Kreis Böblingen Vize-Landrat: Kein Gelber Sack im Landkreis

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Der Weiler Unternehmer Ralf Boppel übergibt 5935 Unterschriften an den Vize-Landrat Wolf Eisenmann. Foto:  

Kreis Böblingen - Ein wenig ist Ralf Boppel selbst überrascht von der großen Resonanz auf seine Online-Petition: Fast 6000 Bürger haben auf dem Internetportal Open-Petition für einen Gelben Sack unterzeichnet. Nun hat er diese dem Vize-Landrat Wolf Eisenmann übergeben, und dies zu einem munteren Streitgespräch genutzt. Das Landratsamt will am System der Wertstoffhöfe festhalten – das letzte Wort hat dazu der Kreistag am 26. Mai.

Es ist eines der Lebenswerke von Wolf Eisenmann, das hier zur Diskussion steht. Das Wertstoffhofsystem des Landkreises, das in den 90er-Jahren in den Tiefen der Mülldiskussion geboren wurde. Der Unternehmer Ralf Boppel aus Weil der Stadt hat es infrage gestellt, seine Petition unter der Adresse www.gelberSackBB.de hat genau 5935 Unterstützer bekommen – er fordert den Gelben Sack für den Kreis Böblingen, wie für fast 90 Prozent aller anderen Landkreise bundesweit auch. Die meisten Unterstützer kommen aus Sindelfingen und Böblingen, dann sind es Leonberger und Waldenbucher, das zeigt die regionale Aufschlüsselung, wenige Hundert kommen von außerhalb des Kreisgebietes.

Sein Ziel von 5000 Unterstützern hat Boppel übererfüllt. Wolf Eisenmann hat den rührigen Weiler ins Landratsamt eingeladen zur Unterschriftenübergabe. „Das war sicher viel Arbeit“, sagt der langgediente Vize-Landrat, der im Herbst in Pension geht. Die Unterstützer verdienten es auch, ernst genommen zu werden, betont er. Gleichwohl stellt er klar: „Die Kreisverwaltung wird diesen Vorschlag nicht aufgreifen.“

Das System der 31 Wertstoffhöfe habe sich bewährt, sagt Eisenmann in einem langen Monolog gleich zu Beginn. Für ihn ist das ein Beitrag zur Müllvermeidung, durch die Sammelstellen werde das Bewusstsein gestärkt – und es werde angenommen, wie eine repräsentative Umfrage gezeigt habe: „Über 80 Prozent wollen den Gelben Sack nicht, wenn es mehr kostet.“ Und genau das werde dieser, denn das Duale System zahle dem Abfallbetrieb des Kreises jährlich vier Millionen Euro für das Bringsystem.

Müssen Bürger mit Gelbem Sack 15 Euro mehr zahlen?

Wolle man nicht alle Wertstoffhöfe schließen, müsse man die Gebühren erhöhen. Umgerechnet auf jeden Haushalt wären das 15 bis 20 Euro mehr. „Das sind genau die Benzinkosten, die durch die vielen Fahrten zum Wertstoffhof anfallen“, kontert Ralf Boppel, der nun den Stellvertreter von Landrat Roland Bernhard in ein Wortgefecht verwickelt. Beide kennen sich aus mit dem Thema, es geht um „Müllfraktionen“ und um Hohlbehälter Plastik über DIN A 4. Boppels zentrales Argument: „Wir haben ein Systemproblem.“ Es sei unfair, unsozial und unökologisch, die Bürger der 160 000 Haushalte im Schnitt einmal im Monat mit dem Auto zu den Höfen fahren zu lassen. Nicht jeder könne sich das leisten. Zumal sei das komplizierte System mit vielen unterschiedlichen Müllsorten wenig transparent.

Die vor einigen Jahren gegen Aufpreis eingeführte Wertstofftonne hat sich aus Boppels Sicht nicht bewährt. Die Umfrage des Landratsamtes zieht er in Zweifel: „Da wurden 1500 Bürger befragt, in meiner Petition haben vier Mal so viele mitgemacht.“ Boppel will die Wertstoffhöfe nicht abschaffen, aber auf vier bis fünf reduzieren und das Personal stattdessen bei der Müllabfuhr einsetzen.

Es wird also lebhaft diskutiert. Für den Petitions-Organisator hat sich das Müllsystem nicht an die Zeit angepasst, für Wolf Eisenmann ist es zeitgemäßer denn je. „Das Duale System ist in ganz Deutschland in der Krise und hat Finanzprobleme, da wäre es völlig falsch, die Pferde zu wechseln“, sagt er schließlich. Ralf Boppel argumentiert, letztlich werde auch der mühsam gesammelte Müll von dem Unternehmen mit dem Grünen Punkt verwertet.

Eine Einigung ist an diesem Vormittag natürlich nicht zu erwarten. Die Kreisverwaltung hält an ihrer Linie fest, doch der Kreistag soll sich in zwei Sitzungen damit befassen. Am 13. Mai tagt der Werkausschuss des Abfallwirtschaftsbetriebes, am 26. Mai der gesamte Kreistag – dann kommen auch die Fraktionen zu Wort und es wird über das Müllsystem diskutiert.

Ralf Boppel könnte dabei auch seine Position darlegen, wenn die Fraktionen dies zulassen, deutet Eisenmann an. Zumindest die erste Sitzung fällt noch in den Kommunalwahlkampf. In einem Punkt jedenfalls sind sich Boppel und Eisenmann doch einig, auch wenn das eher ein frommer Wunsch ist: „Am liebsten wäre es uns, wenn es gar keinen Müll mehr gäbe.“

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