Kommunalwahl in Heimsheim Sie wollen dorthin, wo Entscheidungen fallen

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Die Frauen für Heimsheim mit Spitzenkandidatin Angelika Gratzfeld-Hüsgen (vorne rechts) möchten in den Gemeinderat. Foto: Andreas Gorr

Kommunalwahl - Die Initiatorinnen der neuen Wahlliste für den Heimsheimer Gemeinderat haben nicht lange gefackelt: Vor ein paar Monaten saß Angelika Gratzfeld-Hüsgen mit ein paar anderen Frauen zusammen, zufällig ging es dabei auch um die anstehende Gemeinderatswahl im Mai und darum, wer überhaupt alles antritt. „Im jetzigen Rat sitzen zehn Männer und vier Frauen. Da kam uns der Gedanke: Es müsste doch eigentlich mal eine Frauenliste geben“, erzählt Angelika Gratzfeld-Hüsgen. Doch bei bloßen Worten blieb es nicht. Bereits nach kurzer Zeit hatten die Initiatorinnen eine fast vollständige Liste beisammen. „Wir haben damit wohl den Nerv der Zeit getroffen“, glaubt Tanja Renkl-Evers (Listenplatz 3).

Der Name der Initiative: Frauen für Heimsheim (FfH). Frauen seien in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sehr aktiv und engagiert, beispielsweise in Vereinen, sagt Angelika Gratzfeld-Hüsgen. „Nur da, wo die Entscheidungen getroffen werden, leider nicht.“

Wie bei den meisten anderen Listen zeigt sich auch bei den Frauen für Heimsheim ein großes Spektrum in puncto Berufe und Altersstruktur. Angelika Gratzfeld-Hüsgen, Chemikerin im Ruhestand, steht auf dem ersten Listenplatz. Politisch war sie vorher nicht aktiv. „Ich hatte einen sehr stressigen Beruf und war viel auf Reisen“, erzählt sie. „Trotzdem liegt mir die Politik.“ Vor allem mit Marketing hatte sie viel zu tun. Was das mit Politik zu tun hat? „Man muss mit den verschiedensten Menschen zurecht kommen und auf andere eingehen.“ Und es gehe immer darum, das Beste für alle Beteiligten herauszuholen.

Von Stadtkernsanierung bis zur S-Bahn

Für die Listenzweite, Berufsberaterin Carolin Schneider, ist es ebenfalls die erste Kandidatur für ein politisches Amt. „Ich bin hier aufgewachsen und lebe jetzt wieder hier“, berichtet sie. Alles, was im Ort geschieht, das betreffe einerseits sie selbst, andererseits „geht es jeden von uns an. Deshalb hat es mich sehr gereizt, dabei sein zu können“. Tanja Renkl-Evers kam in Kontakt mit der Politik, als sie sich mit einer Kita in Heimsheim selbstständig machen wollte. „Da hat man schon ein bisschen mitbekommen, wie die politischen Haltungen sind, wo es Unterstützung gibt und wo nicht.“ Von drei Parteien beziehungsweise Wählerinitiativen wurde sie im Vorfeld schon angesprochen, ob sie nicht für den Gemeinderat kandidiere wolle. Das Portfolio habe ihr aber bei keiner anderen Gruppe so zugesagt, dass sie sich damit voll hätte identifizieren können. Anders bei den Frauen für Heimsheim.

Inhaltlich ist den FfH vor allem die Stadtkernsanierung und -Belebung ein wichtiges Anliegen, seniorengerechtes Wohnen, bessere Angebote für Jugendliche, bezahlbarer Wohnraum, aber auch eine sinnvolle Anbindung an die S-Bahn.

„Wir wollen nicht gegen etwas, sondern für etwas sein“

„Wir wissen, dass das viele Themen sind, die sich die anderen Parteien auch schon auf die Fahnen geschrieben haben“, sagt Tanja Renkl-Evers. „Über die Jahre wurde hier aber zu wenig angepackt“, findet sie. „Gerade bei der Stadtkernentwicklung. Wenn man sieht, was in den vergangenen Jahren passiert ist, sieht man doch sehr wenige Ergebnisse.“ Zum Beispiel habe man leider die Chance verpasst, alte Häuser in der Kernstadt zeitnah aufzukaufen, um die Entwicklung voranzubringen, bedauert Gratzfeld-Hüsgen. Auch mit der Entwicklung, im neuen Baugebiet Lailberg II auf Mehrfamilienhäuser zu verzichten, sind die FfH nicht glücklich. „Viele Leute können sich hier keine Wohnung mehr leisten“, sagt Kandidatin Erika Distelrath. Angebote für Jugendliche gibt es in ihren Augen ebenfalls zu wenig. „Für die gibt es keinen wirklichen Raum“, beklagt Carolin Schneider.

Was der Initiative wichtig ist: „Wir wollen nicht gegen etwas, sondern für etwas sein und für diese Themen auch einstehen“, betont Gratzfeld-Hüsgen. Und vor allem nicht im Alleingang, sondern in guter Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen. „Wir wollen hier keine Grabenkämpfe“, so Tanja Renkl-Evers. Vornehmliches Ziel der Frauen für Heimsheim sei es, die Position der Frauen im Gemeinderat zu stärken. „Die Frauen bei uns treten nicht nur an, um die Liste zu füllen oder um eine Quote zu erfüllen, sondern weil wir uns bewusst dafür entschieden haben und etwas bewegen möchten.“

Termin
: Um sich den anderen Bürgern vorzustellen, laden die Frauen für Heimsheim unter anderem für Samstag, 4. Mai, von 14 bis 17 Uhr zu einem Spielplatzfest auf den Zentralspielplatz (Wiesenstraße) ein.

Wahlliste für den Gemeinderat
(in dieser Reihenfolge): Angelika Gratzfeld-Hüsgen, Carolin Schneider, Tanja Renkl-Evers, Julia Bergmann, Ann-Marie Wulff, Ines Walter, Erika Distelrath, Ute Berger, Bettina Daniel, Andrea Söhnle, Sabine Böhm, Meike Soboll-Schmidt, Jutta Bäuchle-Müller

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