Landschaftspark in Leonberg Kein Streichelzoo auf der Autobahntrasse

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Den Engelberg können die Planer nicht weniger steil machen – aber den Aufstieg über die alte Autobahntrasse sehr viel angenehmer gestalten. Foto: Simon Granville

Leonberg - Der Gemeinderat hat sich für einen Landschaftspark entschieden, nicht für einen Freizeitpark. Vielleicht sollte man den Leuten das noch mal rückmelden“, schlägt Bernd Murschel (Grüne) vor. Gerade wurden in der Sitzung des Planungsausschusses des Leonberger Gemeinderates die Vorschläge präsentiert, die im Zuge der Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung der alten Autobahntrasse eingegangenen waren. Und das waren nicht wenige.

280 Ideen und Hinweise sind per Online-Formular bei der Stadtverwaltung eingegangen. Ein Teil stammt von Anwohnern, die beispielsweise Lärm oder Vermüllung befürchten, sich zudem gegen eine zu dichte Bebauung an ihren Grundstücken aussprachen. Entsprechende Änderungen sollen in die Planung eingearbeitet werden. Auch wollen die Anwohner nicht, dass irgendwann doch eine Umgehungsstraße oder eine Stadtbahnstrecke über den Grünstreifen gebaut wird, der bis zur Eröffnung des Engelbergbasistunnels mal eine Autobahn war.

Keine Hundewiese und keine Grillstellen

Andere Anregungen heben dagegen den Freizeitaspekt hervor. Zu den eingereichten Ideen gehören: ein Skater- oder Bikepark, eine Boulder-Anlage (Klettern ohne Seilsicherung), eine eingezäunte Hundespielwiese, eine Jugendfarm oder ein Streichelzoo, Toiletten, ein Café oder Biergarten, Sportanlagen und Fitnessgeräte von Boule bis Calisthenics, Grillstellen, Seniorenbänke oder Parkplätze an den Zugängen.

Nicht alles davon ist umsetzbar oder zumindest nicht auf der alten Autobahntrasse. So soll ein vom Kinderschutzbund angestrebter Bikepark auf dem südlichsten Teil der Trasse geprüft werden, der aber nicht Bestandteil des jetzigen Vorhabens ist. „Der Park ist ein Landschaftspark und keine Freizeitanlage“, findet sich mehrfach in der Stellungnahme der Verwaltung zu den Vorschlägen. So wird es weder Grillstellen noch Toiletten oder Beleuchtung geben, auch keine Hundewiese und kein Streichelzoo. Ein Kletterfelsen ließe sich dagegen realisieren, wenn dafür zusätzliche Haushaltsmittel freigegeben würden.

Über Gastronomie soll der Gemeinderat nochmals beraten

Dieser Bereich der alten Autobahntrasse soll umgestaltet werden. Foto: Stadt Leonberg
Ob und in welcher Form Gastronomie eingerichtet werden kann, also als festes Lokal oder über Foodtrucks mit entsprechender Aufstellfläche, dazu soll sich der Gemeinderat noch einmal Gedanken machen. „Wichtig wäre, dass man die Anschlussstellen für Strom, Wasser und Abwasser im Plan vermerkt“, regt Wolfgang Schaal (Freie Wähler) an. „Auch im Hinblick auf eine mögliche Landesgartenschau“, ergänzte er mit Blick auf eine Idee, die zuletzt im Oberbürgermeister-Wahlkampf Thema gewesen war.

Die alte Autobahntrasse ist heute die größte innerstädtische Grünfläche, die größtenteils als Mähwiese genutzt wird. Lediglich im unteren Teil gibt es bislang Wege und einen Spiel- sowie Bolzplatz. Das Gelände soll nun durch eine Umgestaltung zum Freizeitgebiet aufgewertet werden. Gleichzeitig sollen aber neue Verbindungen geschaffen werden. Bislang trennt die alte Autobahntrasse den Stadtteil Ramtel von der übrigen Kernstadt. Hier sollen neue Wege und Querverbindungen entstehen. Zudem sind neue Verbindungen vom Gebiet oben am Engelberg nach unten in die Stadt vorgesehen.

Sonnenterrassen statt steilem Aufstieg

Das Gelände ist schwierig, an einigen Stellen beträgt die Steigung bis zu zehn Prozent. Zwar soll es keine Treppen geben, Barrierefreiheit ist aber trotzdem nicht möglich. Eine bessere Aufenthaltsqualität soll etwa durch Sonnenterrassen erreicht werden, für die Erdarbeiten notwendig sind. Die Wege für Fußgänger und für Radfahrer sollen nach der Bürgerbeteiligung noch weiter voneinander entfernt angelegt werden, um Unfälle zu vermeiden. Auch der Zugang am oberen Ende vom Brombeerweg soll entschärft werden, damit Radfahrer nicht mehr mit hoher Geschwindigkeit einfahren können.

Um die Bürger an der Neugestaltung zu beteiligen, war für den vergangenen Herbst ein Rundgang vorgesehen, der aber coronabedingt ausgefallen ist. Stattdessen konnten Ideen und Anregungen von Mitte bis Ende Januar über ein Online-Formular eingereicht werden, aber auch per Brief oder Fax. 280 Eingaben sind erfolgt, was für eine Bürgerbeteiligung ein sehr gutes Ergebnis ist.

Realisierung noch in diesem Jahr

Nach der Zustimmung im Gemeinderat können die Landschaftsarchitekten die Änderungen dann einarbeiten und die Ausschreibung der Arbeiten vorbereiten. Die Umsetzung soll noch in diesem Jahr erfolgen, voraussichtlich mit Baustart im September. Denn das Projekt wird über das Landschaftspark-Programm des Verbands Region Stuttgart gefördert, sofern bis Ende dieses Jahres abgerechnet werden kann. Von den knapp 850 000 Euro Gesamtkosten muss die Stadt Leonberg etwa 170 000 Euro tragen. 680 000 Euro zahlt der Regionalverband.

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