Ein Wettbewerb bringt nie die Ideallösung, aber ein Konzept.“

Wenn der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung grünes Licht gibt, kann die Stadtverwaltung auf dieser Basis in konkrete Verhandlungen mit dem Investor treten. Diese werden sich mindestens über ein halbes Jahr hinziehen. Als reine Bauzeit veranschlagt Klaus Brenner zwei Jahre, plus die Zeit für die Entscheidungen. Insgesamt kann voraussichtlich 2021 mit der Fertigstellung gerechnet werden.

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