Kommentar zum Leonberger Krankenhaus Erkennbare Methodik

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Weiter in der Diskussion: das Leonberger Krankenhaus. Foto: Archiv

Leonberg - Die in unserer Zeitung vor einer Woche veröffentlichte Kritik des Leonberger Oberbürgermeisters Martin Kaufmann am geplanten Bettenabbau im Krankenhaus und dem drohenden Verlust eines medizinischen Profils hat intern hohe Wellen geschlagen. Kam sie doch für das Management des Klinikverbundes und den Aufsichtsratschef Roland Bernhard zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

An diesem Mittwoch hat der Aufsichtsrat getagt. Ziel war offenkundig, weitere Abbauprogramme auf den Weg zu bringen, um so das Dauerdefizit in den Griff zu bekommen. Abstriche wollen die Klinikmanager und der Landrat aber nicht bei der geplanten Großklinik am Böblinger Flugfeld machen, deren Kosten bisher offiziell mit 452 Millionen Euro angegeben werden.

Die kleinen Häuser soll bluten

Bluten sollen abermals die kleinen Häuser, die schon vor fünf Jahren in dem berüchtigten Teamplan-Gutachten keine Rolle spielten. Erst nach massivem öffentlichen Druck wurden in Leonberg drei vakante Chefarztstellen wiederbesetzt.

Nun aber steht in Rede, die Gynäkologie dicht zumachen, die bisher als vorbildliches Kooperationsmodell mit Böblingen gepriesen wurde. Die Unfallchirurgie, am autobahnnahen Standort Leonberg mit Hubschrauberstation eine wichtige Abteilung, könnte nach Eröffnung des Flugfeldes nur noch am Tag betrieben werden.

Öffentlich sagt das niemand. Aber die offizielle Erklärung, das Medizinkonzept „zu konkretisieren“ und der Hinweis der Geschäftsführung auf die Probleme beim Erreichen der personellen Mindestbesetzungen, sind Anlass genug, die Befürchtungen, die der Oberbürgermeister in unserer Zeitung geäußert hat, äußerst ernst zu nehmen.

Insider lesen aus der aktuellen Situation eine Methodik heraus: Je weniger medizinische Leistungen in Leonberg angeboten werden, desto geringer sind die Erträge. Je schlechter die wirtschaftliche Situation, desto besser sind radikale Abbaumodelle oder Abteilungsschließungen begründbar.

Nicht heute und nicht morgen. Aber spätestens bei der Inbetriebnahme der Großklinik. Deshalb ist es auch kein Widerspruch, dass mit dem neuen Chef der Bauchchirurgie ein Schwerpunkt für chronisch entzündliche Darmerkrankungen in Leonberg etabliert werden soll. Schon jetzt ist das Zusammenspiel von Gastroenterologie und Bauchchirurgie sehr erfolgreich.

Kreistagsbeschluss würde konterkariert

Selbst das geplante Zentrum für Psychiatrie ist kein Beleg für eine dauerhafte Stärkung des Krankenhauses. Diese Landeseinrichtung ist kein Teil der eigentlichen Klinik, sondern ein Nachbargebäude.

Im Aufsichtsrat wurden angesichts der Unruhe nach dem OB-Artikel noch keine Beschlüsse gefasst. Doch wohin die Reise gehen soll, ist erkennbar. Ob aber eine solch tiefgreifende Änderung des vom Kreistag beschlossenen Medizinkonzeptes in Geheimgremien durchgesetzt werden kann, ist mehr als zweifelhaft. Würde doch ein öffentlicher Kreistagsbeschluss ohne demokratische Legitimation konterkariert.

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