Leitungswechsel am Albert-Schweitzer-Gymnasium Ein leiser Abschied und Neuanfang

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Ob Klaus Nowotzin den Ruhestand nutzt, um ein weiteres Buch zu schreiben? 2018 veröffentlichte er seinen autobiografischen Roman „Insel der Auszeit“. Foto: Henning Maak

Leonberg - Normalerweise gibt es zum Abschied eine große Feier. Schüler und Lehrerkollegen verabschieden den scheidenden Rektor mit Reden und musikalischen Beiträgen. Ein Vertreter des Regierungspräsidiums überreicht eine Abschiedsurkunde und dann wird gefeiert. Das gleiche Prozedere noch einmal bei der Einsetzung des Nachfolgers oder der Nachfolgerin.

Doch in Corona-Zeiten ist halt nichts mehr normal. Da wird aus dem Abschied und der „Amtsübergabe“ ein Bürotermin im Regierungspräsidium. Mit Urkunde und Handschlag. Ein leiser Abschied in einer turbulenten Zeit – das hatte sich Klaus Nowotzin sicher anders vorgestellt. Die mit der Corona-Pandemie verbundenen Aufgaben hätten ihn in den letzten Monaten als Rektor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Leonberg sehr gefordert. „Aber sie machen aufs Ganze gesehen eben nur die letzten Monate meines Schaffens aus“, sagt der 65-Jährige.

Vom Lehrer zum Hausmann

1955 in Konstanz geboren, verbrachte er die ersten sechs Jahre in Salem am Bodensee, bevor die Familie nach Kaufbeuren zog. Später studierte in Freiburg Germanistik und Politikwissenschaft, bevor er sein Referendariat in Weinsberg und Öhringen absolvierte. Erste Stationen als Lehrer führten ihn nach Ellwangen und Markgröningen. In dieser Zeit heiratete er seine Frau Rose-Renate, eine Kinderärztin. Ihr Beruf war es schließlich, der die Familie, mittlerweile um zwei Kinder gewachsen, 1999 für vier Jahre auf die Nordseeinsel Wangerooge führte. Sie übernahm die ärztliche Leitung einer neu aufzubauenden Mutter-Kind-Kurklinik.

Klaus Nowotzin übernahm die Rolle des Hausmannes, kümmerte sich um die Kinder, Haus und Hof, hielt seiner Frau den Rücken frei, wie er erzählt. „Vormittags habe ich aufgeräumt, geputzt und gekocht und am Nachmittag die Kinder bespaßt, wenn sie aus der Kita nach Hause kamen“, sagt er. Nebenbei fand er die Zeit zum Schreiben. Es entstand der autobiografische Roman „Insel der Auszeit“. Ein Lebenstraum, den er allerdings erst im Alter von 62 Jahren im Eigenverlag veröffentlichte.

Ein Vater kämpft für Gleichberechtigung

In den vier Jahren auf der Insel wurde er außerdem zum Kämpfer in Sachen Gleichberechtigung für Väter. Denn das Kulturministerium wollte ihm damals nur Elternzeit bis zum dritten Geburtstag seines Sohnes gewähren. Sollte er nicht in den Schuldienst zurückkehren, würde er eine Besoldungsstufe herabgestuft. Nowotzin zog vor Gericht und gewann in zwei Instanzen. Ein Erfolg, der ihm sogar den Besuch des mittlerweile eingestellten ZDF-Gesellschaftsmagazins „Mona Lisa“ einbrachte. Denn damals hatten erst zwei Prozent der Väter überhaupt die Möglichkeit der Elternzeit in Anspruch genommen.

2003 zog die Familie wieder zurück in die Region. Klaus Nowotzin wurde Abteilungsleiter Deutsch und Gesellschaftswissenschaften am Gymnasium Rutesheim. Seit 2008 war er zudem stellvertretender Landesvorsitzender des Philologenverbandes, der Vertretung der Gymnasiallehrern. Nur ein Jahr später wurde er Rektor am ASG in Leonberg.

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