Laternenumzüge im Altkreis Der heilige Martin schaut diesmal nicht vorbei

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Laternenumzüge gibt es in diesem Jahr nur ganz privat in der eigenen Familie. Foto: dpa/Felix Kästle, Pixabay

Altkreis - Hoch zu Ross schreitet der heilige Sankt Martin jedes Jahr durch die Städte und Gemeinden, hinter ihm eine große Schar von fröhlichen Kindern mit bunten Laternen. Dieses Jahr aber bleiben die Straßen leer. Laternenumzüge gibt es nur ganz privat in der eigenen Familie oder mit engen Freunden. Der beliebte Brauch der Martinsumzüge ist wie viele Veranstaltungen dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Die katholischen Kirchen laden die Menschen trotzdem dazu ein, das Fest zu begehen, manche von ihnen haben sich dafür sogar etwas Besonderes überlegt.

Leonberg

„Es ist jedes Jahr eine Freude gewesen, die vielen begeisterten Kindergesichter im Schein der Lampions und Kerzen im Reiterstadion zu sehen, doch dieses Mal müssen wir leider darauf verzichten“, sagt Hildegard Koppenborg. Sie ist die Kindergartenbeauftragte im katholischen Dekanat Böblingen und hier für die acht Kindergärten, davon vier in Leonberg, zuständig.

Angesichts der Corona-Verordnungen darf der jährliche große sternförmige Laternenumzug des Johannes-Kindergartens, des Ludwig-Wolker-Kinderhauses und des Schopflochkindergartens, die sich dann im Reiterstadion zusammenfanden, nicht stattfinden. „Auch evangelische Kindergärten haben schon mitgemacht. Hunderte Kinder mit ihren Eltern und Verwandten aus der ganzen Stadt finden sich jedes Mal ein“, weiß Hildegard Koppenborg. Die 500 Martinsbrötchen, die immer verteilt wurden, seien im Nu weggewesen, ohne dass die Erwachsenen etwas abbekommen hätten.

In diesem Jahr sind die drei Leonberger katholischen Kindergärten und der St. Michael-Kindergarten in Höfingen, die von etwa 330 Kindern besucht werden, angehalten, die Tradition des heiligen Martins in den Kindergärten und in den jeweiligen Gruppen zu feiern. „Das große Treffen im Reiterstadion ist zwar immer ein erheblicher Aufwand gewesen, doch es haben alle gern mitgeholfen“, sagt Hildegard Koppenborg. Mit dabei sind beim Martinsfest die Ministranten, der Kinderchor, das Bläserkollegium und der Reit- und Fahrverein Leonberg, der jedes Mal die Figur des heiligen Martins hoch zu Ross beisteuert. „Das würde gegenwärtig zu viele Kontakte ergeben, die sich nicht zurückverfolgen lassen“, erklärt die Kindergartenbeauftragte die Absage. „Bisher konnten wir eine Corona-Infektion aus unseren acht Kindergärten und Kinderhäusern heraushalten und hoffen, dass es uns auch weiterhin gelingt.“

Weil der Stadt

Im katholischen Kindergarten St. Christophorus in Weil der Stadt feiern die Gruppen in diesem Jahr unter sich. „Für alle wollen wir diesen Tag so schön wie möglich gestalten, um den Verlust so gut wie möglich vergessen zu machen“, sagt die Leiterin Elke Escher-Ostermeir. „Die Kinder freuen sich schon seit Wochen und Monate darauf, hinter dem Pferd mit ihren tollen Laternen zu laufen.“ Auch das Anspiel am Marktplatz entfalle leider vollständig.

St. Martin trägt jetzt Mundschutz. Er kommt aber nicht persönlich.

Rutesheim

In der Seelsorgeeinheit Clobora, bestehend aus den katholischen Kirchengemeinden St. Raphael in Rutesheim, St. Clemens in Weissach sowie St. Bonifatius in Renningen und St. Martinus in Malms­heim, hat man sich schweren Herzens dazu entschlossen, die Martinsumzüge in Gänze abzusagen. In Rutesheim lädt man stattdessen dazu ein, „euch selbst als Familie, mit der Tante oder dem Opa auf den Weg zum Laternenlaufen zu machen und dabei in der katholischen Kirche St. Raphael vorbei zu schauen“. Bis zum 13. November, jeweils zwischen 16.30 und 19 Uhr, begegnet einem in der Kirche eine Figur des heiligen Martin „und jede Menge Überraschungen“. Dort besteht auch die Möglichkeit, den Kindern die Geschichte des heiligen Martins vorzulesen oder ein Laternenlied zu singen.

Weissach

Ähnlich bei St. Clemens Weissach: Für individuelle Laternenläufe wurde heute und am Mittwoch, von 17.30 bis 19.30 Uhr am katholischen Gemeindehaus (Grabenstraße 6) eine kleine Station zu Sankt Martin vorbereitet – ebenfalls mit einer kleinen Überraschung.

Renningen

Wie schwer in Renningen und Malms­heim die Absage fiel, berichtet der dortige Gemeindereferent Felix Lipp. In der Vergangenheit fanden sich jährlich bis zu 500 Teilnehmer ein, um das Martinusfest zu feiern. Nun wolle man größere Ansammlung von Menschen aber unbedingt vermeiden, um so „die Maßnahmen der Allgemeinheit zur Infektions-Minimierung zu unterstützen“.

Alternativangebote gibt es hier nicht. Lipp weist aber auf die Online-Angebote hin, „unter anderem einen tollen neuen Film, der von der Katholischen Fachschule St. Martin in Neckarsulm gedreht wurde für alle Kinder, die in diesem Jahr auf den Martinszug verzichten müssen“. Der Kurzfilm findet sich online auf der Homepage der Diözese Rottenburg Stuttgart unter www.drs.de. „So können der heilige Martin und sein wichtiges Anliegen auch in die Wohnungen der Menschen Einzug finden“, meint Felix Lipp.

Gerlingen

Die katholische Kirchengemeinde von Gerlingen macht in diesem Jahr nach eigenen Angaben nichts anlässlich St. Martin, keinen Umzug durch die Straßen, auch keinen Gottesdienst. Andere Kirchengemeinden in den Nachbarorten und auch Kindergärten haben zum Teil andere Regelungen getroffen und organisiert, was auch während der Pandemie möglich ist.

Ditzingen

Der ökumenische Ausschuss in Ditzingen lädt die Kinder ein, in der Familie oder Hausgemeinschaft mit der Laterne durch die Stadt zu ziehen: Ausgangspunkt und Ziel ist der Innenhof der Kirche Sankt Maria. Dort liegen laut der Gemeinde am Freitag, 13. November verpackte gebackene Gänse für die Kinder bereit.

Das ist zwar zwei Tage nach dem eigentlichen Martinstag am 11. November. „Aber warum sollen unsere Laternen nur an einem Tag leuchten? Wir laden alle Kinder und überhaupt alle ein, bunte Laternen ins Fenster zu stellen und sie an den Abenden vor und nach und an Sankt Martin leuchten zu lassen“, teilen die Gläubigen von Ditzingen mit.

Münchingen

Der evangelische Johannes-Völter-Kindergarten in Münchingen wiederum lädt zum Mitmachen am Sonntag, 15. November, in Münchingen ein. Die Aktion für alle Münchinger Familien führt über fünf Mitmach-Stationen durch den Ort. Beginn ist am evangelischen Gemeindehaus in der Adlerstraße, er endet an der katholischen Kirche. Die Stationen sind laut den Organisatoren geprägt von Elementen zum Vorlesen und Aktivitäten.

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