König zu Gast im Strohgäu Gerlingen rüstet sich für royalen Besuch

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Nene Sakite II. war bereits vor 15 Jahren zur Eröffnung des Rebmannhauses in Gerlingen. Bürgermeister Georg Brenner hat ihn damals willkommen geheißen.Beate Zimmermann übt mit einigen Sängern des Jugendchors die Lieder für das Afrika-Konzert – sogar während der Schulferien.Beate Zimmermann übt mit einigen Sängern des Jugendchors die Lieder für das Afrika-Konzert – sogar während der Schulferien. Foto: privat

Gerlingen - Sie singen. Für den König. Aber auch für die Kinder einer Schule. Lili, Anja, Moritz und Fabian und die anderen 20 Mitglieder des Jugendchors der Petrusgemeinde üben seit Wochen. Man singt schließlich nicht jeden Tag für einen leibhaftigen König. In wenigen Tagen erhält Gerlingen hohen Besuch: König Nene Sakite II. von Kroboland wird der Stadt einen viertägigen Besuch abstatten – auch als Dank für die Unterstützung, die der Bezirk in Ghana aus Gerlingen erhält.

Die Rebmannstube erinnert an die Hilfe für Afrika

Die Stadt hat seit 2004 insgesamt 36 000 Euro für Bildungs- und Gesundheitsprojekte überwiesen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, nicht nur im Rathaus. Die Basis für den Kontakt haben Missionare gelegt, die von Gerlingen aus im 19. Jahrhundert in Afrika wirkten. In der Rebmannstube wird daran erinnert. Zu deren Eröffnung 2004 war König Nene Sakite II. von Kroboland schon einmal in der Stadt.

Beate Zimmermann strahlt. Die Kantorin der Petruskirchengemeinde hat afrikanische Traditionals, Gospels und neue christliche Lieder zu einem Programm zusammengestellt, das am Freitag, 12. Juli, um 19 Uhr in der Petruskirche aufgeführt wird. Die Spenden der Besucher kommen einer Schule in Tansania zugute. „Wir singen einfach gern, möchten andere damit anstecken, und wir freuen uns, wenn ein König unter den Zuhörern ist.“ Die jugendlichen Sänger braucht man nicht lange nach ihrer Motivation zu fragen. Sie antworten – und singen schon wieder. In den Osterferien haben sie begonnen, die Lieder mit ihrer Band einzustudieren.

Gesundheitsprojekte werden von der Stiftung unterstützt

„Das Benefizkonzert für die Rebmannstiftung haben wir schon länger geplant – und jetzt den Termin so gelegt, dass König Nene Sakite II. dabei sei kann“, sagt Zimmermann. In Gerlingen kennt man die Rebmann-Stiftung, die das Erbe der Gerlinger Missionare im allgemeinen und von zwei Männern im speziellen pflegt: Johannes Rebmann, der in Tansania wirkte, und Johannes Zimmermann, der als Missionar im Kroboland in Ghana tätig war. Auch ihrer wird im Rebmann-Haus in der Kirchstraße gedacht. Heute noch unterstützt die Stadt Gesundheitsprojekte im Land von Nene Sakite II. Der regiert übrigens nicht immer in Ghana: Im Hauptberuf ist er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität in Boston.

Die Feierlichkeiten zum Besuch werden auch von einem Nachfahren des Missionars Johannes Rebmann unterstützt: Markus Rösler, gebürtig aus Gerlingen. Der Landespolitiker der Grünen lebt heute in Vaihingen an der Enz; er hat die Johannes-Rebmann-Stiftung mitbegründet und vertritt die Familie im Stiftungsrat. „Meine Mutter ist eine gebürtige Rebmann“, erzählt er, „der Missionar war mein Ur-Ur-Großonkel.“ 500 Mitglieder der Familie, alle dessen Nachfahren, kenne er. 160 davon leben heute noch in Gerlingen. Rösler ist auch am Besuchsprogramm für den König beteiligt: Der Abgeordnete hat für den 12. Juli einen Besuch im Landtag organisiert – mit Empfang bei dessen Präsidentin Muhterem Aras.

Der König übernachtet standesgemäß

Am Abend besucht man gemeinsam das Konzert in Gerlingen. Auch am Samstag hat die Bevölkerung Gelegenheit, Nene Sakite II. zu sehen: Da besucht er das Open-Air-Konzert des Musikvereins beim Rathausplatzfest. Übernachten wird der König übrigens auch in Gerlingen: Majestät und seine drei Begleiter logieren standesgemäß im Hotel Krone.

„Wenn jemand aus Afrika kommt, ist das hilfreich und fördert den persönlichen Kontakt“, sagt Christian Haag, der ebenfalls die Rebmann-Stiftung fördert. Deshalb wird er beim Konzert des Jugendchors die Einführungsrede halten. Die Sängerinnen und Sänger treten dabei im neuen Outfit auf: Auf den schwarzen T-Sh­irts ist „Jugendchor“ aufgenäht – aus bunten afrikanischen Stoffen ausgeschnitten. Organisiert hat das ein Flüchtling aus Afrika mithilfe seiner Schwester. Der junge Mann lebt seit einiger Zeit in Gerlingen – und singt mit. Auch in dem Chor, der den Gottesdienst am letzten Tag des Besuchs mitgestaltet. Dabei wird übrigens wieder ein Missionar ausgesandt.

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