Klinikverbund Südwest Martin Loydl mag nicht mehr

Von Thomas K. Slotwinski
Martin Loydl steigt aus – er hat um vorzeitige Auflösung seines Arbeitsvertrags gebeten. Foto: Simon Granville

Leonberg - Am Ende war der interne Druck wohl doch zu groß: Martin Loydl, der kaufmännische Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, hört auf. Am Donnerstagvormittag mailte er an das komplette Team des Klinikverbundes, dass „er sich einer neuen beruflichen Herausforderung“ stellen möchte. Er habe daher den Aufsichtsratsvorsitzenden, Landrat Roland Bernhard, darum gebeten, seinen bis Januar 2026 laufenden Vertrag vorzeitig zu lösen.

16 Jahre war Loydl in leitender Funktion beim Verbund der Krankenhäuser in den Kreisen Böblingen und Calw tätig, sechs Jahre als Geschäftsführer. Vor knapp einem Jahr wurde dem heute 51-Jährigen die komplette Verantwortung übertragen. Zuvor hatte er sich mit dem medizinischen Geschäftsführer Jörg Noetzel die Führung geteilt. Doch im Sommer 2020 gab es eine plötzliche Trennung von Noetzel.

Dass Martin Loydl forthin die alleinige Geschäftsführung übernehmen sollte, war politisch heftig umstritten. Dazu muss man wissen, dass die Kreise Böblingen und Calw die Gesellschafter des Klinikverbundes sind. Während der Böblinger Landrat Bernhard sich von der Doppelspitze verabschieden wollte, beharrte sein Calwer Kollege Helmut Riegger auf einen neuen medizinischen Geschäftsführer.

Der Streit drohte zu eskalieren. Erst nach Geheimvermittlungen von Kreistagsmitgliedern beider Seiten, darunter der Leonberger Helmut Noë, gab es einen Burgfrieden: Loydls Vertrag wurde um fünf Jahre verlängert. Nach zwei Jahren sollte geprüft werden, ob am Modell des alleinigen Geschäftsführers festgehalten wird oder ob doch wieder auf zwei Führungskräfte gesetzt wird.

Im kommenden Jahr hätte diese Prüfung angestanden. Martin Loydl hat es nicht so weit kommen lassen. Wohl auch deshalb, weil hinter den Kulissen der Konflikt offenbar weiter geschwelt hat. Riegger hat demnach aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl gemacht. Dem Vernehmen nach hatte es in einer Sitzung im Sommer eine neuerliche Kontroverse gegeben. Bernhard habe dabei ein Bekenntnis für Loydl abgelegt.

Verdienste werden gelobt

Der Wortlaut der gemeinsamen Erklärung, die beide Landräte am Donnerstag veröffentlicht haben, lässt erahnen, dass um die Worte gerungen wurde: „Wir respektieren die persönliche Entscheidung Herrn Loydls und zeigen Verständnis für seinen Wunsch, sich beruflich weiterzuentwickeln“, sagen Bernhard und Riegger.

„In den sechs Jahren als Geschäftsführer hat er sich Verdienste erworben bei der operativen Leitung des Klinikverbundes sowie in der Umsetzung zahlreicher Projekte. Nicht zuletzt hat er die Kliniken sehr gut durch die Pandemie geführt. Aufgrund seiner Integrität und langjährigen Verbundenheit zu den Kliniken sind wir aber überzeugt, dass er bis zuletzt seine gesamte Fachkompetenz einbringen wird.“ Es ist davon auszugehen, dass Roland Bernhard alleine euphorischere Worte gewählt hätte.

Wer wird Loydls Nachfolger?

Die Nachfolgefrage solle „in den zuständigen Gremien in einem konstruktiven Miteinander und ohne Zeitdruck erörtert“ werden. Loydl will so lange im Amt bleiben.

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