Kommentar zur lokalen Gastronomie Wer ausgeht, möchte einkehren

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LKZ-Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski Foto: factum

Leonberg - Wenn man der Gastronomie wirklich helfen will, warum lässt man sie erst am Montag öffnen, dem schwächsten Tag, und nicht schon am Wochenende?“ In der Frage von Klaus Bertleff schwingt eine Mischung aus Unverständnis und Verzweiflung mit. Denn tatsächlich dürfte den wenigsten Restaurantbetreibern geholfen sein, wenn sie erst zum Wochenbeginn starten können.

Der nicht nur in Leonberg renommierte Küchen- und Restaurantchef blickt mit seiner Kritik gar nicht so sehr auf sein eigenes Geschäft. Der Sonntag ist der Hauptumsatztag der Ausflugslokale; nicht nur jene im Schwarzwald oder auf der Alb, sondern auch die heimischen Ziele für eine kleine Rast bei einer Wanderung.

Rheinland-Pfalz ist weiter

Unser Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz ist da schon weiter: An Rhein und Mosel freuen sich die Wirte bereits seit Mittwoch auf Gäste. Auch in anderen Bereichen machen unsere Nachbarn mehr Tempo: Frei- und Hallenbäder, Saunen und Fitnessstudios sind im Lauf der nächsten drei Wochen dran. Bei uns wird um deren Öffnung noch hart gerungen.

Immerhin: In der Gastronomie kann es jetzt endlich losgehen. Für einige Betriebe kommt die Erlaubnis schon zu spät, sie haben die Zwangspause nicht überlebt. Im Raum Leonberg können die meisten aber wieder an den Start gehen. Die große Frage ist, wie sich der Lauf unter erschwerten Bedingungen gestaltet: Die Bedenken nicht weniger Wirte, dass ein Restaurantbesuch mit Beschränkungen hinsichtlich der anderen Gäste, mit maskiertem Personal, mit faktischen Einlasskontrollen und Meldepflicht nicht das Freizeitvergnügen ist, das es für die meisten einst war, sind berechtigt.

Viele Stolpersteine

Selbst der vermeintlich unproblematische Restaurantbesuch zweier befreundetere Paare kann verboten sein, wenn eines davon unterschiedliche Wohnsitze hat. Was auch vielen nicht klar ist: Die klassische Kneipe oder das Café bleiben weiterhin geschlossen, wenn sie nicht über ein größeres Speiseangebot verfügen.

Die Rückkehr ins gastronomische Leben ist also mit vielen Unsicherheiten und Stolpersteinen behaftet. Und doch sollten wir in den kommenden Tagen die wiedererlangte Freiheit des auswärtigen Essens nutzen. Je größer die Resonanz, desto eher können sich Verhaltensweisen einpendeln. Im Umkehrschluss können sich bestimmte Verbote als unpraktikabel oder schlicht überflüssig herausstellen.

Teil unserer Kultur

Schließlich, das hat sich gerade in den vergangenen Wochen gezeigt, ist eine lebendige Gastronomie Teil unserer Kultur und prägt den Charakter einer Stadt. Wer ausgeht, möchte gerne einkehren. Und wenn das nicht möglich ist, bleiben die Leute weg. Die abends oft schon regelrecht ausgestorbenen Straßen sind der beste Beweis dafür. Gehen wir also wieder vor die Tür, mit aller gebotenen Vorsicht, vor allem aber mit der freudigen Erwartung, dass die Gesellschaft wieder lebt.

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