Konstantin Wecker ist Pate Weil der Stadt hat jetzt eine Schule ohne Rassismus

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Nima Neubrand (links) macht den Auftakt zum „Schule ohne Rassismus“-Konzert in Weil der Stadt mit Sarah Straub und Konstantin Wecker. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Da muss er weinen. „Ich habe mich so schlecht gefühlt“, sagt Sukhmanpreet Singh. Der 17-Jährige geht in die zehnte Klasse der Weil der Städter Gemeinschaftsschule und erzählt von einem Vorfall am Weiler Bahnhof. „Ein alter Mann hat gesagt, ob ich es denn lustig finde, eine Tomate auf dem Kopf zu tragen.“ Dabei handelt es sich um den kunstvoll gebundenen Turban, den die Männer der Sikh-Religion tragen. Sukhmanpreet Singh muss kurz schlucken, schaut dann auf, in die Augen der versammelten Schülerschaft. „Früher wurde ich gemobbt und ausgegrenzt. Und heute bin ich euer Schülersprecher.“

Der 17-Jährige hat es am eigenen Leib erfahren, dass Schulen Orte der Integration sind. Genau das will die Heinrich-Steinhöwel-Schule jetzt auch nach außen hin sichtbar machen und wird Mitglied im europaweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Und dafür haben die Weil der Städter einen ganz besonderen Gewährsmann gefunden. Der Liedermacher Konstantin Wecker ist ihr Pate. „Es gab mal eine Zeit, da wurden in unserem Land Menschen aufgrund von Rassismus ermordet“, erzählt der 1947 Geborene den Schülern in der Aula beim Auftakt-Konzert. „Darüber müssen wir immer wieder reden“, fordert er, denn: „Das darf nie wieder passieren.“

Auch kleinere Mitschüler wurden vorbereitet

Die Idee zur Teilnahme am Programm „Schule ohne Rassismus“ hatten die Schulleiterin Sascha Annette Sauter und einige Schülern der SMV. Anderthalb Jahre haben die Weil der Städter das jetzt vorbereitet. „Eine spannende Herausforderung war es, den kleineren Mitschülern in der Grundschule zu erklären, was Rassismus überhaupt ist“, berichtet der Zehntklässler Nima Neubrand und packt – wie an einer Gemeinschaftsschule üblich – sein i-Pad aus. Eine Präsentation hat er darauf vorbereitet, mit Gesichtern von Kindern, die heller und dunkler sind. „Wir haben gefragt, welche Farbe am schönsten ist“, sagt Nima Neubrand. „Am Ende waren wir uns einig, dass bunt doch die allerschönste Farbe ist.“

„Schule ohne Rassismus“ will kein Zertifikat, sondern eine Selbstverpflichtung sein. Deshalb verlangt der Berliner Trägerverein, dass mindestens 70 Prozent aller Schüler und Lehrer bei einer geheimen Abstimmung mit „Ja“ votieren und sich damit gegen Diskriminierung, Gewalt und Rassismus aussprechen – und versprechen, in entsprechenden Situationen dagegen vorzugehen.

Mit im Organisationsteam war auch die Lehrerin Julia Horn. Sie hatte eine besondere Aufgabe, nämlich die Suche nach dem Paten für die Aktion. Die bayerische Singer-Songwriterin Sarah Straub, die seit 2019 gemeinsam mit Konstantin Wecker auftritt, war ihre Mitschülerin. „Wir haben zunächst selbst den Kollegen nichts von diesen besonderen Paten erzählt“, sagt Horn und schmunzelt. „Die Begeisterung war dann natürlich groß.“

Projekt auch in Renningen und Rutesheim

Er übernehme gern solche Patenschaften. Es ist nicht seine erste bei „Schule ohne Rassismus“, sagt Konstantin Wecker. „Gerade in der heutigen Zeit ist das unheimlich wichtig“, findet er. „Und es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass sich Schulen diesem Thema stellen.“

In der Region gibt es noch mehrere „Schulen ohne Rassismus“. Das Gymnasium Renningen hat die Selbstverpflichtung im Dezember 2019 abgelegt, das Gymnasium Rutesheim im Sommer 2020.

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