Landrat ist Erstunterzeichner Enzkreis setzt Zeichen gegen Sexismus

Von Sophia Herzog
Landrat Bastian Rosenau setzt mit seiner Unterschrift ein Zeichen gegen Sexismus. Diesen Schritt unterstützt Gleichstellungsbeauftragte Kinga Golomb. Foto: Enzkreis/S. Burkard

Enzkreis - Der Enzkreis gehört als bundesweit einziger Landkreis zu den Erstunterzeichnern der Erklärung „Gemeinsam gegen Sexismus und sexuelle Belästigung“. Landrat Bastian Rosenau hat in dieser Woche symbolisch seine Unterschrift unter das Statement gesetzt, in dem in markanten Worten jegliche Form von Sexismus verurteilt und zu dessen aktiver Bekämpfung aufgefordert wird. Auch Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht (SPD), der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, oder die Schauspielerin Ursula Karven gehören zu den Unterzeichnern.

„Mit der Unterzeichnung positionieren wir uns klar gegen Sexismus insbesondere am Arbeitsplatz – und das natürlich nicht nur in unserem eigenen Haus, also im Landratsamt“, erläutert der Kreischef. „Es geht darum, dass sich generell Führungskräfte in Unternehmen und Organisationen zur Verantwortung bekennen, ihre Mitarbeitenden vor Sexismus und sexueller Belästigung zu schützen – egal ob im Büro, an der Kasse oder in der Fabrik. Sie bekräftigen damit, dass es eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte ist, Sexismus und sexualisierte Gewalt in all ihren Erscheinungsformen zu verhindern und zu beenden.“

Jede elfte erwerbstätige Person erlebt sexuelle Belästigung

In der unterzeichneten Erklärung heißt es unter anderem, dass Sexismus in der Gesellschaft viel weiter verbreitet sei, als auf den ersten Blick zu vermuten. Das Spektrum reiche dabei von rückwärtsgewandten Rollenzuschreibungen und scheinbar spaßhaften Bemerkungen bis zu offener Herabsetzung oder unangemessenen körperlichen Berührungen. Laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes war etwa jede elfte erwerbstätige Person in den vergangenen drei Jahren von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen.

„Sexismus darf weder auf individueller Ebene stattfinden, zum Beispiel zwischen Kolleginnen und Kollegen, noch in den gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir leben, verankert sein“, verdeutlicht Kinga Golomb, Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises. Denn Sexismus habe Folgen: Er könne zu ungleicher Chancenverteilung und zu sexueller Belästigung bis hin zu Gewalt führen, aber bei Betroffenen vor allem auch zu Krankheiten wie Schlafstörungen oder Depressionen.

Das sind die richtigen Anlaufstellen

„Wir müssen daher Räume schaffen, in denen sich alle jederzeit sicher fühlen können und die gleichen Chancen haben. Wenn sexuelle Belästigung im Raum steht, heißt es Hin- und nicht Wegsehen und den Übergriffen wirksam entgegentreten“, fasst Golomb die Zielsetzung zusammen. Betroffene könnten sich nicht nur an die Gleichstellungsbeauftragte, sondern auch an den Personal- beziehungsweise Betriebsrat wenden, die nur mit Einverständnis der betroffenen Person tätig werden. Die Anfragen werden vertraulich behandelt. Darüber hinaus gibt es auch die gesetzliche Verpflichtung, eine offizielle Beschwerdestelle nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vorzuhalten. Diese Stelle sei in der Pflicht zu handeln, wenn es zu einer Beschwerde kommt.

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