Leonberg Die Knöpfles sagen im Dezember Ade

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Abschied nach 15 Jahren: Bettina und Peter Knöpfle verlassen den Markt. Er muss gesundheitlich kürzer treten. Die beiden übernehmen ein kleines Hotel. Foto:  

Leonberg - Der Tisch im zweiten Stock stammt aus Bali und bietet zwölf Menschen Platz. Sein Holz war einst die Planke eines Schiffs im Indischen Ozean. Freundschaftstisch nennen Bettina und Peter Knöpfle das rustikale Teil, an dem so manches gute Essen zelebriert wurde.

Bald wird der Freundschaftstisch nicht mehr im Fachwerkhaus „Zur Krone“ am Markt stehen, sondern in einem kleinen Hotel im Schwarzwald. Das „Knöpfle“, einer der gastronomischen Top-Adressen im Altkreis, macht am 1. Dezember zu. Die Gesundheit von Peter Knöpfle spielt nach 40 Jahren in Küche und Keller, im Restaurant und im Bistro, nicht mehr mit. Der begeisterte Koch muss kürzer treten.

15 Jahre haben Piet, wie ihn die Freunde und Stammgäste nennen, und seine Frau am Markt ein Doppelgeschäft betrieben. Unten „Valentins Bistro“ mit kleineren Leckereien und täglich wechselndem Mittagstisch, im ersten Stock „Knöpfles Restaurant“, ein Ort der gepflegten Esskultur. Noch eins höher eine weitere Küche und eben der Freundschaftstisch. Hier hat Peter Knöpfle Kochseminare gegeben.

Dazu noch Catering, Familienfeiern, die Außenterrasse im Sommer. „Irgendwann war es einfach zu viel“, sagt der 54-Jährige, der seit seinem 14. Lebensjahr hinter dem Herd steht. Mehr als zwei Jahre haben er und seine Frau gerungen, wie es weiter gehen soll: Wirklich all das aufgeben, was man sich vor 15 Jahren unter großen Mühen und mit noch mehr Begeisterung aufgebaut hat?

Ein neues Innenleben haben sie der „Krone“, dem Elternhaus von Bettina Knöpfle, verliehen. Im vergangenen Jahrhundert, bei Tante Paula, mussten die Gäste über eine Holzstiege in den oben gelegenen Gastraum. Drei, vier Tische standen im kleinen Schankraum.

Dass die Tochter dereinst in ihre Heimat zurückkehren würde, hatte sie nicht geahnt, als sie Hotelfachfrau lernte und danach in die große weite Welt wollte. Tatsächlich führte ihr Weg nach Italien und dann an die Rezeption des renommierten Hotels Schwan in Bernhausen. Dort, es war 1985, lernte sie Piet kennen und lieben. Er war gerade von mehreren Engagements in der Schweiz zurückgekehrt, wo er ausschließlich in Top-Restaurants gearbeitet hatte. „In der Schweiz bekommt man ein Gefühl für kulinarische Möglichkeiten“, erinnert sich Knöpfle an seine Wanderjahre zurück. In dem Alpenland ist es üblich, saisonweise zu arbeiten.

Auch mit Bettina wurde er nicht sofort sesshaft. Die Knöpfles übernahmen ein Restaurant in Westfalen. Ein gutes Haus mit großer Außengastronomie. Fast wären sie dauerhaft dort geblieben, doch dann lief im Leonberger Elternhaus der Vertrag mit dem dortigen Pächter, einem Italiener, aus. Ein Architekt entwarf den beiden die Zukunft. Ganz unten ein Gewölbekeller, im Erdgeschoss eine Art Brasserie und oben das Restaurant. Alles offen, mit viel Fachwerk. „Das müsst ihr machen“: Der Architekt war Feuer und Flamme und steckte die Knöpfles mit seiner Begeisterung an.

Ein halbes Jahr bauten sie um, bevor Bistro und Restaurant am 4. November 1999 eröffnet wurde. In den Anfangsjahren war der Keller beim Pferdemarkt offen. Doch dann benötigten die Knöpfles Platz für den Wein. 250 Positionen haben sie auf der Karte. In einem Spitzenrestaurant wird das erwartet. Und genau das hat Peter Knöpfle aus der einstigen „Krone“ gemacht. Einträge in den gastronomischen Bibeln „Gault Millau“ und „Der Feinschmecker“ zeugen davon. Das funktioniert nur mit einer Mischung aus Empathie und Disziplin. „Koch muss man leben“, sagt Knöpfle. „Man steht mit Kochen auf und geht mit Kochen ins Bett“.

Ein Leben für die Arbeit fordert seinen Preis. Peter Knöpfles Gelenke streiken. 20 Stunden-Tage kann er nicht mehr durchhalten. Das Paar sucht nun einen Käufer für ihr Haus. Möglichst einen, der die gastronomische Tradition aufrecht erhält. Solange wollen sie das Bistro noch betreiben.

Ihr neues Leben im „Haus Sonnenberg“ in der Nähe des Feldbergs beginnt am 1. Dezember. Bettina kümmert sich um die Zimmer. Peter macht die Küche. Ein leckeres Abendessen soll es für die Gäste schon noch geben. So ganz kann er’s halt nicht lassen.

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