Laurents Hörr aus Gerlingen Fernziel sind die 24 Stunden von Le Mans

Von
Boxenstopp für Laurents Hörr: Hier müssen alle Teammitglieder Hand in Hand arbeiten. Foto: Daniel Delien

Gerlingen - Vor dem entscheidenden Rennen des Le Mans Cup im portugiesischen Portimão standen Laurents Hörr und sein Teamkollege Francois Kirrmann auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung. Nach einer Auseinandersetzung auf der Strecke zwischen Hörr und dem bisherigen Gesamtführenden Lanan Racing erhielt der direkte Konkurrent um die Meisterschaft eine dreiminütige Zeitstrafe. Es reichte für Hörr und Kirrmann zwar nicht mehr für den Sieg, aber mit dem dritten Platz im letzten Lauf der Saison sicherten sich die beiden Motorsportler des Luxemburger Rennteams DKR Engineering den Titel in der LMP3-Serie des Le Mans Cup. „Ich bin überglücklich und mir fehlen noch die Worte, um diesen Sieg zu beschreiben“, freute sich der 22-jährige aus Gerlingen direkt nach der Siegerehrung.

Nun steht für Hörr, der im Kindesalter über seinen Vater zum Motorsport gekommen ist, der nächste Schritt an. „Mit dem Rückenwind dieses Erfolgs will ich im nächsten Jahr auf jeden Fall in der European Le Mans Series angreifen – entsprechende Gespräche finden schon statt“, sagt Hörr. In der European Le Mans Series (ELMS) dauern die Rennen insgesamt vier Stunden, zudem muss sich Hörr als Profifahrer das Cockpit mit zwei Amateurfahrern, die er sich selbst aussucht, teilen. „Die Serie geht immer mehr in die Richtung meines Fernziels, dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans“, sagt Hörr.

Mit 5 das erste Mal im Kart, mit 11 das erste Rennen

Sein sportlicher Weg führte ihn kontinuierlich nach oben. In seinem fünften Lebensjahr saß Laurents Hörr das allererste Mal in einem Kart. Mit elf Jahren folgte schließlich die erste Teilnahme an einem Rennen, in der Juniorenklasse fuhr er die ersten Siege und Podestplätze auf seinem Kart ein. Der Einstieg in den automobilen Rennsport gelang Hörr in der Formel Renault.

In den Jahren 2014 bis 2017 hat er hier auf sich aufmerksam gemacht. „Damals haben mein Vater und ich noch selbst an den Autos herumgeschraubt“, erzählt Hörr. 2018 ging es in den Le Mans Cup, den er in dieser Saison mit seinem französischen Teamkollegen gewann. Neben all der sportlichen Erfolge schloss der Motorsportler nebenher noch das Abitur und ein Hochschulstudium im Eiltempo ab. „Im Motorsport kann viel schiefgehen. Man kann sich verletzen und ist dann erst mal raus“, sagt Hörr, der auch ein eigenes Kart-Team hat.

„Nur ein sauberes fährt schnell“

Mit diesen Team Dutt Motorsport, das den Namen seines Vaters trägt, ist er an seinen eigentlich rennfreien Wochenenden auf Kartstrecken in ganz Europa unterwegs. „Ich verkaufe Karts, mache den Rennservice für meine Kunden und coache die Jugendlichen“, sagt der 22-Jährige. Dann geht es mit zwei Anhängern an seinem Renntransporter schon mal für ein Trainingslager bis ins spanische Valencia. Angefangen hat das zweite Standbein, als Hörr selbst noch Kart gefahren ist. „Mein Vater hat immer gesagt: Nur ein sauberes Kart fährt schnell“, lacht Hörr.

Getreu diesem Motto musste der junge Laurents sein Kart selbst putzen und hat nach und nach gelernt, wie die Wagen aufgebaut sind. Die Hälfte seiner Zeit bringt er für den Job als Teammanager des Kartteams auf, die restlichen Stunden widmet er seiner eigenen Karriere. Ein Rennwochenende im Le Mans Cup geht nämlich keineswegs erst am Freitag los. Dienstag ist der Anreisetag, am Mittwoch wird getestet, donnerstags steht ein Analysetag im Fahrerlager auf dem Programm. An der Strecke besteht das DKR Engineering Team aus etwa zwölf Mann, darunter ein Teamchef, mehrere Mechaniker, ein Reifenspezialist sowie Ingenieure.

Mit dem Titel in der vergangenen Saison hofft Hörr im kostenintensiven Motorsport auch auf weitere Sponsoren und Partnerschaften. „Die Leute wissen so langsam, dass ich etwas kann und weiß, was ich mache“. Er selbst muss über Sponsoren jede Saison eine gewisse Summe bereitstellen, um weiter an seiner Karriere im Motorsport arbeiten zu können. Mit jedem Erfolg sinkt die Summe, die er mitbringen muss. „Das Ziel ist es natürlich, irgendwann einen Werksfahrervertrag zu unterschreiben“, so Hörr. Dabei will er aber in den Langstreckenserien bleiben. Im Formelsport verdiene man „nur in der Formel 1 Geld mit dem Fahren“, sagt der Gerlinger.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen