Klimaschutz in Renningen Klimawette: Tonne für Tonne zum Ziel

Von Sophia Herzog
Die AK Klimaschutz-Mitglieder Inge Bücker, Erwin Eisenhardt und Marco Lang und der Organisator der „Klimawette“-Sommertour, Michael Bilharz, (von links) wollen die Renninger Bürger für die Aktion „Klimawette“ gewinnen. Foto: AK Lokaler Klimaschutz

Renningen - Eine Million Tonnen CO2 einsparen – das klingt nach einer ganzen Menge und kaum machbar. Manchmal macht es aber eben die Masse: Wenn eine Million Menschen jeweils eine Tonne sparen, dann ist diese Zahl schnell erreicht. Das soll nun die bundesweite Aktion „Klimawette“ bewirken. Bis zur Weltklimakonferenz, die am 31. Oktober in Glasgow beginnt, soll die Million geknackt werden.

Das entspricht in etwa den Anforderungen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels gemäß den Beschlüssen von Paris. Denn: Laut Klimaschützern ist die Konferenz eine letzte Chance, richtungsweisende Beschlüsse in Sachen Klimarettung zu treffen.

Renningen aktuell auf zweitem Platz

Der Arbeitskreis Lokaler Klimaschutz in der Renninger Agenda holt die „Klimawette“ nun in den Altkreis. 1,5 Prozent der hiesigen Bevölkerung – etwa 300 Menschen – will der AK für die Aktion gewinnen. Aktuell sind es 82 Mitstreiter. Falls bis zum Ende des Aktionszeitraums im November entsprechend viele Renninger zusammenkommen, erfüllt sich sogar der Wetteinsatz der Renninger.

Dann wollen die Mitglieder des Arbeitskreises einen Lieferservice mit Lastenrad auf die Beine stellen, der dann zusätzliche Autokilometer spart. Und auch im Städtevergleich schlägt sich Renningen gut: Auf die eingesparten Tonnen CO2 pro 10 000 Einwohner gerechnet liegt die Stadt gerade auf Platz zwei. Insgesamt wurden in Renningen bereits 129 Tonnen CO2 eingespart.

Für die „Klimawette“ vor Ort gab es schon reichlich Zuspruch, mit an Bord sind auch der Nabu Renningen-Malmsheim, Carsharing Renningen, die örtliche ADFC-Gruppe und das Herzwerk Renningen. Jüngst war der AK Klimaschutz außerdem bei dem Bietigheim-Stop der „Klimawette“-Sommertour dabei – die Fahrradtour der „Klimawette“-Organisatoren ging einmal quer durch Deutschland und sollte auf die Wette aufmerksam machen.

Mitmachen kann jeder. Wer sich über die Webseite der „Klimawette“ registriert, kann auf zwei Arten auf seine Tonne kommen. Zum einen sind über die kostenlose Webanwendung „CO2-Avatar“ insgesamt 20 Maßnahmen aufgelistet, die jeder einzelne auswählen und dann im Alltag umsetzen kann. „Das betrifft besonders die Bereiche Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum“, erklärt Johannes Grabis, der Sprecher des AK Lokaler Klimaschutz.

Wechsel zu Biogas spart besonders viel CO2

Manche der Maßnahmen sind mit wenig Aufwand umgesetzt: Etwa Glühbirnen durch LEDs zu ersetzen, eine fleischhaltige Mahlzeit pro Woche weniger zu essen oder kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen. Andere brauchen schon etwas mehr Durchhaltevermögen, sparen dafür aber auch gleich mehr CO2.

Wer sich vegan ernährt, spart 0,7 Tonnen pro Jahr, wer zu zertifiziertem Biogas wechselt, sogar 0,9 Tonnen. Positiv auf die eigene CO2-Bilanz wirkt sich außerdem das Spenden aus. Innerhalb der „Klimawette“ kann an verschiedene Organisationen, etwa für die Aufforstung des Regenwaldes oder CO2-Zertifikate, gespendet werden.

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Für die Mitstreiter des AK Lokaler Klimaschutz in der Renninger Agenda steht das CO2-Einsparen schon länger auf der Liste und gehört neben dem Bäumepflanzen im Stadtgebiet und der Mitwirkung an einem Klimaschutzkonzept für Renningen zu den drei zentralen Säulen ihrer Arbeit. Auch die Mitglieder selbst achten auf ihren Fußabdruck: Johannes Grabis selbst hat sich etwa in diesem Jahr eine Fotovoltaik-Anlage auf sein Dach gebaut und seinen CO2-Verbrauch für 2021 damit bereits um drei Tonnen gesenkt.

Für Renninger, die sich an der „Klimawette“ beteiligen wollen, sieht er unter anderem einen leichten Umstieg auf das Fahrrad. „Renningen hat eine gute Infrastruktur und ein kompaktes Gebiet“, sagt er. „Einen großer Prozentsatz der Autofahrten bilden Strecken mit weniger als fünf Kilometern.“

„Klimawette“ soll ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen

Ob die Vorsätze, die sich die Renninger über den CO2-Avatar vornehmen, auch wirklich umgesetzt werden – das lässt sich erst mal nicht richtig messen. „Ich hoffe, dass die Leute, die sich anmelden, auch wirklich mitmachen“, erklärt Johannes Grabis. Schlussendlich tut die „Klimawette“ aber besonders eins: Ein Zeichen setzen. „Wir wollen ein Signal senden“, sagt er. Man wolle der Politik zeigen, dass es viele Menschen gibt, die den Klimaschutz wirklich angehen wollen. „Wir machen es jetzt einfach“, so Johannes Grabis. „Wir fangen bei uns an.“

Infos zur Teilnahme und eine Rangliste aller teilnehmenden Städte und Gemeinden gibt es unter www.dieklimawette.de

Versammlung der Entscheider

Weltklimakonferenz
 Eigentlich sollte die 26. UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow schon 2020 stattfinden – wurde aber coronabedingt verschoben. Nun ist die Konferenz vom 31. Oktober bis zum 12. November geplant. Bei dieser „Conference of the Parties“ (COP) treffen sich die Länder, die sich 2015 innerhalb des Pariser Klimaabkommens dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben haben. Insgesamt handelt es sich um 197 Vertragspartner.

Agenda
 Ende Februar hatte das UN-Klimasekretariat festgestellt, dass die Klimaschutz-Pläne der Mitgliedstaaten unzureichend sind, um das im Pariser Abkommen festgelegte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen – und forderte die Länder im gleichen Zuge zu ambitionierterem Klimaschutz auf. Wie die Vertragspartner ihre Anstrengungen zur Reduzierung von Treibhausgasen verstärken können, soll nun Thema in Glasgow werden. Außerdem sollen Regeln für die Zusammenarbeit der Staaten festgelegt werden.

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