Kritik an Supermärkten Floristen appellieren an Blumenfreunde

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Auch in Coronazeiten möchten Floristen wie Sina Bertsch für die Kunden da sein. Foto: privat

Wimsheim - Ein hübscher Blumenstrauß zum Geburtstag? Ein Stiefmütterchen für den Blumenkasten am Balkon? Zu Lockdown-Zeiten sind selbst scheinbare Kleinigkeiten wie diese zu einer Hürde geworden, die nicht jeder gerne nehmen möchte. Umso mehr Mühe geben sich gerade die Blumengeschäfte in der Umgebung, um das Einkaufen für ihre Kunden trotzdem einfach und komfortabel zu halten: Mit Abhol- und Lieferservice und sogar Schaufensterbummel, damit die Kunden trotz Schließung direkt vor Ort ihre Lieblingsblumen aussuchen können.

Da ist es für viele Floristen gerade wie ein Schlag in die Magengrube, dass seit einiger Zeit immer mehr Supermärkte ihr Blumen- und Pflanzensortiment stark erweitert haben und so den kleinen Blumenläden das Wasser abgraben, bedauert Sina Bertsch vom Blumengeschäft Blumenstiel in Wimsheim, Mitglied im Deutschen Floristenverband (Landesverband Baden-Württemberg). Sie hat sich ihren Unmut auf Facebook als „Gedanken einer Floristin“ von der Seele geschrieben. Ihr Beitrag wurde bereits 175 Mal geteilt und mehr als 20 000 Mal angesehen.

„Wir Floristen versuchen gerade wirklich, alles möglich zu machen für den Kunden“, erzählt Sina Bertsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Trotzdem spüre man, dass die Hemmschwelle gerade bei kleinen Anliegen beim Kunden groß ist. „Viele trauen sich nicht, nur wegen einer einzelnen Primel im Blumengeschäft anzurufen und sie dann abzuholen“, hat sie die Erfahrung gemacht. „Aber wir machen das gerne.“

Lockdown mindestens bis St. Valentin

Nun wurde der Lockdown vorerst bis einschließlich 14. Februar verlängert – das heißt: keine normalen Öffnungszeiten am Valentinstag, einem der für Blumenläden stärksten Verkaufstage des Jahres. Auch das nagt an den Gemütern. „Und jetzt fangen die Supermärkte auch noch an, bei den anderen Branchen abzugreifen. Die haben inzwischen komplette Paletten mit Blumen draußen stehen – natürlich völlig falsch gelagert. Man hat schon das Gefühl, die haben einen eigenen Pflanzengroßmarkt vor der Tür.“ Und das, wo Supermärkte 2020 nun wirklich kein schlechtes Jahr gehabt hätten. „Die anderen wollen doch auch überleben.“

In ihrem Beitrag in den sozialen Medien appelliert Sina Bertsch an die Menschen, sich daran zu erinnern, wo die Vorzüge von echten Floristen liegen. Nämlich, dass sie immer auch Berater sind, wissen, wie Blumen aufzubewahren und zu behandeln sind, damit der Kunde möglichst lange etwas davon hat, oft flexible Abholungen möglich machen und vieles mehr. Hinzu komme, dass die Supermärkte die Pflanzen oft zu einem derart geringen Preis verkaufen, dass „beim Gärtner definitiv nur ein paar Cent ankommen“, sagt Sina Bertsch.

„Vielen Kollegen geht es nicht gut“

Um die Einschränkungen in der Coronazeit irgendwie auszugleichen, „haben wir neue Konzepte entwickelt, Selbstbedienung ermöglicht, den Onlineshop erweitert, Whatsapp-Business eingerichtet mit Produktkatalog zum direkten Bestellen und Schaufenster-Shopping aufgebaut. Oft gratis ausgeliefert. Versuchen, alle Wünsche zu erfüllen, sind im Werkstattmodus für die Kunden da, wenn auch nicht sichtbar“, schreibt die Wimsheimerin Sina Bertsch in ihrem Beitrag. Dennoch werde die Lage nicht einfacher. „Vielen Kollegen aus unserer Branche geht es nicht gut, also überlegt, ob ihr wirklich im Supermarkt die Blumen mitnehmt oder doch lieber beim Fachgeschäft vor Ort bestellt, damit es auch in Zukunft noch in jedem Ort Fachgeschäfte gibt.“

Besonders jetzt zum Valentinstag am 14. Februar geht der Appell von Floristin Sina Bertsch an die Menschen, sich für den großen Strauß oder das kleine Blümchen für den Liebsten oder die Liebste doch an ihr persönliches Blumengeschäft zu wenden, statt ins Supermarktregal zu greifen.

Allerdings, rät die Wimsheimer Floristin Bertsch: Aufgrund der Einschränkungen auch im derzeitigen Lieferverkehr sollten die Valentinsblumen ein paar Tage vorher vorbestellt werden.

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