Landtags-Wahlkampf FDP will mit Hans Dieter Scheerer in den Landtag

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Hans Dieter Scheerer kandidiert, Daniel Schmidt ist Zweitkandidat. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Ein FDP-Mitglied kommt gleich zum Punkt. Er sei selbstständig, sagt der Mann, er wisse, dass man sich ganz konkrete Ziele setzen müsse, um sie zu erreichen. Bei der Nominierungsveranstaltung der Liberalen im katholischen Gemeindehaus Weil der Stadt am Donnerstagabend will er deshalb wissen: „Wie viele Stimmen, Herr Scheerer, brauchen Sie eigentlich, um reinzukommen?“

Hans Dieter Scheerer ist der einzige Kandidat der FDP im „Bananenwahlkreis“, wie sie ihn hier mit Blick auf die Form und vielleicht auch die gelbe Bananenfarbe nennen. Von Weissach und Leonberg über Renningen und Weil der Stadt über Grafenau und Aidlingen bis runter nach Herrenberg reicht das Gebiet dieses Wahlkreises. 23 FDP-Mitglieder sind da. Sie treffen sich zwar mit Abstand, aber ganz legal, denn Mitgliederversammlungen der Parteien dienen „der Wahrnehmung der Versammlungsfreiheit nach Artikel 8 des Grundgesetzes“ und dafür hat das Innenministerium eine Ausnahme von der Corona-Verordnung erlassen.

Fast einstimmig, bei einer Enthaltung, nominieren die Liberalen Hans Dieter Scheerer, den Rechtsanwalt, FDP-Kreisvorsitzenden und Gemeinde- und Regionalrat aus Weil der Stadt. Bei einer Gegenstimme wird Daniel Alexander Schmidt aus Aidlingen der Zweitkandidat.

Früher war der Wahlkreis ein „gemähtes Wiesle“

Gemeinsam wollen sie das liberale Trauma überwinden, erlitten 2011, als Heiderose Berroth den Wiedereinzug in den Landtag verpasste. Nicht, weil sie weniger populär geworden wäre, sondern, weil das Wahlrecht geändert worden war. Seither ist für die Zweitmandate nicht mehr die absolute Stimmenzahl, sondern der prozentuale Anteil in den Wahlkreisen maßgeblich. Zuvor war der Wahlkreis 6 wegen seiner vielen Einwohner ein „gemähtes Wiesle“, wie es der frisch gekürte Kandidat Scheerer formuliert.

Dem eingangs fragenden FDP-Mitglied kann er daher eine klare Antwort geben, denn Scheerer war schon 2016 Kandidat gewesen. 9400 Stimmen hatte er damals bekommen, mit 10 000 Stimmen hätte er den Einzug in den Landtag geschafft, 600 Stimmen haben also gefehlt. Ein Ziel, das bei insgesamt 130 000 Wahlberechtigten zu schaffen sei.

Fernmündliches Schulterklopfen gibt es am Donnerstagabend von Florian Toncar, der per Videokonferenz aus seinem Bundestagsbüro in Berlin zugeschaltet und per Beamer an die Weil der Städter Wand geworfen wird. „Der Wahlkreis 6 ist ein guter Wahlkreis für die FDP“, sagt Toncar. „Wenn wir den Wahlkampf richtig aufziehen, haben wir gute Chancen.“ Die ganze Republik werde am 14. März 2021 nach Baden-Württemberg schauen – dem Auftakt für ein Superwahljahr.

Dafür muss die FDP, die in den Umfragen etwas vor sich hin dümpelt, noch zulegen, das weiß auch der Bundestagsabgeordnete. Zwei Themen gibt Florian Toncar aus Berlin vor. „Wir müssen die Notstandsverordnungen ablösen durch eine Normalität mit Gesundheitsschutz“, sagt er. Das sei ein „urliberales Thema“. Und dann steuere das Land in eine Rezension in nie dagewesener Dimension. „Die Wirtschaftskompetenz der FDP wird in der Bundes- und Landesregierung gebraucht“, ist Toncar überzeugt.

Damit spricht er dem Kandidaten Hans Dieter Scheerer aus dem Herzen. Er ist Anwalt in Weil der Stadt, zuvor war er in führender Position in der Wirtschaft, zuletzt als Geschäftsführer aller Edeka-Immobilien in Europa. Bürokratieabbau nennt der 62-Jährige sein Lieblingsthema. „Die grüne Landesregierung hat in der neuen Landesbauordnung überdachte Radstellplätze und begrünte Dächer vorgeschrieben“, zählt er Beispiele auf. „Das ist unnötig.“ Die Bürger müssten frei sein, um sich zu entfalten.

„Minister sollte den Menschen nicht vorschreiben, wie sie von A nach B kommen“

Im Wahlkreis will er sich um das Thema Verkehr kümmern, kündigt Scheerer an. Er sei zum Beispiel dagegen, dass die Politik derzeit den Radweg-Ausbau favorisiert. „Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Straßen, Radwegen und Nahverkehr“, sagt er. „Der Verkehrsminister sollte den Menschen nicht vorschreiben, wie sie von A nach B kommen.“ Die Gäubahn dürfe nicht in Vaihingen enden, sonst sei der Südkreis abgehängt. Der Lückenschluss müsse dringend ausgebaut und die S-Bahn nach Calw verlängert werden. In der Bildungspolitik will Scheerer die Bevorzugung der Gemeinschaftsschule beenden. „In Weil der Stadt bekomme ich mit, dass die Kosten für die Gemeinschaftsschule doppelt so hoch sind wie für die Realschule“, wettert der Kandidat. Das dürfe nicht sein.

Zweitkandidat ist Daniel Alexander Schmidt aus Aidlingen. Der 29-Jährige ist stellvertretender Kreisvorsitzender und arbeitet als Doktorand bei dem Hohenheimer Bankwissenschaftler Hans-Peter Burghof. Dementsprechend liegt ihm Finanzpolitik am Herzen. In seiner Vorstellungsrede nimmt er das jüngste Konjunkturpaket der Bundesregierung auseinander. Das sei ein „Schrotschuss“, bei dem nur ein paar Kugeln zufällig ins Schwarze getroffen haben. Gut sei die Unterstützung der Kommunen. Fragwürdig sei die bürokratische Mehrwertsteuersenkung, die nicht wirklich helfe. „Ich glaube nicht, dass aus 1-Euro-Läden jetzt plötzlich 97-Cent-Läden werden“, sagt Schmidt.

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