Unternehmer aus Herrenberg Ein Plastik-Millionär in Monaco

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Björn Gunnar Lefnaer und seine verflossene Liebe Patricia Blanco servierten der Klatschpresse Schlagzeilen satt. Foto:  

Herrenberg - Was den Chef dieser Tage umtreibt, ahnt niemand in seiner Firma. Das wisse nur er selbst, sagt die Dame aus dem Sekretariat und diktiert eine Handynummer. Björn Gunnar Lefnaer meldet sich, aber der Moment ist unpassend. Er sitzt beim Mittagessen und ist auf dem Weg nach Monaco. Das Fürstentum ist der Wohnort seiner Wahl, wie von Klatsch und B-Prominenz faszinierte Fernsehzuschauer wissen. Der Millionär Lefnaer ließ den Sender Vox für die Serie „Goodbye Deutschland“ seine Auswanderung detailliert dokumentieren.

Und Lefnaer hat Gutes getan. Dies melden jetzt diverse PR-Agenturen. Der Mit-Geschäftsführer der in Herrenberg ansässigen Firma Württembergische Allplastik spendet für den Bau eines Krankenhauses in der indischen Stadt Mizoram, wenn auch nur einen kleinen Teil seines Geldes – unter anderem erfreut er sich einer Lamborghini-Sammlung. „Ich bin da Mitsponsor“, sagt er über sein Engagement. Lefnaer finanziert eine Krankenstation, die seinen Namen tragen soll.

Zur milden Gabe hat ihn Lalhmingliani Schäfer überredet, eine aus Indien stammende Sängerin, die eingefleischte Schlagerfans unter ihrem Künstlernamen Prinzessin Mimi I. kennen könnten. Als solche ersang sie sich mit ihrem Titel „Märchenhaft“ einen der zahlreichen ersten Plätze beim Deutschen Rock- und Pop-Preis 2017. Die Liste mit den Namen der Gewinner war in diesem Jahr neun Seiten lang.

PR-Agenturen adeln Lefnaer mit dem Titel „Goodbye-Deutschland-Star“

Schäfer sammelt bei allen Gelegenheiten Geld für ihr Krankenhausprojekt, und ihr Künstlername geht zurück auf einen tatsächlichen Titel, den einer Karnevalsprinzessin. Einst war sie Hebamme, zwischenzeitlich Wirtin, zurzeit handelt sie mit Immobilien. Insgesamt nähert sie sich den gesellschaftlichen Kreisen an, in denen Lefnaer gern verkehrt oder gern verkehren würde. Dies bleibt etwas unklar bei dem Mann, den jene PR-Agenturen mit dem Titel „Goodbye-Deutschland-Star“ adeln. Lefnaer lieferte Steilvorlagen für den Voyeursblick in real spielende Seifenopern. Zu den berückendsten zählt ein Geschäftstreffen mit einer belgischen Gräfin in Monaco, das stockte, weil Lefnaer versuchte, eine Saint-Tropez-Schönheit von der Straße wegzubaggern.

Vox filmte die Szene: Die Unbekannte bleibt vom Kompliment „Baby, Du siehst toll aus“ unbetört. Lefnaers Hinweis auf seinen Zweit-Wohnsitz in Florida überzeugt sie nur soweit, dass sie ihren Kaffee lieber allein trinken möchte. Danach erfahren die Zuschauer, dass der Charme des Millionärs 700 bis 800 Frauen habe niedersinken lassen, wie er bilanziert, „in den letzten Jahren“. Auf dieser Erfahrung mag die Erkenntnis fußen: „Die Weiber sind ja immer ganz wild auf die ganzen Taschen“ – bevorzugt auf solche von Yves Saint Laurent, präzisiert er.

Sein Geld verdankt der Millionär dem Kabelbinder

Sein Geld verdankt der Millionär dem Kabelbinder oder, je nach Lesart, seinem Vater. Anfang der 1950er-Jahre erfand Otto Lefnaer seinen Blitzbinder, dessen Varianten sich weltweit verbreiteten. 1953 gründete er seine Firma in Stuttgart. Später übernahmen Aimée, Björn Gunnar und die Seniorchefin Angelika Lefnaer, und die Allplastik zog nach Herrenberg um. In der Bilanz des Jahres 2017 ist ein Verlust von 680 000 Euro vermerkt. 2016 waren es 250 000 Euro.

Das Konto des Erben scheint von der Delle in der Geschäftsentwicklung unbeeinflusst. Eine Jacht von schlappen 15 Metern Länge sei wie Camping, ließ er wissen. Seiner neuen Liebsten wollte er Luxus gönnen. Gemeint war Patricia Blanco, die verstoßene Tochter Roberto Blancos. An deren Fernsehauftritten –  bei „Big Brother“, im „Dschungelcamp“ oder bei „Adam sucht Eva“ – hatte der alte Herr keinen Spaß.

Lefnaer zahlte für seine Liebste eine Reihe von Schönheitsoperationen, die sich nicht anders zusammenfassen lässt als mit dem Wort Komplettsanierung. Zum Glück verhalf der erstraffte Körper keineswegs. Die beiden trennten sich. Seither wurde es ruhig um den Geschäfts- und Lebemann, was ihm offenbar nicht behagt. Er wolle „wieder was mit Fernsehen machen“, sagt er. Wann und was ist unklar, aber „das entscheidet sich noch im Mai.“

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