Kommentar zur Leonberger Stadtentwicklung Ein Boot kann ganz leicht kentern

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Leonberg - Die Sommergespräche gehen auf die Zielgerade. In der kommenden Woche nimmt noch der Oberbürgermeister Stellung, dann ist das politische Zwischenresümee vollendet. Schon jetzt kann festgestellt werden: So richtig unter Segeln steht das Schiff Leonberg noch nicht.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Gespräche zieht, ist der Zeitfaktor. Alles dauert sehr lange, der vor den Sommerferien endlich auf den Weg gebrachte Bau des Postareals ist das aktuellste Beispiel.

Die Bürokratie lähmt

Die Frage nach der Verantwortung für Jahre, mitunter Jahrzehnte währende Prozesse, ist nicht so ohne weiteres zu beantworten. Die Bürokratie ist hier sicher ein wesentlicher Faktor. Aber die gibt es in allen Kommunen. Und doch geht es andernorts bei Infrastrukturprojekten oft schneller zu.

Die in mehreren Sommerinterviews angesprochene kritische Personalsituation in der Stadtverwaltung ist ein wichtiger Punkt in der Leonberger Problemliste. Aber auch die Neigung der Kommunalpolitiker, viele Dinge selbst dann noch zu zerreden, wenn sie offenkundig beschlussreif sind. Oft könnte man meinen, der eine gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot nicht. Auch solcherlei Verhalten ist andernorts zu beobachten. Manchmal drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass in Leonberg die persönlichen Befindlichkeiten sehr ausgeprägt sind.

Ausgeprägte Befindlichkeiten

Dabei gibt es genügend Probleme, die der dringenden Lösung harren. Der sogenannte bezahlbare Wohnraum ist eines davon. Wobei selbst Gutverdienende bei uns nicht ohne Weiteres ein geeignetes Objekt finden. Die in diesem Zusammenhang immer wieder gestellte Frage nach den Grenzen des Wachstums, wird letztlich durch die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern beantwortet: Sie ist ungebrochen groß.

Viel in Bewegung

Also bleibt der Stadt gar nichts anderes übrig, als sich immer weiter zu entwickeln – zu einem lebens- und liebenswerten Gemeinwesen, das Qualität und Dynamik miteinander vereint und im Wettbewerb der Kommunen nicht ins Hintertreffen gerät.

Nun ist es ja nicht so, dass in Leonberg Stillstand herrscht. Im Gegenteil: Es ist viel am entstehen, gerade in Sachen Qualität. Die über Jahre gepredigte Belebung des Marktplatzes ist endlich spürbar. Es gibt mehr und attraktive gastronomische Angebote, die gut angenommen werden. Ein autofreier Marktplatz würde diesen Aufwärtstrend gewiss unterstützen. Auch Kultur, Handel und Gewerbe befreien sich langsam aber sicher aus den Corona-Fesseln und schöpfen Zuversicht. Mit der anstehenden Eröffnung des Imax-Kinos bekommt Leonberg sogar ein internationales Alleinstellungsmerkmal.

Politik kann die Segel setzen

Die Kommunalpolitik kann also die Segel setzen. Dafür aber müssen, um das passende Bild der Stadträtin Gitte Hutter zu verwenden, alle in einem Boot sitzen. Dabei darf sich keiner zu weit über die Reling hinaus lehnen. Sonst könnte das ganze Boot kentern.

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