Klimaschutz in Renningen Sieger bei der Klimawette

Von Kathrin Klette
Mehr radeln fürs Klima: Inge Bücker, Erwin Eisenhardt und Christine Berg (von links) haben sich als drei von insgesamt 206 Renningern an der bundesweiten Klimawette beteiligt und mit unterschiedlichen Maßnahmen CO2 eingespart. Foto: Simon Granville

Renningen - Ganze 271 Tonnen CO2 haben die Renninger bei der bundesweiten Klimawette eingespart. Damit belegt die Rankbachstadt den zweiten Platz unter sämtlichen Teilnehmern, bei den Kleinstädten unter 20 000 Einwohnern liegt sie sogar auf Platz eins. Das wollen die Beteiligten gerne feiern. An diesem Samstag, 13. November, sind alle Teilnehmer um 17 Uhr in die Begegnungsstätte Haus am Rankbach eingeladen.

Im Juni 2021 hat sich die Renninger Agenda gemeinsam mit Carsharing Renningen, dem Nabu Renningen-Malmsheim, der ADFC-Gruppe Renningen und der Initiative Herzwerk entschieden, an der bundesweiten Klimawette teilzunehmen, die der Verein „3 fürs Klima“ ausgerufen hatte. Die Aktiven in Renningen haben kräftig die Werbetrommel gerührt und 206 Teilnehmer gewonnen, die auf unterschiedliche Weise jede Menge CO2 eingespart haben.

„Wir können nicht so weitermachen“

Drei der Teilnehmer sind Erwin Eisenhardt, ehemaliger Grünen-Gemeinderat und Mitbegründer des Arbeitskreises Klimaschutz in der Renninger Agenda, Inge Bücker vom Renninger Naturschutzbund und Christine Berg, die in der Stadt einen Unverpackt-Laden eröffnen möchte. Allen dreien war es eine Herzensangelegenheit, sich an der Aktion zu beteiligen, die Freude über den Erfolg ist groß.

„Wir können nicht so weitermachen und die Zukunft unserer Kinder kaputtmachen“, stellt Erwin Eisenhardt klar. Das war für ihn der wichtigste Grund, mitzumachen. „Und um der Politik zu zeigen, dass die Bürger den Klimaschutz wollen.“ Als persönlichen Beitrag zur Wette hat er zu Hause die Raumtemperatur von 22 auf 21 Grad gesenkt. Dazu gab es noch viele andere Möglichkeiten, sich einzubringen, „vieles davon haben wir aber ohnehin schon gemacht, zum Beispiel viele Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen“.

Für kurze Strecken gibt es nur noch das Fahrrad

Ähnlich verhielt es sich bei Christine Berg. „Wir haben auch vieles schon vorher gemacht. Speziell bei der Klimawette habe ich darauf geachtet, die Verwendung von tierischen Produkten zu minimieren. Das ist ein Thema, das ich vorher lange verdrängt habe, weil es doch unbequem ist, sich umzustellen, aber inzwischen gibt es so viele Alternativen.“ Sie verwende zum Beispiel zu Hause gar keine Kuhmilch mehr, sondern stattdessen Hafermilch und ähnliches.

Und: Auch bei Regen werden kurze Strecken nur noch mit dem Fahrrad abgeradelt, erzählt sie. Größter Antrieb sind für sie ihre drei Kinder und ein schlicht existenzieller Drang. „Es geht hier um den Erhalt unserer Art und darum, unseren Kindern keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen.“

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Die 60-jährige Inge Bücker sieht sich und ihre Generation in der Pflicht. „Ich bin schon älter und weiß, was ich schon alles kaputtgemacht habe“, sagt sie. „Auch wir Älteren müssen etwas tun.“ Mit der Teilnahme wollte sie vor allem für sich herausfinden, was man als Individuum alles tun kann. „Ich habe meine vegetarische Ernährung zum Beispiel deutlich verstärkt, ich bin mehr mit dem Fahrrad unterwegs und möchte mehr mit der Bahn verreisen statt mit dem Auto.“

Ein positiver Effekt dank der Teilnahme sei für sie persönlich vor allem der, „dass man viel mehr darüber nachdenkt, was man tut und wie man lebt, und sich aktiver damit auseinandersetzt“. Die Klimawette brachte ihr einige Anreize und neue Erkenntnisse. Ein etwas höherer Druck bei den Autoreifen zum Beispiel sei wegen der geringeren Reibung energiesparender. „An solche Kleinigkeiten denkt man beim Thema Klimaschutz oft gar nicht.“

Das Ziel: Eine Tonne CO2 pro Person einsparen

Das Ziel der Klimawette lautete: Für 1,5 Prozent der Bevölkerung sollte pro Person eine Tonne CO2 eingespart werden. „Das ist nicht ohne, aber man konnte es schaffen“, erzählt Inge Bücker. Zwar blieb Renningen bei der Teilnehmerzahl unter den angestrebten 1,5 Prozent. Diejenigen, die mitgemacht haben, waren aber so fleißig, dass das Gesamtziel trotzdem erreicht wurde und das fast aller anderen Kommunen weit überstieg.

Die Klimawette

Organisation
 Im Februar 2020 gründete sich der Verein „3 fürs Klima“. Er wirbt bei der Bevölkerung für ein klimaneutrales Leben nicht erst 2050, sondern jetzt. Die Klimawette ist eine Aktion auf dem Weg, den eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren und den persönlichen Handabdruck, also das gesellschaftliche Wirken, zu vergrößern. Unterstützt wird die Aktion vom Bundesumweltamt und vielen Kooperationspartnern.

Ablauf
 Das symbolische Ziel lautete: 1,5 Prozent der Bevölkerung sollten pro Person eine Tonne CO2 einsparen. Möglichkeiten, CO2 einzusparen, waren zum Beispiel der Austausch von Glühlampen durch LEDs, eine fleischhaltige Mahlzeit pro Woche weniger, höherer Reifendruck, kürzer duschen und mehr. Auf Vertrauensbasis konnten die Teilnehmer ihren persönlichen Beitrag online angeben.

Ergebnis
 Mit Beginn der UN-Klimakonferenz in Glasgow ging auch die Klimawette zu Ende – mit einem großen Erfolg für Renningen. Die 206 Teilnehmer haben nicht nur das Ziel erreicht, sondern sich auch gegen fast 1420 andere teilnehmende Städte durchgesetzt. In der Wertung der Kleinstädte unter 20 000 Einwohnern liegen sie auf Platz eins, in der Gesamtwertung war nur Backnang noch besser. Um die Ergebnisse der unterschiedlich großen Städte vergleichen zu können, wurden die Zahlen je 10 000 Einwohner gerechnet. 

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