Leonberg Biotope könnten weiteres Wohngebiet kippen

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Das Gebiet Unterer Schützenrain am nördlichen Stadtrand wirkt noch naturbelassen. Foto: Slotwinski

Leonberg - Im Ringen um mehr Bauplätze in der Stadt zeichnet sich ein neues Gebiet ab: der Untere Schützenrain, oberhalb der Feuerbacher Straße am nördlichen Stadteingang. Die CDU kann sich dort ein rund 2,3 Hektar großes Quartier vorstellen, auf dem vornehmlich bezahlbare Wohnungen geschaffen werden könnten.

Doch der Standort ist nicht unumstritten. Die Wiesenlandschaft mit Biotopen ist derzeit noch Lebensraum für Fledermäuse, Hasen, Igel und andere Tiere. Die direkten Anwohner sorgen sich um ihr naturbelassenes Umfeld. Und insbesondere die SPD ist der Meinung, dass es bessere Plätze gibt. Ein Landschaftsarchitekt soll nun für drei Gebiete Steckbriefe machen, aus denen hervorgeht, ob sie in Frage kommen.

Um welche Gebiete geht es?

Schon seit Jahren im Gespräch ist eine gut einen Hektar große Fläche an der Berliner Straße am Rande des Stadtparks. Größte Fürsprecherin ist die SPD-Fraktion, aber auch der frühere Oberbürgermeister Bernhard Schuler hatte sich seinerzeit für die Berliner Straße stark gemacht. Der Vorteil: Die Fläche gehört der Stadt, Kaufverhandlungen fielen also weg. Außerdem liegt der Bereich zentral in der Nähe des Leo-Centers, verschiedenen Schulen und trotzdem ruhig direkt am Rande des Parks.

Genau letzteren Punkt führen die Gegner an. Der Stadtpark als grüne Lunge der Innenstadt wäre zu sehr tangiert, befürchten CDU und Freie Wähler. Zunächst sollten Alternativen geprüft werden.

Gibt es Alternativen?

Eine davon könnte der Bereich Hasensaul längs der Rutesheimer Straße in der Nähe des Krankenhauses sein. Der wäre mit neun Hektar richtig groß. Entsprechend wäre Geschossbau möglich, argumentiert der SPD-Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier. Ein Eingriff in die Natur ist nicht zu befürchten, handelt es sich doch vornehmlich um Äcker. „Der Schützenrain hingegen ist in der Tabelle der Baugebiete“, so drückt es der bekennende Fußballfan aus, „eher auf einem Abstiegsplatz.“

Dieser Deutung der Hitliste schließen sich nicht alle an. Wolfgang Schaal, Chef der Freien Wähler, erwartet einen Aufschrei in der benachbarten Gartenstadt, sollte am Hasensaul gebaut werden.

Die CDU-Fraktionschefin Elke Staubach wundert sich über die Kritik am Schützenrain. Hatten doch erst im September immerhin 18 der 32 Ratsmitglieder dafür plädiert, hier schnell zu bauen.

Was sagen die Anwohner?

Anfang der Woche hat Oberbürgermeister Martin Kaufmann (SPD) eine Mail eines Schützenrain-Anwohners bekommen, in der mit Hinweis auf vier Biotope und die Tierwelt eine mögliche Bebauung harsch kritisiert wird. Das Problem: Die Stadt weiß nicht genau, um wen es sich bei dem Beschwerdeführer handelt und ob er allein oder stellvertretend für viele spricht. Denn Kontaktdaten hat der Mailschreiber nicht mitgeliefert. Was Elke Staubach zur spitzen Frage veranlasst, ob sich die Stadt aufgrund einer einzigen und quasi anonymen Mail um 180 Grad drehen würde.

Wie geht es weiter?

Das Hin und Her in der Wohnraum-Debatte nervt selbst Kommunalpolitiker. „Wir diskutieren wie im Kindergarten“, urteilt Susanne Kogel. Die CDU-Frau fordert, dass endlich einmal greifbare Entwürfe gemacht werden, wie denn ein Wohnviertel an der Berliner Straße und in den anderen Gebieten aussehen könnte.

Genau das soll jetzt geschehen. Der OB will kurzfristig drei Steckbriefe der Flächen als Entscheidungsgrundlage in Auftrag geben. Im Januar sollen sie vorliegen.

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