Längenbühl in Renningen Auf der Suche nach den Megalithen

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Die parallelen Meißelspuren und andere Hinweise sind für die Bürgerarchäologen ein deutliches Zeichen, dass es sich bei den Felswänden am Längenbühl nicht um Überbleibsel aus einem Steinbruchbetrieb handeltNahe des Schützenvereins erkennt die Gruppe pyramidale Stufenbauwerke, in ihren Augen sind das keinesfalls ummauerte Abraumhalden. Foto: privat

Renningen - Hat eine jungsteinzeitliche Megalithkultur ihre Spuren auch in Renningen hinterlassen? Eine private Forschergruppe in Baden-Württemberg, sogenannte Bürgerarchäologen, die sich seit Ende der 80er Jahre mit dem Thema befassen, sind davon überzeugt. Die Felsformationen am Längenbühl, so glauben sie, sind die Überreste eines viele Tausend Jahre alten Bauwerks. Doch die Fachleute im Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sind von den Argumenten nicht überzeugt: Die Deutungen und Schlussfolgerungen der Forschergruppe stünden „in Widerspruch zu historischen und archäologischen Fakten“.

Der Begriff Megalithkultur ist sehr weit gefasst und umschreibt alle menschlichen Kulturen, die einst Monumente aus großen Steinblöcken erschaffen haben – daher die Bezeichnung „Megalith“, griechisch für „großer Stein“. Ein bekanntes Zeugnis einer Megalithkultur ist Stonehenge in England. Aber auch in anderen europäischen Ländern sind Ruinen zu finden, zum Teil große Anlagen, die als Kult- und Grabstätten gedient haben.

In Baden-Württemberg sind bislang nur wenige solcher Stätten offiziell nachgewiesen worden, zum Beispiel die Megalithen am Hochrhein. Nach der Überzeugung der von Bürgern ins Leben gerufenen Cairn-Forschungsgesellschaft, zu der auch Bernd Krautloher und Peter Söhngen aus Leonberg gehören, sind es sogar noch einige mehr. Unter anderem bei Rottenburg, am Sternenfels bei Maulbronn, bei Sulzfeld und ebenso in Renningen am Längenbühl vermutet sie Relikte aus der Jungsteinzeit.

Denkmalamt: Überreste eines Steinbruchs

Als „Cairn“ bezeichnet man übrigens einen steinzeitlichen künstlichen Hügel aus Steinen und Geröll, in den Grabkammern eingebettet sind. Daher der Name der Forschergruppe. In Renningen geht diese sogar von richtigen Stufenpyramiden aus. „Im Längenbühl sprechen wir von trockengemauerten Stufenbauwerken“, so Bernd Krautloher. In der Bretagne wurden solche Bauten in den 50er Jahren entdeckt, berichtet er. „Im Längenbühl haben wir eine ähnliche Struktur.“ Wie bei Megalithbauten üblich, sei das Renninger Bauwerk in ein natürliches Felsvorkommen integriert worden.

Ihre Argumente hat die Forschergruppe schon öfter im Landesdenkmalamt vorgebracht. Dort hält man die Thesen aber für nicht haltbar. „Auf dem Längenbühl bei Renningen sind aufgelassene Steinbrüche belegt, die wohl in Folge der ersten württembergischen Bauordnung von 1568 entstanden. Mit Genehmigung des Herzogs wurde 1584 unterhalb des Meisenbergs eine Steingrube eingerichtet, die heute als Naturtheater genutzt wird“, heißt es vom Denkmalamt. „Gerade frühneuzeitliche und neuzeitliche Steinbrüche können optisch auf den ersten Blick zunächst wie Hinterlassenschaften megalithischer Kulturen anmuten.“ Entsprechende Deutungen kämen deshalb immer wieder vor, dem Denkmalamt lägen aber „keine wissenschaftlich überzeugenden Hinweise auf steinzeitliche Besiedlung auf dem Längenbühl vor“.

Bürgerarchäologen: Hinweise sind eindeutig

Die Bürgerarchäologen wiederum können diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Bei den Megalith-Anlagen ist es zum Beispiel oft so, dass die Bauten in bestimmte Himmelsrichtungen ausgerichtet sind“, so Krautloher. So gebe es am Längenbühl einen Ausläufer, der am 1. Mai genau in Richtung Sonnenaufgang zeige. Die Nacht zum 1. Mai ist in der Geschichte der Germanen als Übergang vom Frühling zum Sommer seit jeher von großer Bedeutung. Entsprechungen fänden sich auch an den anderen Standorten, die die Gruppe untersucht. Die Zeichnungen an den Felswänden bezeichnen die Bürgerarchäologen außerdem als sehr charakteristisch. Die parallelen, schrägverlaufende Meißelspuren rührten „keinesfalls von einem Steinbruchbetrieb her“, so Krautloher. Steinmetze hätten ihnen das bestätigt. „Das sind Scharrierungen, Dekorationen. Kerben, die extra in die Felswand geschlagen wurden“, so Krautloher.

Und was die Behörden zum Beispiel als Abraumhalde bezeichnen, in der früher Material aus Steinbrüchen abgeladen wurde, sehen die Bürgerarchäologen vielmehr als einen Bestandteil des Bauwerks selbst. Besonders deutlich werde das beim „Sternenfels“ bei Maulbronn, sagt Krautloher. Dort nahm die Arbeit der Forschergruppe 1989 ihren Anfang. „Die Uni Karlsruhe hat dort in den 90ern eine geoelektrische Messung vorgenommen und in dem Monument mehrere Kammern nachgewiesen, eine davon sogar fünf Meter hoch.“ Das spreche deutlich gegen einen Steinbruch mit Abraumhalden und stattdessen für ein bewusst angelegtes Bauwerk.

Das Denkmalamt deutet diese Funde allerdings ganz anders: „Damals zeigten sich lediglich Anomalien im Untergrund. Solche Anomalien sind jedoch in Steinbrüchen regelmäßig anzutreffen und deshalb kein Beleg für die Richtigkeit der Thesen.“ Auch das Argument mit der Himmelsrichtung lässt das Denkmalamt nicht gelten, da solche Phänomene oft zufällig aufträten. Immerhin sei auch nicht jedes Gebäude, das von West nach Ost ausgerichtet ist, eine Kirche.

Die Cairn-Forschungsgesellschaft will an ihren Thesen trotzdem weiter festhalten. „Wir sind es gewohnt, dass man bei den Ämtern gegen eine Betonwand läuft“, bedauert Krautloher. „Wir haben uns des Themas deshalb damals angenommen, weil sich sonst keiner darum kümmern will. Das ist aber ein wichtiger Ausschnitt in unserer Kultur.“

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