Konzert in Warmbronn Ein ungewöhnliches musikalisches Paar

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Radmila Besic und Dietrich Cramer begeistern ihr Publikum. Foto: factum/Bach

Leonberg - Es stimmt schon: Die Besetzung Gitarre und Bratsche eignet sich für Tangos besonders gut. Das warme Timbre der Instrumente mischt sich schön und bringt Sehnsucht, Leidenschaft und Melancholie auf wunderbare Weise zum Ausdruck. Deswegen hatte das Duo Dietrich Cramer und Radmila Besic etliche Tangos ins evangelische Gemeindehaus nach Warmbronn mitgebracht. Auch als Zugabe gab es etwas von Tango-König Astor-Piazzolla. „Weil es Euch so gut gefallen hat“, wie Ludmila Besic lächelnd sagte.

Voll war es am Sonntagabend. Das mag nicht nur an den Tangos gelegen haben, sondern auch daran, dass Dietrich Cramer in Warmbronn aufgewachsen ist. Heute ist er erster Solobratschist beim Bayerischen Staatsorchester. Schulkameraden seien sie gewesen, verriet Annette Kollmann, die die Warmbronner Konzerte immer organisiert. Sie freute sich sichtlich über das Wiedersehen. Dass das Duo sein Konzert am tatsächlich spielte, war dabei nicht selbstverständlich. Denn die Gitarristin hatte offenbar vor acht Wochen einen Unfall, weswegen ihr rechter Arm noch nicht voll belastbar ist. Außer ein paar kleinen Programmänderungen war davon freilich kaum etwas zu merken – wie das bei Profis eben so ist.

Warme, klangvolle Farben

Dass Dietrich Cramer und Radmila Besic deswegen anstelle einer Sonate von Franz Schubert die Sonate a-moll (HWV 362) von Georg Friedrich Händel spielten, war auf keinen Fall ein schlechter Tausch. Außerdem gab es dazu eine schöne Geschichte: Das Arrangement, das sie wie so ziemlich alle Stücke für ihre spezielle Besetzung, selbst geschrieben haben, war ein Auftrag für die Deutsche Botschaft in Costa Rica, wo sie damals Konzerte gaben. Diese wollte ein deutsches Stück, und so wählten sie die besagte Sonate. Eine gute Entscheidung: Denn im schwermütig gefärbten ersten Satz kam die warme, volle Klangfarbe des Duos besonders schön zur Geltung. Wie flink und virtuos sie die im Barock so beliebten Sequenzierungen intonieren können, bewiesen sie im zweiten; und sonnige, verträumte Momente bescherte der dritte. Zum Schluss gab es noch einen ordentlichen Schuss Temperament im vierten Satz, der mit seinem raschen, tänzerischen Charakter auch der Gitarre die Gelegenheit gab, rasante Läufe zu entfesseln.

Romantik und Melancholie

Die übrigen Stücke des Abends passten insbesondere gut zum Gitarrenrepertoire. Dass sie gerne im Duo mit anderen Instrumenten spielt, erzählte Radmila Besic auf ihre charmante Weise. Und so hatten sie von Mauro Giuliani die „Variationi sull’aria ‚La Biondina in gondoletta‘“ dabei, das zu den ersten Stücken zählt, das sie als Duo einstudiert haben. Der Titel habe ihnen so gut gefallen, verriet die Gitarristin verschmitzt. Hier wurde auch die Bratsche beim Ritornell immer wieder gezupft. Ein Stück – so richtig zum Gernehaben. Zur bekannten Pavane von Gabriel Fauré, einem Schreittanz der Renaissance nachempfunden, erzählte Dietrich Cramer allerhand Interessantes. Selbstvergessen bezauberte hier die warme Melancholie.

Romantik wurde auch bei manch anderem Stück großgeschrieben, beispielsweise dem in Musette-Manier komponierten „Je te veux“ von Eric Satie, Edgar Elgars „Salut d’amour“ oder dem „Bolero sin Palabras“, das der Jazz-Saxofonist Michael Hornstein vergangenes Jahr als Geburtstagsgeschenk für Radmila Besic geschrieben hat. Und dann natürlich: Tango. Einen von Isaac Albéniz, der ursprünglich für Klavier geschaffen worden war, und bei dem nun die Gitarre den Part der linken Hand spielte, die Bratsche den der rechten. Das klang so richtig nach Sonne, duftenden Orangenbäumen und schwarzäugigen Schönheiten. Allen voran: Werke von Astor Piazzolla, sein „Nightclub“, bei dem die Bratsche auch mal kratzig klingen durfte, der große Klassiker „Libertango“. Und als Zugabe „Oblivion“, bei dem die große Ausdruckskraft der beiden Instrumente und ihrer Interpreten noch einmal so richtig zum Ausdruck kam.

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