Kommunalwahlkampf Der Verkehrsinfarkt ist programmiert

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Christian Buch (links) im Gespräch mit einem interessierten Bürger. Foto: Schöll

Leonberg - Wer hat es selbst noch nicht so gemacht? Geht auf der Autobahn nichts mehr, hilft ein Blick aufs Navigationsgerät. Blau markiert, zeigt das elektronische Helferlein, wo Alternativrouten sind und wie viel Zeit der Umweg in Anspruch nimmt. Nicht selten führen diese Streckenempfehlungen mitten durch bewohntes Gebiet.

Was der Autofahrer im Zeitalter der Digitalisierung als willkommenen Service zu schätzen weiß, ist für Städte wie Leonberg, die direkt an viel befahrenen Autobahnen liegen, ein wachsendes Problem: Die konventionelle Verkehrslenkung wird digital ausgehebelt. Die Folge ist: Zur ohnehin wachsenden innerstädtischen Blechlawine kommt immer mehr Ausweichverkehr hinzu. Der Verkehrsinfarkt ist da im Wortsinn programmiert.

Keine Ausweichrouten schaffen

Doch kann eine Stadt alleine dem überhaupt gegensteuern? Der Verkehrsexperte Christian Buch, meint: Ja. Buch wohnt in Höfingen und arbeitet als Projektmanager für Stuttgart 21. Mit Blick auf die kommende Gemeinderatswahl am 26. Mai wollen die Sozialdemokraten in Leonberg mit dem Dauerthema Verkehr ihr Profil schärfen. Dazu gehören unter anderem Vorschläge gegen den Ausweichverkehr, den der Stau auf der A 8 und A 81 innerstädtisch provoziert: „Wir dürfen in Leonberg erst gar keine attraktiven Ausweichrouten schaffen“, sagt der 45-jährige Bauingenieur, der am 26. Mai für den Gemeinde- und den Höfinger Ortschaftsrat kandidiert.

Sein Konzept: Den Flaschenhals vor die Ortschaften legen – und damit den Stau. Ermöglichen sollen das Pförtnerampeln, etwa vor Höfingen oder an der Verbindungsstraße von Ditzingen nach Leonberg. Das ist einer von mehreren Vorschlägen, die Christian Buch und die Leonberger SPD in dieser Woche beim „Dialogforum Verkehr“ im Eltinger Hof mit rund 50 interessierten Bürgern diskutiert haben.

Kurzfristige Entlastung nötig

Unter dem doppeldeutigen Motto „Wir haben etwas gegen Stau!“ präsentierte die SPD einen Maßnahmenkatalog, der „wirksam, finanzierbar und kurzfristig“ zur Entlastung im staugeplagten Leonberg führen soll. „Wir können lange über Seilbahnen diskutieren“, sagt Buch, kurzfristig helfe dies jedoch nicht. Damit wenigstens der Stadtverkehr noch fließen kann, dürften nur so viele Fahrzeuge nach Leonberg einfahren wie durchpassen.

Gleichzeitig fordert die SPD mehr Gleichberechtigung für Fußgänger in der Stadt und eine bessere Förderung des Fahrradverkehrs. „Je sicherer die Radwege, umso früher steigen Kinder und Erwachsene aufs Fahrrad um“, sagt Buch. Um die Straßen für Fußgänger sicherer zu machen, will der Verkehrsexperte deutlich mehr Zebrastreifen, so etwa in der Stuttgarter Straße, der Brennerstraße und der Eltinger Straße. „Mit zwei Millionen Euro für ein erstes Programm, wäre schon viel geschafft“, prognostiziert Buch.

Tempo 80 auf den Autobahnen

Im Anschluss an den Vortrag des Verkehrsfachmanns diskutieren die Bürger lebhaft über die Streitpunkte Fahrrad, Fußgänger und Autoverkehr und bringen eigene Vorschläge ein. So plädieren einige Bürger dafür, dass die Stadt sich dafür stark machen solle, dass der Engelbergtunnel bei Bauarbeiten künftig seltener gesperrt werde. Diese geschehe bislang zu leichtfertig.

Ein Tempolimit auf 80 Stundenkilometer auf der Autobahn rund um Leonberg würde die Verkehrskapazität der Fernstraße erhöhen und damit helfen, Stau zu vermeiden. Und viele versprechen sich vom Zukunftsthema „Autonomes Fahren“ Entlastung und hoffen mit Blick auf die nahe Bosch-Ideenschmiede auf baldige Pilotprojekte. Entlastung könnte außerdem ein Radschnellweg nach Stuttgart bringen, so ein Vorschlag, und sogenannte Shared Spaces (Zonen, in denen Autos, Fahrräder und Fußgänger gleichberechtigt sind) im Straßenraum mehr Sicherheit.

Doch es gibt auch Stimmen, die beim Dauerthema Verkehr in Leonberg kaum noch Hoffnung haben: „Ich bin sehr skeptisch, dass es überhaupt eine Lösung gibt“, resümiert Jürgen Weinhardt aus Gebersheim.

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