Konzert in Weil der Stadt Gypsy-Jazz im Klösterle

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Die Virtuosität der Künstler charakterisiert die Auftritte des Trios. Foto: factum/Archiv

Weil der Stadt - Gitarrenklänge durchdringen den schönen Raum des Klösterle auf dem Kapuzinerberg. Genauer gesagt sind es zwei Gitarren und ein Kontrabass. Lange hat der örtliche Kulturverein „Manufaktur“ auf den Moment gewartet. Darauf, Gismo Graf mit seinem Programm „Absolutely Gypsy“ begrüßen zu dürfen.

„Das Gismo Graf Trio kriegt nicht jeder in seine Stadt. Daran gearbeitet habe ich seit 2015. Der Stuttgarter Ausnahmegitarrist Gismo Graf wird von Kritikern europaweit gelobt – nicht nur wegen seinen Alben, sondern vielmehr für seine Auftritte auf den umjubelten Konzerten und Festivals. Gerade live wird einem seine Professionalität und Virtuosität bewusst“, schwärmt Elisabeth Engesser von der Manufaktur.

Mit der Musik aufgewachsen

So begeisterte Gismo Graf (Gitarre) gemeinsam mit seinem Vater Joschi Graf (Gitarre) und Joel Locher (Bass) die zahlreich erschienenen Zuhörer. Gismo Graf ist Vollblutmusiker. „Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen“, unterstreicht er. Gemeint ist die Gypsy-Musik. Sein Vater Joschi ist sein großes Vorbild. Im Alter von sechs Jahren beginnt er mit dem Gitarrenspiel. Auch hier ist die Wahl zum Instrument über den Vater entstanden. Prägend verläuft seine Kindheit. Die Gypsy-Musik stets um ihn.

Die Gypsy-Musik ist vom Ursprung her die Musik der Sinti, auch Jazz Manouche oder Sinti-Jazz genannt. Eine Musik mit einer langen Geschichte und vielen verschiedenen Stilen. Der Gypsy-Jazz im Besonderen ist vermutlich in den späten 1920er Jahren entstanden. Ein Jahrzehnt später prägte ihn insbesondere der in Belgien geborene Gitarrist Django Reinhardt. Und Reinhardt war es auch, der Joschi Graf als Vorbild diente. Als Rhythmus-Gitarrist liebt und lebt er Energie und Swing. Auch er musiziert seit seiner frühesten Kindheit.

Familiäre Verstärkung

Das ist kein Zufall. Vielmehr Familientradition. Denn es ist durchaus typisch für den Gypsy-Jazz, dass dieser stark familiär gebunden ist. Vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. So auch bei Gismo Graf. Auch Schwester Cheyenne Graf gesellt sich immer öfter dazu. Sie erweitert das Trio stimmlich. „Ich werde oft gefragt, wie es ist, so viel mit der Familie zusammen zu sein“, sagt Gismo Graf lächelnd. Doch eigentlich muss er diese Frage gar nicht wirklich beantworten. Die Energie in der Familie ist durchaus sichtbar, hörbar. Das Verständnis für diese Musik, die Verlässlichkeit in der Familie über den Gypsy-Jazz da oben auf der Bühne ist die Antwort auf viele Fragen.

Charakteristisch ist er schnell gespielt, der Gypsy-Jazz. So waren Kompositionen von Django Reinhardt selbstverständlich mit von der Partie. Wie auch „China Boy“ von Dick Winfree. Doch wurden auch sanftere Töne angeschlagen, wie bei „Norwegischer Tanz Nr. 2“ von Edvard Grieg.

Musik zum Loslassen des Alltags

Die 22-jährige Cheyenne Graf sorgt mit ihrer frischen Stimme für einen ganz anderen Drive in der Musikpräsentation, wie am Beispiel ihrer Performance von „Take the A-Train“, komponiert von Billy Strayhorn im Jahre 1939, deutlich wird. Ein Stück, das durch Duke Ellington Orchestra zum Symbol der Swing Ära wurde.

Ein abwechslungsreicher Abend also, den der Kulturverein „Manufaktur“ in die Keplerstadt holte. Angefüllt mit Musik, die zum Loslassen des Alltags einlädt.

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