Leonberg 100 000 Knöpfe annähen für den Weltrekord

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In Dosen und Schachteln schlummern Schätze unterschiedlichster Knöpfe, die in Generationen zusammengetragen wurden. Foto: privat

Leonberg - Dem Samariterstift Höfingen schwebt ein Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde vor – und dafür braucht es kräftig Unterstützung. Bis zum 4. Oktober 2020 soll ein mindestens zehn Kilometer langes Stoffband entstehen, auf dem im Abstand von jeweils zehn Zentimetern ein Knopf angenäht ist. Damit sollen dann Hunderte Teilnehmer den Höfinger Ortskern umrunden.

Dafür lädt das Samariterstift Höfingen nun zum gemeinsamen Knöpfe-Nähen ein. Start der Aktion ist am Donnerstag, 7. November, von 19 Uhr an. Im Wohnzimmer des Samariterstiftes Höfingen in der Goldäckerstraße ist ein kreativer Abend angesagt, wo bei Tee und Viertele, gemeinsam von Groß und Klein, Jung und Alt, Knöpfe auf Bänder genäht werden. Gäste dürfen ihre Knöpfe oder auch die vorgeschnittenen Bänder gern mitbringen. Nähzeug und andere Utensilien gibt es zudem auch vor Ort.

Vom Scherz zur ernst gemeinten Idee

Die Idee des Weltrekordversuchs ist im Team des Samariterstifts entstanden, als Vorschläge für die Feier des zehnjährigen Bestehens gesucht wurden. „Was anfangs halb als Scherz ausgesprochen wurde, ist schnell zu einer Idee gereift, die alle begeistert hat“, sagt Reinhard Gradmann. Er ist der Geschäftsführer der Leonberger Stiftung Zeit für Menschen. Die unterstützt die Aktion, denn ihr Ziel ist es menschliche Zuwendung in den Einrichtungen und Diensten der Diakonie zu fördern. Dies geschieht, indem zusätzliche Zeit für Gespräche, Betreuung und Begleitung im Alltag von älteren Menschen oder mit Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen bereitgestellt wird.

„Diese Aktion entspricht ganz den Zielen unserer Stiftung, denn viele Menschen sollen eingebunden werden und wir wollen zeigen, dass das Samariterstift ein Teil Höfingens geworden ist“, sagt Gradmann. Ursprünglich sei die Idee gewesen, den gesamten Ort mit einem Knopf-Band zu umrunden. „Doch ein Gespräch mit Ortsvorsteherin Bärbel Sauer hat gezeigt, das Höfingen viel ausgedehnter ist, als wir dachten und so wird nur der Ortskern einbezogen“, erzählt Gradmann.

Eine Menschenkette um Höfingen rum

Zwar wird im Samariterstift der Weltrekord angepackt, doch Unterstützung gibt es von allen Seiten. Sogar aus dem Hegau sind bereits erste Bänder mit Knöpfen eingetroffen. „Die Idee ist ganz wunderbar“, findet Elisabeth Graf. Die 88-jährige Bewohnerin des dortigen Samariterstifts hat kurz entschlossen mitgemacht und Knopf für Knopf im akkuraten Abstand von je zehn Zentimetern auf den zehn Zentimeter breiten und knapp zwei Meter langen Stoffstreifen genäht. „Das Annähen wollte mit den alten Fingern nicht so recht gelingen“, fand die Seniorin.

„So ein schönes Band haben wir bislang noch nicht bekommen“, ist hingegen Ralf Salzer, der Hausleiter des Samariterstifts in Höfingen begeistert. Auch im Samariterstift in Tübingen wurde schon fleißig das akkurate Knöpfe-Annähen auf die Stoffbänder geübt.

Aufgestellt werden soll der Rekord am 4. Oktober 2020. Dann soll nämlich mit der längsten Knopfbandkette eine Menschenkette ganz um den Höfinger Ortskern rum geführt werden. Mit der Knopf-Band-Aktion wollen die Veranstalter auch an eine Jahrhunderte alte Beschäftigung erinnern, die Menschen in dunklen Herbst- und Wintermonaten zusammengebracht hat: Handarbeiten. Wenn die Landwirtschaft ruhte, war einst die Zeit der Lichtstuben. Die Dorfjugend traf sich in den Bauernhäusern reihum zum Handarbeiten, Spielen und Ratschen. Je nach Region nannte man sie Spinnstube oder Rockenstube. Auf dem Rocken wurden Flachs und Wolle zum Spinnen befestigt.

Gemeinsames Handarbeiten

Viele Volkslieder, Sagen und Märchen entstanden in Spinnstuben und wurden durch sie weitergegeben. Das muntere Beisammensein in den privaten Stuben gefiel aber nicht jedem. In den 1960ern verschwanden die Lichtstuben fast völlig.

Vielleicht lebt das gemeinsame Handarbeiten ja im Samariterstift Höfingen wieder auf, wünschen sich die Veranstalter. Und wenn dann sangesfreudige Näherinnen vor Ort sind, erklingt möglicherweise auch ein bekanntes Volkslied im Wohnzimmer. „Deshalb freut sich das Samariterstift Höfingen auf viele Gäste“, sagt der Hausleiter Ralf Salzer.

Wer aber am Donnerstagabend keine Zeit hat, kann sich Sonntag, 10. November, von 15 Uhr an vormerken. Da gibt es bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer des Samariterstifts nochmals die Gelegenheit, fleißig den Faden zu ziehen. Beide Treffen sind natürlich kostenfrei.

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