Leonberg „Nipple Jesus“ bei den Theatertagen

Von Ute Jenschur
Gerhard Polacek in „Nipple Jesus“ Foto: Jürgen Bach

Es ist ein zukunftsträchtiges neues Konzept, das den Kulturbetrieb in Leonberg noch bis zum 22. Mai bereichert. Im Theater im Spitalhof ist mit den Leonberger Theatertagen erstmals ein kleines Theaterfestival entstanden. Insgesamt 13 Aufführungen sind an zehn Tagen zu sehen. „Theateraufführungen en bloc schaffen einfach eine andere Atmosphäre, das gibt dann ein echtes Theaterfeeling und wird ein Ort für Begegnungen“, sagt Katja Rohloff, die Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Leonberg, die die Theatertage organisiert hat.

Theatertage als Marke entwickeln

Es ist zunächst ein Versuch, aber die Resonanz auf den Kartenverkauf der ersten Tage ist so gut, dass Katja Rohloff das Festival durchaus als Blaupause auch für das kommende Jahr sieht und das Programm sogar mit Blick auf Stücke für Erwachsene noch ausbauen möchte. „Ich würde die Leonberger Theatertage gerne als Marke entwickeln für ein professionelles Sprechtheater in Leonberg“. Schwerpunkt sollen aber Stücke für Kinder und Jugendliche bleiben. Vor allem die Kinderstücke haben ein sehr großes Einzugsgebiet, da in Elternzeitungen darauf hingewiesen wird und, wie Katja Rohloff sagt, „alle darauf gewartet haben, dass es wieder Veranstaltungen gibt“.

Die Auftaktveranstaltung mit Kindertheater war ausverkauft

Das zeigte sich bereits bei der Auftaktveranstaltung des Kindertheaters Pohyb‘s und Konsorten, das mit 130 Besuchern ausverkauft war. „Es war schön, wieder so viele Kinder hier zu sehen. Es war eine Art Aufbruchstimmung nach der langen coronabedingten Theaterabstinenz“, so Katja Rohloff.

Das abendliche Solostück „Nipple Jesus“ des Bestseller-Autors Nick Hornby fand dagegen im kleinen Zuschauerkreis statt, was schade war, denn der Schauspieler Gerhard Polacek glänzte bei der amüsanten, ironischen und kurzweiligen Vorstellung im Galerieverein als naiver Museumswärter Dave, der die Frage aufwirft, was moderne Kunst darf und was überhaupt Kunst ist. Das Solostück wurde ausnahmsweise im Galerieverein aufgeführt, der mit der noch aufgebauten Ausstellung von Moritz Götze die ideale Theaterkulisse für „Nipple Jesus“ der Württembergischen Landesbühne Esslingen bot.

Was ist und was darf moderne Kunst

In einer Ausstellung moderner Kunstwerke soll Dave einen Raum bewachen, in dem der Zutritt erst ab 18 Jahren erlaubt ist, denn bei dem dortigen Bild Nr. 49, dem „Nipple Jesus“, geht es um eine Darstellung von Jesus am Kreuz – allerdings zusammengesetzt aus weiblichen Brustwarzen, die von der Künstlerin Martha aus Pornoheften ausgeschnitten wurden. Zunächst ist Dave schockiert und hasst das Bild.

Die Zerstörung des Kunstwerks

Als er aber die Künstlerin eines Tages persönlich kennenlernt, entdeckt er mehr und mehr die Welt der modernen Kunst für sich und beginnt, das Kunstwerk vor empörten Angreifern zu schützen. „Niemand hat so viel über das Bild nachgedacht, wie ich. Was ich in dem Bild gesehen habe“, erkennt Dave, „das sollten auch andere sehen“. Dennoch kann er nicht verhindern, dass das Bild von Besuchern zerstört wird. „Christus lag mit zerschlagenem Kopf auf dem Boden, das geht nicht, egal, woraus er gemacht ist.“

„Ich habe wirklich keine Ahnung von Kunst.“

Dave ist todunglücklich, dass er, der Soldat und ehemalige Türsteher, das Bild nicht schützen konnte. Doch die Künstlerin Martha ist ob des zerstörten Werkes glücklich: „Prima, toll, super, ich kann nicht erwarten, das Video zu sehen!“ Denn das ist genau, was sie bezweckt hat: die Zerstörung wurde von einer Überwachungskamera auf Video gebannt und das ist das eigentliche Kunstwerk. Von Anfang an ging es Martha nicht um den Nipple-Aufreger, sondern um die Instrumentalisierung des Museumswärters Dave für ihr Videoprojekt zum Thema Intoleranz. Und Dave wird am Ende klar: „Ich habe wirklich keine Ahnung von Kunst.“

Neben der Landesbühne Esslingen sind bei den Leonberger Theatertagen freie Ensembles aus dem süddeutschen Raum und Absolventen der Theaterakademie Stuttgart zu Gast. Den Abschluss des Theaterfestivals gestaltet das heimische Inklusionstheater „alledabei“.

Das gesamte Programm der Theatertage ist zu finden unter www.leonberg.de/Theatertage. Karten sind erhältlich im i-Punkt im Leonberger Rathaus und bei Reservix für zwölf Euro, ermäßigt sieben Euro.

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