Krankenhaus Leonberg 72,5 Millionen Euro für eine moderne Klinik

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Kommunalpolitiker und Manager des Klinikverbundes begutachten die Baustelle am Leonberger Krankenhaus. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Wer dieser Tage zum Leonberger Krankenhaus kommt, wird sich wundern: Der Pavillon, einst beliebter gastronomischer Anlaufpunkt nicht nur für Patienten, besteht lediglich aus einem Gerippe. Überall vor und hinter den Klinikgebäuden stehen Baufahrzeuge.

Die lange angekündigte Generalsanierung des Krankenhauses ist in vollem Gange. Gestartet wurde das gigantische Vorhaben mit den Umbauten der Zentralen Notaufnahme im hinteren Bereich der Klinik und eben dem Pavillon.

Mit der Modernisierung der Notaufnahme geht zeitgleich auch eine Reorganisation der Notfallbehandlungen einher. „Wir zentralisieren die allgemeine, internistische und gynäkologische Notfallversorgung in einer gemeinsamen Notaufnahme, ergänzen Überwachungsplätze, schaffen kurze Wege und eine stärkere Vernetzung der Abteilungen“, erklärt Michael Sarkar, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses. „Insgesamt erweitern wir die Nutzflächen von 335 auf 405 Quadratmeter, bleiben in der Anordnung aber kompakt und funktional, was am Ende der Patientenversorgung zu Gute kommt.“

Für den Umbau kamen den Planern die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zugute. „Einzelne Untersuchungszimmer können auch über Außenbereiche betreten werden“, sagt Martin Loydl, der Kaufmännische Geschäftsführer des Klinikverbundes. „Flächen vor dem Krankenhaus werden für infektiöse Patienten als Fieberambulanzen bereitgehalten.“

5,5 Millionen Euro fließen in die Notaufnahme

Von den bisher genannten 72,5 Millionen Euro für die Gesamtsanierung entfallen rund 5,5 Millionen Euro auf den Umbau der Zentralen Notaufnahme. Die Fertigstellung ist bis Frühjahr 2021 geplant. Im medizinischen Sektor stehen in einem zweiten Schritt auch eine Modernisierung des OP-Bereichs, der Radiologie und der Ambulanzen an. Der OP-Bereich bleibt dabei am heutigen Standort im Erdgeschoss des Westbaus und wird über eine direkte Verbindung zum Bettenbau mit Intensivstation besser mit dem Haus verzahnt.

Weitere sichtbare Veränderungen gibt es schon jetzt auch an der Vorderseite des Hauses. Mit einer Grundfläche von nur 330 Quadratmetern ist der Pavillon der Cafeteria dem gestiegenen Besucher-, Patienten- und Mitarbeiteraufkommen nicht mehr gewachsen. Waren es 2008 beispielsweise rund 29 000 ambulante Patienten, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf knapp 37 000.

Foto: Klinikverbund Südwest

Mit der Erneuerung der gastronomischen Versorgungsstrukturen für die Patienten und Mitarbeiter des Hauses erfolgt auch eine Bündelung der Betriebsflächen der Gastronomie in räumlicher Nähe des Gastbereichs. Insgesamt werden in die Erweiterung des Pavillons rund 3,9 Millionen Euro investiert. „Durch die Verbesserung in den Abläufen der Speisenversorgung vor Ort werden wir auch für unsere Mitarbeiter in Gastronomie und Service attraktiver“, betont Loydl. „In einem Berufsfeld mit hohem Personalbedarf und hart umkämpftem Angebot investieren wir auch hier an der richtigen Stelle.“ Die Arbeiten am Pavillon sollen Ende des kommenden Jahres fertig sein.

In den anschließenden Bauabschnitten werden noch nicht modernisierte Pflegestationen im Standard an die heutigen Anforderungen angepasst. Eine sogenannte Wahlleistungsstation für Privatpatienten mit gehobener Ausstattung kommt hinzu. Im Zuge des Umbaus wird auch die bisher im Haus ansässige Psychosomatik des Zentrums für Psychiatrie des Klinikums Nordschwarzwald (ZfP) künftig in einen eigenständigen neuen Gebäudekomplex neben dem Hauptgebäude ziehen und somit zentrale Krankenhausflächen für die Sanierung freimachen. Finanziert wird dieser Neubau durch das ZfP mit dem Land Baden-Württemberg als Träger.

So sieht der Pavillon jetzt aus. Foto: LKZ/slo

Landrat Bernhard ist stolz auf das bisher Erreichte: „Mit dem Baubeginn an der Zentralen Notaufnahme und der Cafeteria setzen wir den Startpunkt für die Modernisierung hin zu einem zukunftsfähigen Gesundheitsversorger in Leonberg und lassen damit auf unsere Worte im Kreistag nun auch Taten folgen.“

Zufrieden ist auch Willi Burger: „Wir fordern nicht nur, sondern sagen auch mal Dankeschön“, sagt der Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins. „Das ist ein wichtiges Zeichen an die Bürger im Altkreis für eine wohnortnahe Versorgung.“

Kein OP-Platz in der Gynäkologie?

Trotz der allgemeinen Freude über die Sanierung des Hauses: Auf politischer Ebene wird um die Reduzierung der geplanten Gesamtkosten von 72,5 Millionen Euro gerungen. So wurde jetzt im Bauausschuss des Kreistages die Möglichkeit erörtert, einen OP-Platz, der speziell der Gynäkologie zur Verfügung steht, in den allgemeinen Operationsbereich zu verlegen.

Dies soll mehr als zwei Millionen Euro sparen. Allerdings müsste Patientinnen in einer womöglich kritischen Phase zugemutet werden, von der Frauenklinik im Obergeschoss in die OP-Säle ganz unten gebracht zu werden, was Mediziner für problematisch halten. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

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