Kurt Wendel wird 80 In Wanderstiefeln durch seine geliebte Heimat

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Weissach
Kurt Wendel leitet die Geschicke der „Siebenmeilenstiefel Flacht“ noch selbst. Foto: factum/Simon Granville

Weissach - Wenn es jemals jemanden gegeben hat, der mit dem Lied vom fröhlichen Wanderer auf den Lippen geboren worden ist, dann Kurt Wendel. Im Januar ist er 80 Jahre alt geworden und ein echtes Weissacher Urgestein. Er ist in der Strudelbachgemeinde geboren und aufgewachsen, hat hier geheiratet und immer hier gelebt.

Weit über die Grenzen des Heckengäus hinaus ist er als begeisterter Wanderfreund bekannt: „Wenn in Weissach Volkswandertag ist, dann ist bei uns im Haus jedes Bett belegt“, sagt seine Frau Inge und lacht, denn an diesem Tag kommen viele der langjährigen Wanderfreunde nach Weissach und nehmen gerne die Gastfreundschaft der Wendels an.

Die ersten Lebensjahre verbrachte Kurt Wendel mit seiner Mutter und dem älteren Bruder im großelterlichen Haus mitten im Ort. An die Kriegs- und Nachkriegsjahre hat der Senior keine schlechten Erinnerungen, er hat sie gut überstanden. Er absolvierte eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur und machte seinen Meister. „Und nicht nur den“, meint der Jubilar schmunzelnd, denn später im Leben hat er noch den Meistertitel im Schlosserhandwerk erworben.

„Der Kurt hat eine Städtere (Stadtbewohnerin)“

Mit Anfang Zwanzig zog er mit den Eltern und dem älteren Bruder auf einen selbst erbauten Aussiedlerhof am Rand von Weissach. 1970 lernte er in Stuttgart seine Frau Ingeborg kennen, und schon wenige Monate nach dem ersten Rendezvous wurde das Paar in Weissach getraut. „Der Kurt hat eine Städtere (Stadtbewohnerin)“, raunten die Leute, als das Paar durch das damals übliche Spalier zur Kirche ging. Heute lacht Inge Wendel darüber, damals tat sie sich schwer damit, aus der lebendigen Großstadt aufs Land und den ruhigen Aussiedlerhof zu ziehen.

1971 kam Tochter Alexandra zur Welt, ein Jahr später Sohn Rüdiger. Noch vier Jahre später machte Nesthäkchen Bettina die Familie komplett. Kurt Wendel hat sich selbstständig gemacht und schaufelte sich trotz des eigenen Betriebs frei, um tatkräftig den Stuttgarter Michael-Bauer-Werkhof mit aufzubauen.

Der Werkhof ist eine private Sonderberufsschule und mit der Waldorfschule, die alle drei Kinder der Wendels besucht haben, verknüpft. „Mit unserem Engagement wollten wir sicherstellen, dass unsere älteste Tochter nach dem Besuch des Sonderzuges für lernbehinderte Kinder auf der Waldorfschule die Chance auf einen Ausbildungsplatz hatte.“ Inge Wendel erinnert sich gut an diese Zeiten: „Da kam Kurt oft abends nur noch zum Schlafen heim.“

Sohn Rüdiger trat bei der Berufswahl zwar in die väterlichen Fußstapfen, wollte den Betrieb aber nicht übernehmen. So wechselte der Jubilar für die letzten zehn Arbeitsjahre zur Firma Bosch.

Die Freizeit und die Ferien nutzten die Wendels für ihr liebstes Hobby: auf Schusters Rappen die Welt erkunden. Schon früh hat sich Kurt Wendel unterschiedlichen Wandervereinen angeschlossen, Wandergruppen gegründet und auch Vereinsverantwortung als Vorstand übernommen. Nach Unstimmigkeiten in der Wandergruppe im Strohgäu, in der sich Kurt Wendel lange Jahre engagiert hat, kamen etliche Wanderkameraden auf ihn zu und drängten ihn, einen eigenen Verein zu gründen. Und weil Kurt Wendel einer ist, der macht, hat er nicht lange gezögert und zusammen mit Gleichgesinnten den Verein „Wanderfreunde Siebenmeilenstiefel Flacht“ gegründet. Am 12. Januar 1999, seinem 59. Geburtstag, hat die Vereinsgeschichte mit 23 Gründungsmitgliedern im Wendelschen Wohnzimmer begonnen.

Noch immer organisiert er Vereinssitzungen und -feste

Bis heute lenkt Kurt Wendel die Vereinsgeschicke. Das aktive Wandern klappt aktuell nach einer Knieoperation noch nicht, doch die „Siebenmeilenstiefel“ können sich trotzdem auf ihren ersten Vorsitzenden verlassen. Zusammen mit seiner Frau Ingeborg übernimmt er nach wie vor tatkräftig die organisatorischen Aufgaben. Termine für Busausflüge und Wandertage werden festgelegt, Vereins- und Veranstaltungsflyer entworfen, Vereinssitzungen und -feste organisiert. Und natürlich wird am 1. Mai wieder der Benefiz-Volkswandertag zugunsten der Mukoviszidose-Stiftung ausgerichtet.

Besonders stolz ist Kurt Wendel auf die drei permanenten Wanderwege rund um Weissach, die er selbst ausgetüftelt hat und auch instand hält: den Abtweg, den Friedensweg und den Graf-von-Kapfenhardt-Weg. „Jeder Weg hat einen historischen Bezug zu Weissach“, weiß der ortsgeschichtlich beschlagene Senior, und zu jedem kennt er die Geschichte.

Weissach, so findet er, hat sich zwar verändert: „Der Ort ist natürlich gewachsen, und die Ansiedlung von Porsche hat vieles verändert“, findet er. „Früher hat man jeden im Ort gekannt und gebraucht, das hat verbunden. Heute haben sich die Menschen auseinandergelebt.“ Kurz denkt er nach. „Das Geld hat den Charakter der Gemeinde verändert“, resümiert er dann, aber trotzdem fühlt er sich wohl: „Im Kern ist Weissach gleich geblieben, für mich hat sich nicht viel verändert.“

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