Kreistag Böblingen Jetzt geht’s um Medizin, Hesse-Bahn und Wohnen

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Ein neu gewähltes Gremium entscheidet fortan über die Belange im Landkreis. Foto: pixabay.com

Kreis Böblingen - Immerhin um ein Jahr hat sich der neue Böblinger Kreistag verjüngt. 54 Jahre alt sind die neu gewählten Kreispolitiker im Durchschnitt, hat Landrat Roland Bernhard ausrechnen lassen – ein Jahr jünger, als das vorige Gremium. Gesunken ist auch der Anteil der Frauen. Nur 21,5 Prozent der Kreisräte sind weiblich, vor Mai waren es 25 Prozent. „Das ist schade, aber die Bürger sind frei in ihrer Wahl“, stellt Bernhard fest. An den Linken liegt’s nicht. „Wir sind die einzige Frauenfraktion im Kreistag“, lässt die Fraktionsvorsitzende Ingrid Pitterle (Sindelfingen) dazu eigens per Pressemitteilung ausrichten. „Alle drei Kreisrätinnen freuen sich auf die Arbeit im Kreistag“, sagt Pitterle stellvertretend für sich und ihre beiden Mitstreiterinnen, die Leonbergerin Gitte Hutter und die Aidlingerin Angelika Hohl.

Am Montag hat der Landrat alle 84 Kreisräte, die bei der Kommunalwahl im Mai gewählt wurden, und die ihm in den kommenden fünf Jahren im Landratsamt zur Seite stehen werden, verpflichtet. „Sie sind ab sofort mit dem Kreistag verheiratet“, lautet Roland Bernhards Verheißung. Viel Freizeit werde das kosten. Jedoch: „Wir hoffen, dass es so viel Spaß macht, dass Sie keinen Unterschied zwischen Freizeit und dieser Arbeit hier merken werden“, verspricht der Landrat.

Es wird nicht einfacher

Ob er das wird halten können, wird sich zeigen. Denn es wird nicht einfacher. Das wird besonders der wirtschaftsstarke, von der Automobilindustrie geprägte Landkreis Böblingen zu spüren bekommen. „Die strukturellen Veränderungen im Zuge der Digitalisierung werden uns auch hier im Kreistag beschäftigen“, ahnt Bernhard. Aber nicht nur das: erste Einbrüche bei den Steuereinnahmen nimmt man im Landratsamt Böblingen schon wahr. „In den vergangenen zehn Jahren konnten wir aus dem Vollen schöpfen“, sagt Bernhard. Das werde schwieriger, mehr noch als bislang gelte es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ansonsten erinnerte der oberste Kreischef an die kommunalpolitischen Dauerbrenner, die allen Zuhörern bekannt sein dürften. Beim Medizinkonzept seien die Weichen gestellt, das Rad müsse man nicht neu erfinden. „Ich wünsche mir, dass Sie den Spirit dieses Medizinkonzepts aufnehmen“, verheißt Bernhard.

Der Ausbau der A 81 werde den Kreistag beschäftigen, der Lückenschluss bei Renningen und auch die Hermann-Hesse-Bahn, um die es noch immer Querelen gibt, verbunden mit der Frage, ob sie einmal bis nach Renningen fährt oder schon in Weil der Stadt endet. „Ich hoffe, dass wir zu einem konsensualen Ergebnis kommen“, sagt Bernhard. „Und zwar eher am Anfang, nicht am Ende der Wahlperiode.“ Noch stärker als bislang werde man sich auch mit bezahlbarem Wohnraum und den Berufsschulen des Kreises beschäftigen.

Thomas Sprißler bleibt stellvertretender Vorsitzender

Unterstützung bekommt Bernhard dabei von drei stellvertretenden Vorsitzenden. Das ist vorneweg, wie ehedem auch, für die Freien Wähler der Herrenberger OB Thomas Sprißler, dem nachgesagt wird, dass er nicht mehr lange in diesem Amt verweilen, sondern es Bernhard gleichtun und im Januar 2020 als Nachfolger von Rainer Haas Landrat von Ludwigsburg werden will. Zweiter Stellvertreter bleibt der Leonberger Helmut Noë (CDU). Neue dritte Stellvertreterin wird die Grüne Heidrun Behm aus Böblingen.

Und dann mussten sich die 84 neuen Kreisräte noch ihre Arbeit aufteilen, denn die eigentliche Arbeit passiert nicht im ehrwürdigen Kreis-Saal, sondern in den zahlreichen Ausschüssen, Unterausschüssen, Aufsichts- und Verwaltungsräten und Zweckverbänden. Deren Vielfalt ist auch eine Möglichkeit, die zahlreichen Aufgaben und Zuständigkeiten den neu gewählten Kreisräten zu illustrieren. Denn da wären nicht nur der Verwaltungsausschuss, der Verkehrs-, der Sozial-, der Planungs- und der Jugendausschuss. Entsenden müssen die Fraktionen auch Kreisräte in den Klinik-Aufsichtsrat, in den Verwaltungsrat der Kreissparkasse, in den Beirat der Volkshochschule Böblingen/Sindelfingen, zum Jobcenter, zu den Zweckverbänden von Schönbuch- und Ammertalbahn, in den Verwaltungsrat der Kreistierheims und in die Aufsichtsräte des Restmüllheizkraftwerks Böblingen, des Kompostwerks Kirchheim und der Bioabfallverwertung Leonberg.

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