Kulturfestival Ditzingen Langersehntes Wiedersehen im Zeltcafé

Von Franziska Kleiner
Bunte Zelte, bunte Lichter: Das ist die Kulisse des Zeltcafés in Ditzingen. Foto: Simon Granville

Besser hätte es nicht sein können am Freitagabend, für die Gäste nicht, für die Organisatoren aber auch nicht. Das Wetter hält, es bleibt trocken, es ist ein milder Sommerabend. „The Fabulous South Tunes“ spielen, im Zeltcafé ist schon gut was los. Die Atmosphäre ist geprägt von einem Grundrauschen angeregter Gespräche, die in kurzer Distanz gut möglich sind. Wer vor allem der Musik lauschen will, steht oder sitzt weiter vorne, unmittelbar vor der Bühne. Senioren, Erwachsene, Jugendliche, Kinder – die sich auf den Klettergerüsten des angrenzenden Schulgeländes austoben – haben hier ihren Platz. Kinderwagen und Rollator, am Wegesrand abgestellt, zeugen davon. Es ist Zeltcafé, es ist wie immer. „Es ist wie ein Heimkommen“ – dieser Satz ist an diesem Abend nicht nur einmal zu hören. Besucher und langjährige Helfer äußern sich nahezu mit denselben Worten.

Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei

Hinter den Organisatoren indes liegt eine Zeit, in der sie um den Fortbestand der Veranstaltung gerungen haben. Daran lässt Birgit Schwinge keinen Zweifel. Wenn sie von den Überlegungen spricht, die die Diskussionen im Zeltcafé-Verein in den vergangenen zwei Jahren geprägt haben, wird deutlich, dass eine Fortsetzung nach Corona zwar von allen gewollt, aber in der Umsetzung keineswegs selbstverständlich gewesen ist. „Wir hatten wirklich Lust drauf“, sagt die Zeltcafé-Sprecherin. Die Organisatoren, also die Mitglieder des Zeltcafé-Vereins, haben sich in den vergangenen zwei Jahren auch weiter entwickelt: „Im Küchenteam ist keiner mehr ohne Baby.“ Aber mit einer jungen Familie lässt sich nicht mehr verlässlich parallel die Mitarbeit in der Küche, hinter der Theke, beim Auf- und Abbau gewährleisten. Die Frage sei deshalb schon gewesen, „wie man es schafft“. Letztlich verständigten sich die Macher darauf, es „etwas kleiner“ anzugehen. Das Programm stand weitgehend, die Pläne von 2020 wurden aufgegriffen, die Künstler waren gebucht.

Das traditionelle Maultaschenmassaker aber gibt es dieses Jahr ebenso wenig wie die in der Vergangenheit alternativ ins Programm genommen Spätzlesschlacht. „Dafür benötigen wir drei bis fünf Leute in der Küche“, sagt Schwinge. Das Küchenteam sei allein dafür einen halben Tag gebunden – und das sei in diesem Jahr nicht verlässlich zu gewährleisten gewesen.

Eine Veranstaltung, die über Ditzingen hinausstrahlt

Nicht nur im Küchenteam fehlen Mitstreiter, zehn bis 15 gehören zum harten Kern, unter der Woche seien tendenziell mehr im Einsatz. Wer Interesse hat, kann schon jetzt mal einen Tag dazukommen. Unter dem Jahr treffen sich die Macher des Kulturfestivals schließlich kaum. „Einen Grund für wöchentliche Treffen haben wir nicht“, sagt Schwinge über die Festivalorganisation. Längst sind die Organisatoren auch nicht mehr nur aus Ditzingen – die Helfer sind in der Republik verstreut. Sie kommen inzwischen mit ihrem Campingbus.

Das Publikum merkte von all’ dem am Auftaktabend nichts. Für die Gäste war es wie immer.

Das Programm in der Glemsaue

Die Veranstaltung
 Das Zeltcafé ist eine mehrtägige Kulturveranstaltung. Begonnen hat nach Angaben der Organisatoren alles vor rund 30 Jahren mit zwei Zelten, drei Kühlschränken und einem Kicker. Erkennungszeichen sind die bunten Zelte.

Der Ort
Das Zeltcafé schlägt seine Zelte immer auf dem Festplatz in der Glemsaue auf. Die naturnahe Umgebung in der Ditzinger Ortsmitte prägt die Atmosphäre der Veranstaltungsreihe.

Das Programm
 An diesem Montag, 22. August, findet um 18 Uhr Yoga statt mit Shamminski. Der Eintritt ist frei. Craft-Beer-Tasting mit Koerschbrew steht tags darauf auf dem Programm. Verkostet werden sechs Biersorten, die in Ditzingen hergestellt werden. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt zehn Euro. Der Kabarettist René Sydow tritt am Mittwoch, 24. August, um 20 Uhr auf. Er tritt mit seinem aktuellen Programm „Heimsuchung“ auf. Eintritt 15 Euro. Tags darauf wird Slam poetry mit Nektarios Vlachopoulos (20 Uhr/ 15 Euro). Am Freitag treten um 20 Uhr Blaucrowd Surfer und Orange Stable auf. Eintritt frei. Der Abschlussabend, Samstag, beginnt um 20 Uhr. Der Biergarten ist von 18 Uhr, die Küche von 19 Uhr an geöffnet.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen