Kunstverein Artifex Die Ideale werden bis heute gelebt

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Artifex engagiert sich auch im sozialen Bereich – etwa bei Aktionen wie dem Seniorenmalen. Foto: factum/Simon Granville

Weissach - Manche Dinge ändern sich nicht. Und das ist in manchen Fällen gut so. Zum Beispiel der Grundsatz, dass Vielfalt und gegenseitige Wertschätzung die Mitglieder des Weissacher Kunstvereins Artifex verbinden. „Das hatten wir von Anfang an mit drin“, sagt Friederike Strauß, seit 2011 Vorsitzende von Artifex. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das soziale Engagement, das heute ebenso gelebt wird wie in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten.

Das reicht vom Sommerferienprogramm für Kinder in Weissach über Kunstprojekte in Schulen und Kindergärten in Weissach, Gebersheim, Schömberg, Flacht, Münklingen und Leonberg bis hin zu regelmäßigen Veranstaltungen für das Rosa-Körner- und das Otto-Mörike-Stift in Weissach, bei denen Artifex-Mitglieder mit den Senioren malen und die Werke hinterher rahmen und aufhängen. Bei all diesen Angeboten übernimmt der Verein alle anfallenden Kosten.

Plattform für Künstler

Bei alledem verstehen sich die Artifex-Mitglieder selbstverständlich als ernst zu nehmende Plattform für Künstler aus Weissach und darüber hinaus. Nach der Gründung im Januar 2004 gab es dreimal in Form einer Biennale eine Kunstmesse, danach jährlich im Herbst eine große Gemeinschaftsausstellung in der Strudelbachhalle. Dieses Jahr wird es zur 15-Jahr-Ausgabe eine besondere Aktion geben, erzählt Friederike Strauß. Einzelheiten sollen allerdings noch nicht verraten werden.

Die schönen, weißen Stellwände, die seit der ersten Kunstmesse wie selbstverständlich dazugehören und dem Ganzen ein professionelles Gepräge geben – zu ihnen gibt es eine schöne Geschichte. Denn sie wurden damals in Berlin aufgespürt und mussten von zwei Vereinsmitgliedern mit Miettransportern ins Schwäbische transportiert werden.

Stellwände mit Geschichte

Damit war die Arbeit allerdings noch keineswegs getan. Denn die gebrauchten Stücke mussten renoviert werden. Das machten die Mitglieder in Eigeninitiative im alten Oberpaur-Gebäude. „Wir haben die Wände dann einzeln wieder hinausgetragen und mit unseren Autos in die Strudelbachhalle transportiert“, erinnert sich Friederike Strauß. Aber wohin damit nach der Messe? „Einer stellte damals seinen Heuwagen zur Verfügung, und Ingemar Lah fuhr hinterher und passte auf, dass nichts herunterfällt“, beschreibt die Vorsitzende schmunzelnd.

Die 135 Stellwände konnten eine Zeit lang in der Scheune gelagert werden, aber als diese wieder benötigt wurde, stand der nächste Umzug an. Der führte die Wände zunächst in die damalige Artifex-Galerie im Weissacher Zentrum. Erst danach fanden sie ihre endgültige Bleibe in zwei Garagen-Boxen im alten Oberpaur-Gebäude - nachdem sie in der Alten Festhalle nochmals von einem Maler gestrichen worden waren.

Vereine unterstützen die Künstler

Inzwischen sind nicht nur die vielen großen und kleinen Einzel-und Gemeinschaftsausstellungen der Artifex-Mitglieder an vielen unterschiedlichen Orten gut organisiert, sondern auch die praktischen, ganz unkünstlerischen Dinge, die für einen gut funktionierenden Kunstverein aber mindestens ebenso wichtig sind. So werden die schweren Wände mittlerweile von Mitarbeitern des Roten Kreuzes gegen eine Spende für die Jahresausstellungen in die Strudelbachhalle gebracht, dort aufgebaut und von dort auch wieder ins Lager transportiert. Der VdK übernimmt, ebenfalls gegen eine Spende, die Bewirtung bei der jährlichen, stets an einem Wochenende im Oktober stattfinden Jahresausstellung.

All dies ist möglich, weil bei den Jahresausstellungen zehn Prozent des Verkaufserlöses der Bilder dafür zur Verfügung gestellt werden, hinzu kommen Einnahmen aus der Bewirtung und ein Beitrag der ausstellenden Künstler. Außerdem erhalten der Hospiz-Dienst Leonberg sowie der Freundeskreis der beiden Weissacher Seniorenheime jeweils eine Spende.

Der Kunstverein der anderen Art

All das bedeutet vor allem für den Vorstand das gesamte Jahr über viel Arbeit. Neben Friederike Strauß gehören dazu das Gründungsmitglied Edda Praefcke als zweite Vorsitzende und Henriette Thomas als Schatzmeisterin. Seit 2015 ist Sigrun Veit Schriftführerin, zuvor war es H. J. Westheimer. Zum künstlerischen Beirat gehören aktuell Hannelore Schulz, Wolfgang Kempf und seit 2015 Manfred Alex-Lambrinos.

Sie und die anderen Vereinsmitglieder haben über die Jahre jene Idee genährt und weiterentwickelt, die 2004 zur Gründung von Artifex geführt hat, der von Anfang an ein „Kunstverein der anderen Art“ sein wollte – und diesen Anspruch nach wie vor einlöst. Damals hatte sich der damals in Weissach lebende Künstler Steffen Ost nach einer Ausstellung der Weissacher Partnergemeinde Marcy-l’Étoile im Herrenhaus gesagt: „Das können wir auch.“ Edda Praefcke begeisterte sich sofort für die Idee, und schnell fand sich der erste Vorstand mit künstlerischem Beirat zusammen, bestehend aus Sabine Krause (die heute Kanthack heißt), Fedor Matejka, Ingemar Lah, Volker Kühnemann, Ede Bernt und Fero Freymark. Aus der Idee ist heute eine im Weissacher Kulturleben fest verankerte Größe geworden, die aktuell mehr als 90 aktive und passive Mitglieder zählt.

Was, wann, wo
Jahresausstellung 2019 des Kunstvereins Artifex am 12. und 13. Oktober in der Strudelbachhalle in Weissach. Geöffnet ist am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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