Lärmaktionsplan Renningen Die Möglichkeiten der Stadt sind ausgeschöpft

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Der Stadtwald gilt als „ruhiges Gebiet“ um Renningen. Foto: factum//Simon Granville

Renningen - Wie laut ist es in Renningen eigentlich, und was kann man dagegen tun, wenn es zu laut ist? Das ist alles im sogenannten Lärmaktionsplan (LAP) aufgelistet. Der Renninger Plan existiert seit 2014 und wurde nun aktualisiert und fortgeschrieben. Nachdem die Verwaltung Stellung genommen hat zu den Anmerkungen der Bürger, hat der Gemeinderat den neuen Plan jetzt einstimmig beschlossen.

Viele Werte haben sich seit der Einführung des Plans verbessert, berichtete der Bürgermeister Wolfgang Faißt. Bekannte Maßnahmen gegen den Verkehrslärm in der Stadt sind zum Beispiel die Lastwagen-Blitzer an den Ortseingängen der Leonberger und Rutesheimer Straße, der Lärmschutzwall und der Blitzer beim Gebiet Kindelberg an der B 295, lärmmindernder Asphalt auf der Bundesstraße und der Blitzer in der Bahnhofstraße, die wegen der Pflastersteine bei höheren Geschwindigkeiten großen Lärm verursacht.

Kein dringender Handlungsbedarf

Diese Maßnahmen „greifen so gut, dass mit Ausnahme eines Gebäudes im Bereich Längenbühl von Seiten des Straßenlärms kein vordringlicher Handlungsbedarf besteht“, heißt es im Entwurf des Ingenieurbüros Soundplan. Allerdings liegen noch viele Gebäude in einem Bereich, „in dem von der Lärmwirkungsforschung mittlerweile das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung gesehen wird“.

Dort sei eine weitere Reduzierung der Geräuschkulisse anzustreben. Das Problem ist nur: Die kommunalen Möglichkeiten, hier einzugreifen, sind mittlerweile ausgeschöpft. Der Verkehr als solcher müsste reduziert werden, und damit würde sich das Problem nur verlagern.

Große Lärmschutzprojekte seitens der Stadt sind aktuell nicht geplant, sagt der Stadtbaumeister Hartmut Marx. Man werde an den Entwicklungen rings um Renningen, Stichwort: Hesse-Bahn, Lückenschluss und B 295, aber dranbleiben und auf die zuständigen Akteure zugehen, um zu guten Lösungen zu kommen, was den Lärmschutz angeht. Bei all diesen Themen trifft die Stadt keine Entscheidungen, für die Pläne am Lückenschluss beispielsweise ist der Bund verantwortlich, da es sich um Bundesstraßen handelt.

Neu im Lärmaktionsplan ist die Ausweisung sogenannter „ruhiger Gebiete“. Dazu gehören solche zur Naherholung und Spazierwege außerhalb des Stadtgebiets sowie Ruheinseln im Stadtgebiet wie der Stadtteilpark oder der Bereich südlich der Bahngleise bei Malmsheim. Die Naherholungsgebiete, gemeint ist der komplette Grüngürtel rings um Renningen, sollen weiterentwickelt oder zumindest erhalten werden.

Für sie gilt eine möglichst niedrige Lärmbelastung, die über die eines Wohngebiets nicht hinausgehen darf. Das bedeutet eine maximale Belastung von 59 Dezibel tagsüber. Diese Gebiete erfüllen die nötigen Voraussetzungen bereits jetzt, erklärt Marx. „Es geht hier um eine Sicherung für die Zukunft.“ Bei allen zukünftigen Plänen, von denen diese Naherholungsgebiete beeinträchtigt werden könnten, muss deren Status als ruhiges Gebiet berücksichtigt werden – das gilt nicht nur für Renningen, sondern auch für Bund und Land. Gänzlich verhindern könne die Ausweisung Großprojekte nicht, so Marx. „Aber es ist eine zusätzliche Hürde.“

Bürger bringen Einwände vor

Zu dem Lärmaktionsplan hatten auch Bürger die Gelegenheit, sich zu äußern. Eingewandt wurde, dass der Grüngürtel rings um Renningen nicht fußläufig erreichbar sei und daher für eine Verschnaufpause im Alltag nicht genutzt werden könne. Das Problem ist: Durch die erforderliche Größe für Naherholungsgebiete sei eine Ausweisung innerhalb der Stadt schwierig, erklärt Marx und ergänzt: „Die Gebiete sind fußläufig erreichbar, nur eben nicht in ein bis zwei Minuten.“

Weitere Anmerkungen aus der Bürgerschaft bezogen sich unter anderem auf die Probleme durch Lärm aus Gewerbegebieten sowie auf Sportstätten, die im LAP nicht berücksichtigt wurden. Dieser konzentriert sich aber vor allem auf Verkehrslärm, weshalb Sport- und Vereinsstätten dort nicht auftauchen. Und die Auswirkungen von Gewerbelärm auf nahe gelegene Wohngebiete werde immer schon im Vorfeld bei der Planung berücksichtigt, so Marx. Ein Bürger bemängelte, dass die Perouser Straße nicht untersucht wurde. „Die weist seit der Ausweisung als Tempo-30-Strecke nicht mehr Verkehr aus als viele andere innerörtliche Straßen“, erklärte Hartmut Marx. Dies hätten bereits die Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan 2014 gezeigt.

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