Leonberg Der Straßenlärm treibt die Anwohner im Ezach um

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Die Anwohner im Leonberger Wohngebiet Ezach wollen vor Straßenlärm geschützt werden. Foto: dpa

Leonberg - Nach Themen muss Reinhard Siegfarth, der Vorsitzende, nicht lange suchen, als er am Freitagabend zur Jahreshauptversammlung des Ezacher Bürgervereins eingeladen hat. Der Ausbau des Leonberger Radwegenetzes, das neue Gewerbegebiet Längenbühl und das neue Baugebiet Ezach III müssen diskutiert werden. Ein Problem aber steht ganz oben auf der Tagesordnung, das „Ganzjahresmegathema“, wie Siegfarth es nennt: der Lückenschluss zwischen der B 464 und der B 295 bei Renningen nämlich. „Da müssen wir uns allmählich fragen, ob die Stadtverwaltung und der Gemeinderat überhaupt noch an uns Bürger denken und unsere Interessen vertreten“, sagt Reinhard Siegfarth bei seiner Begrüßung.

Dabei schaut er im Ökumenischen Gemeindezentrum Ezach nach links hinten. Da sitzen sechs Gemeinderäte von CDU, SPD, den Grünen, der FDP und der Linken. Und auch Baubürgermeister Klaus Brenner. „Natürlich vertreten wir die Interessen von Ihnen allen. Uns bleibt gar nichts anderes übrig“, beantwortet Brenner die Frage sofort. Was das aber konkret heißt, führt er nicht aus. Fest steht nur das Problem: zu viel Lärm. „Da bin ich auch ratlos“, sagt der SPD-Stadtrat Ottmar Pfitzenmaier. „Der Lückenschluss wurde auf kaltem Weg umgesetzt, als Provisorium. So wurde das Beteiligungsverfahren ausgehebelt.“

Die Ezacher wollen mehr Lärmschutz

Was also jetzt tun? Mehr Lärmschutz muss her, das steht für die etwa 30 Bürgervereinsmitglieder fest. Den juristischen Weg einschlagen und gegen das Regierungspräsidium klagen, wie Gitte Hutter, die linke Stadträtin überlegt? „Ich nehme das Thema auf jeden Fall nächste Woche mit in den Kreistag“, verspricht FDP-Mann Dieter Maurmaier, auch wenn er sich da nicht allzu viele Hoffnungen macht: „Ich kann mir nicht vorstellen, einen Lärmschutz für ein Provisorium zu bekommen.“ Aber Reinhard Siegfarth vom Bürgerverein lässt nicht locker: „Der Gemeinderat muss da Druck machen. Sie haben schließlich die Pflicht, uns zu schützen“, sagt er.

Auch beim nächsten Lärmproblem: der geplante zusätzliche Fahrstreifen auf der Autobahn 8 zwischen dem Vaihinger Kreuz und dem Dreieck Leonberg. „Auch den will das Regierungspräsidium ohne jede Bürgerbeteiligung bauen“, schimpft Ewald Thoma von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm (AGVL). „Der Lärm von diesem zusätzlichen Verkehr wird das Ezach dann ebenfalls bedrohen.“

Dabei wünschen sich die Ezacher bei ihrer Versammlung durchaus mehr Verkehr. Anderen Verkehr aber, per Fahrrad nämlich. „Wir brauchen endlich sichere Radwege in die Innenstadt“, fordert der Vorsitzende Reinhard Siegfarth, der gleichzeitig stellvertretender Sprecher der Radl-Agendagruppe ist. Da ist Baubürgermeister Klaus Brenner gefragt, der im Moment das Fahrradthema intensiv bearbeitet. „Ich bin heute Abend vor allem gekommen, um zu versprechen, dass wir nicht einfach so drauflosbauen. Ich will alles erst mit den Bürgern diskutieren“, sagt er. Denn noch sei nichts entschieden, auch wenn der Gemeinderat und die Radwegekommission bereits darüber getagt und das Radverkehrskonzept beschlossen haben.

Denn auch hier wird bei der Diskussion des Bürgervereins schnell klar: Einfach ist nichts, und die Interessen sind sehr unterschiedlich. Reinhard Siegfarth wünscht sich Radschutzstreifen rechts und links der Renninger Straße. Diese werden mittels einer unterbrochenen Linie abgetrennt, dürfen aber bei Bedarf von den Autos überfahren werden. Allerdings geht mit den Schutzstreifen ein Parkverbot einher.

Warten auf die Haushaltsverhandlungen im Gemeinderat

„Das hätte dann aber fatale Auswirkungen auf die Autostellplätze in Eltingen. Da muss man unbedingt immer erst die Anlieger mit ins Boot nehmen“, gibt der SPD-Stadtrat Wolfgang Schönleber zu bedenken. Alles hänge jetzt ohnehin von den Haushaltsverhandlungen des Gemeinderats ab. „Dann sehe ich, wie viel Geld ich bekomme. Dann kann ich sukzessive das Fahrradnetz ausbauen“, verspricht Baubürgermeister Brenner.

Ein weiteres Thema ist das neue Gewerbegebiet Längenbühl am Westanschluss. „Was kommt denn da für eine Art von Gewerbe hin“, will der Vorsitzende Reinhard Siegfarth wissen. „Wir wollen ein hochwertiges Gebiet, das zielgerichtet vor allem Leonberger Firmen anspricht“, erklärt der grüne Stadtrat Sebastian Werbke. Dem stimmt Bürgermeister Brenner zu, auch wenn er nicht ausschließen will, „dass wir nicht doch den ein oder anderen Logistiker bekommen werden“.

Die Mitglieder des Bürgervereins diskutieren aber nicht nur. Auch die regulären Vorstandswahlen stehen an. Reinhard Siegfarth bleibt für die nächsten zwei Jahre Vorsitzender. Bärbel Hager und Sieglinde Ziegler sind seine Stellvertreterinnen. Im Beirat sitzen Heide Schmidt-Lennartz, Roswitha Thomas und Reinhold Stelzer.

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