Leben in Renningen Wie wird Renningen barrierefrei?

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Zwischen Straße, Parkplätzen und Ernst-Bauer-Platz gibt es keine hohen Bordsteine – ein Vorteil nicht nur für Menschen mit Gehbehinderung, sondern ebenso für Senioren und Mütter mit Kinderwagen. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Mit 10 000 Euro ist der finanzielle Aufwand zunächst überschaubar. Der langfristige Effekt und was daraus erwächst, soll umso größer sein. Der Gemeinderat Renningen hat dafür votiert, eine Zusammenarbeit mit dem Berater Alexander Lang einzugehen, der sich auf das Thema Barrierefreiheit in Kommunen spezialisiert hat. 10 000 Euro wurden bereits für Beratungsleistungen in den Haushalt eingestellt und können nach Bedarf abgerufen werden. Für die Erstberatung wurde eine Förderung von pauschal 4000 beantragt.

Hürden auf dem Weg zu mehr Barrierefreiheit gibt es viele, weiß Alexander Lang. Es fängt an bei den Kosten und dem Mehraufwand, führt über das Setzen von persönlichen Prioritäten, wenn anderes einfach dringlicher ist, bis hin zu Unkenntnis, weil man sich mit dem Thema einfach noch nicht auseinandergesetzt hat. Auch reiner Egoismus steht Barrierefreiheit oft im Weg, hat Lang die Erfahrung gemacht, das Denken: „Das betrifft mich nicht.“ Hier sei es wichtig, sich klarzumachen: „Man sollte bei dem Thema nicht als erstes an andere, an Behinderte, denken, sondern einfach an sich selbst“, so Lang. „Jeder von uns wird mal älter und immobiler. Spätestens dann wird man dankbar sein.“

Auch Familien und Senioren im Blick

In der Tat geht es bei den Überlegungen bei weitem nicht nur um Rollstuhlfahrer, Blinde oder Gehörlose. Es geht genauso um Familien, Menschen mit Kinderwagen, Schwangere, Senioren und andere. Das Ziel lautet, dass Bürger in ihrer Stadt so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Dazu gehört unter anderem eine barrierefreie und für alle zugängliche Nahversorgung.

Klar ist: „Man kann eine Stadt nicht auf einmal komplett barrierefrei machen“, stellte Alexander Lang klar. „Es ist wichtig, dass man sich individuelle Meilensteine und Ziele setzt.“ Erste Aufgabe wird daher nun sein, den Ist-Zustand von Renningen zu ermitteln und auf dieser Basis die jeweiligen Ziele zu formulieren und nach möglichen Lösungen zu suchen. Erste Eindrücke sind zumindest schon einmal positiv. Alexander Lang konnte bei einer Begehung mit der Verwaltung einige gute Beispiele für Barrierefreiheit ausmachen: zum Beispiel der abgeflachte Bordstein am Ernst-Bauer-Platz, auf dem unter anderem der Wochenmarkt stattfindet, die Rampe am Stadtteilpark, der Aufzug am Bahnhof und die Rampenanlage der dortigen Unterführung. Auch der Aufzug am Bürgerhaus findet eine Erwähnung.

Barrierefreiheit hat auch ihre Grenzen

Aber wo hakt es denn nun eigentlich, möchte der Gemeinderat da natürlich wissen. Das hat Alexander Lang bislang noch nicht untersucht. Ein Beispiel kann er trotzdem nennen: den viel diskutierten Platz an der Ecke Hauptstraße/Magstadter Straße. Dort befindet sich unter anderem ein Café und ein Akustikgeschäft. Erreichbar ist er aber nur über Treppen. Eine Rampe hätte zu viel Platz eingenommen, sprich: von dem Vorplatz wäre kaum etwas übriggeblieben, sie wurde daher vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt. Mit einem Lösungsansatz kann Lang nicht dienen. „Diese Stelle ist verbrannt, da hätte man viel früher ganz anders planen müssen. Das kann man jetzt nicht mehr mit der Brechstange lösen.“

Dabei betont er auch: Barrierefreiheit hat auch ihre Grenzen. „Es gibt durchaus Punkte, bei denen der Kosten-Nutzen-Faktor einfach nicht stimmt.“ Ein Beispiel ist der Bahnhof in Illingen. Bedarf und Kosten, inklusive Folgekosten, passten nicht zusammen. „In solchen Situationen kann man aber immer nach Alternativen suchen“, so Lang. Im Fall des Illinger Bahnhofs über Angebote wie Sammeltaxis und einen Bürgerbus. Die Zusammenarbeit mit Illingen ist für Alexander Lang sein Vorzeigeprojekt. Auch Heimsheim und Rutesheim haben ihn bereits als Berater hinzugezogen.

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