Konzert in Leonberg Lieblingslieder aus Jazz, Pop und Chanson

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Das gemeinsame Musizieren fühle sich an wie ein „inneres Laubblütenfest“, finden Dennis Müller und Maren Ulrich. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Einen sinnlichen Liederabend haben die rund 170 Besucher des Konzerts „Ein inneres Laubblütenfest“ von Pfarrer und Musiker Dennis Müller sowie Sprecherin wie auch Sängerin Maren Ulrich erlebt. Kraftvoll, intensiv und wuchtig bahnten sich die Töne der beiden Musiker ihren Weg durch die Zuschauerreihen. Dort trafen sie ungebremst auf die Besucher und wurden auf ganz eigene Weisen verarbeitet – zum Takt wippend, zur Improvisation träumend und zur Melodie lächelnd.

Die Musik, sie kann so viel: Erst klopft sie leise an, kratzt an der Oberfläche, bittet um Einlass. Und ist der Zuhörer bereit, lässt er sich von der Musik einnehmen. Lässt sich durchdringen und im besten Falle tief berühren. Ganz individuell wurde die Musik an diesem Abend also aufgenommen. Das erstklassige Klavierspiel des Pianisten Dennis Müller, der Musik nicht nur lebt, sondern sie auch in ihrer Tiefe spürt. Wie auch die starke Stimme der Sängerin Maren Ulrich mit all ihrer Vielfalt.

Politisches Statement

Nach „Fields of gold“ von Sting folgte „Bei mir bist du schön“ von Sholom Secunda (1894-1974) und Jacob Jacobs (1890-1977). Ein Lied aus einem israelischen Musical, welches auch mit einem hebräischen Text gesungen wurde. „Wir sehen es als politisches Statement“, sagt Dennis Müller fest. Ist da doch zum einen die Situation in Thüringen, zum anderen das Gedenken – 75 Jahre Befreiung aus Auschwitz. „Wir wollen eine offene, bunte und freie Gesellschaft“, betont er.

Mit „Bach im Frühling“ (Franz Schubert (1797-1828)) war auch die klassische Musik an diesem Abend vertreten. Mit teilweise geschlossenen Augen verfolgten die Zuhörer das Werk und spürten Wasserverlauf und Frühlingsgefühle auf.

Das Antikriegslied von Sting, „Fragile“, gab in all seiner Fülle Spielraum für Improvisationen. So ist es die Improvisation, welche für Dennis Müller den besonderen Reiz in der Musik ausmacht. Ganz nach Gefühl spielen. Ein und dasselbe Lied, das sich heute ganz anders anhören kann als morgen. Angepasst an die eigene, momentane Gefühlslage eben.

Ein Stück extra für den Abend

Ein besonderes Gefühl musste es für den Pianisten auch gewesen sein, als er seine eigene Komposition „Peace... East and West (1978)“ vorgetragen hat. „Das Stück habe ich für den heutigen Abend geschrieben“, betont er. Geht es auch nicht um den Krieg, wie im vorherigen Titel, so ist es doch gegen Gewalt und Konflikte gerichtet. „Das Thema ist die Verbindung aus Ost und West“, unterstreicht Müller. Und weiter: „Über die Jahre habe ich gemerkt, ich komme immer wieder auf ein bestimmtes Thema. Es sind diese Klänge, die ein bisschen orientalisch klingen. Die verbinde ich gerne mit ganz klaren Dur-Klängen, die uns vertraut sind, so entsteht eine Spannung“.

Mit einer sinnlichen Improvisation zu „River flows in you – Yiruma“ kam etwas Leichtigkeit in den Abend. Bei „In einem kühlen Grunde“ nach einer Melodie von Johann Friedrich Glück (1793-1840) und dem Text von Joseph von Eichendorff (1788-1857) waren die Besucher dann zum Mitsingen aufgefordert.

Die Lieder „Ich weiß was ich will“ von Udo Jürgens, wie auch „Amsterdam“ von Jacques Brel ermöglichten Maren Ulrich sich in ihrer Gänze zu zeigen. Neben ihrem Stimmumfang präsentierte sie die Lieder ausdrucksstark mit ihrem ganzen Körper, ihrem ganzen Wesen. Durch ihren Lieblingssong „I will wait for you“ des 2019 verstorbenen Michel Legrand konnte die Künstlerin zudem ihre weiche Seite zeigen.

Ein „inneres Laubblütenfest“

Kennengelernt haben sich Müller und Ulrich einst bei den Mörike-Tagen. „Wir haben gemeinsam eine Matinee gestaltet“, erinnert sich der Pianist. Schnell entstand der Wunsch, Musik zusammen präsentieren zu wollen. Das ursprünglich geplante Konzert mit Doro Preuhs, welches für diesen Abend eigentlich geplant war, gab ihnen nun kurzfristig Gelegenheit dazu. „Wir haben gesagt, wir machen unsere Lieblingslieder. Lieder, die uns wahnsinnig am Herzen liegen und die uns Spaß machen“, erzählt Müller freudig. So ist es also entstanden, das Programm und der Abend. Und der Titel? Nun, das gemeinsame Musizieren fühle sich an wie ein „inneres Laubblütenfest“ sind sich die beiden Künstler einig.

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