Leonberg Die Altstadt-Linie steht vor dem endgültigen Aus

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Ein Bild aus guten Zeiten: Im September 2015 fährt der Bus zum ersten Mal. Foto: factum/Granville

Leonberg - Die Altstadt-Line fährt in eine Sackgasse.“ Mit plastischen Worten drückt der für den Nahverkehr zuständige Bürgermeister Ulrich Vonderheid das aus, was am heutigen Donnerstag im städtischen Finanzausschuss beschlossen werden soll: Der Pendelbus zwischen Marktplatz und Leo-Center wird gestoppt.

Damit endet die Bewährungsfrist, die das Gremium im Januar beschlossen hatte, ohne Erfolge. Schon damals waren die Zahlen ernüchternd. Im Schnitt nur drei Fahrgäste nutzen den kleinen Bus, wenn er die beiden innerstädtischen Pole verbindet.

Fünf Passagiere pro Tour werden vom Verkehrsverbund Stuttgart allerdings als die absolute Untergrenze angegeben, um eine Streckenführung zu vertreten. Dieses Limit wurde in den vergangenen vier Monaten nicht erreicht. Die Stadtwerke als Betreiber gehen von einem Defizit von rund 92 000 Euro aus, das zur Hälfte von Leonberg und vom Kreis übernommen wird.

Vonderheid ist enttäuscht

„Wir hatten eine Idee gehabt. Die wurde aber nicht genutzt“, resümiert Vonderheid mit enttäuschtem Unterton. Dabei hatte die Stadt gehofft, dass zusätzliche Werbung mehr Fahrgäste bringe würde. Der bis zum Januar in neutralem Weiß fahrende Kleinbus wurde mit einem großen Aufkleber „Altstadt-Linie“ versehen. Fahrpläne wurden in allen Haushalten der Kernstadt verteilt und in den Geschäften rund um den Marktplatz und im Leo-Center ausgelegt. Werbung in anderen Medien, die ursprünglich auch geplant war, blieb allerdings aus.

Ob nun diese „Werbekampagne light“ tatsächlich zu dünn war, ob die Linienführung zu kurz ist oder ob für viele Menschen 1,30 Euro für sieben Minuten Busfahrt dann doch zu teuer sind, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Fakt ist, dass die meisten Passagiere auch schon vor der Linie 630, wie sie offiziell heißt, mit dem Bus vom Neuköllner Platz in die Altstadt gefahren sind. Seinerzeit eben mit dem Umweg über den Bahnhof. Das hat eine Fahrgastbefragung ergeben, die in den vergangenen Monaten gemacht wurde. „Wir haben kaum neue Fahrgäste hinzubekommen“, erklärt Ulrich Vonderheid. „Zwei Drittel waren schon vorher Buskunden.“

„Eine Wende ist nicht erkennbar“

Beschließt der Finanzausschuss heute Abend das Ende des Probebetriebs, geht es schnell. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember wollen die Stadtwerke nicht warten. Der Vertrag mit dem beauftragten Busunternehmen kann zum September gekündigt werden. „Warum sollten wir warten und neue Kosten produzieren?“, fragt Vonderheid. „Eine Wende ist nicht erkennbar.“

Einen Trost hat der Erste Bürgermeister: Ende 2017 übernehmen die Stadtwerke die Linie 94 von den SSB. „Dann können wir auch die Linienführung ändern und direkt durch die Innenstadt führen“, sagt Vonderheid. „Das ist eine neue Chance.“

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