Kitatestpflicht ab Montag Lollitests sind nicht überall der Standard

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Viele Kitas setzen auf den Lutsch- oder Lollitest: Die Mädchen und Jungen nehmen dabei das Teststäbchen in den Mund. Foto: Si/on Granville

Altkreis - Omikron breitet sich weiter aus. Daher gilt von Montag an landesweit 3G in Kitas: Betreut werden nur noch getestete, geimpfte oder genesene Kinder. Für die meisten bedeutet dies, dass sie drei Mal pro Woche auf Corona getestet werden. Viele Kinder sind regelmäßige Tests aber schon gewohnt: Auf freiwilliger Basis im Kreis Ludwigsburg – und als Modellregion führte der Kreis Böblingen bereits im April 2021 eine Testpflicht ein. Die Regelung fiel nach sinkenden Inzidenzzahlen Ende Juni weg, ehe der Kreis vom 24. November an wieder zwei Tests pro Woche zur Pflicht machte.

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Die Kitas in Leonberg bieten Nasentests für über Dreijährige an und Lutschtests für die Jüngsten – hier landet das Teststäbchen im Mund. Bei Bedarf erhalten die Kitas beide Arten, sagt die Rathaussprecherin Leila Fendrich. Die Kinder seien spielerisch auf die Tests vorbereitet worden, mittlerweile würden sie „wie selbstverständlich zum Kindergartenalltag dazugehören“. Leila Fendrich berichtet von einem „sehr großen“ zeitlichen Aufwand: So benötige man in den großen, achtgruppigen Einrichtungen für eine Testung der circa 135 bis 150 Kinder mindestens zweieinhalb Stunden. Bislang hätten in den städtischen Kitas Eltern nur in ganz wenigen Einzelfällen aufgrund der Testpflicht ihr Kind nicht mehr betreuen lassen.

Die meisten Eltern ziehen mit

Insgesamt zieht der Kreis Böblingen „ein positives Fazit aus der Testung“, informiert die Sprecherin des Landratsamts, Simone Hotz: Sie habe zur Offenhaltung der Einrichtungen beigetragen. Man habe viele positive Rückmeldungen aus der Elternschaft und den Einrichtungen erhalten.

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Dagegen setzt Weissach ausschließlich auf nasale Selbsttests – daheim. Nur im Ausnahmefall werde in der Kita getestet, sagt die Rathaussprecherin Stefanie Ruoff. Die Einrichtungen stellen die Tests bereit, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht hätten. Die Tests seien auch im Krippenbereich gut angenommen worden. Voriges Jahr sind laut Ruoff Kosten von rund 50 000 Euro für die Testungen in den Kitas entstanden. Künftig werden es pro Woche in Weissach und Flacht insgesamt rund 3200 Euro sein.

„Kitas sind keine Massenteststationen“, findet Korntal-Münchingen

Auch in Korntal-Münchingen, wo seit dem Sommer freiwillig zwei Mal pro Woche getestet wurde, fanden und finden weiterhin die Tests zuhause statt. Das Ergebnis zeigen die Eltern in der Kita, wo die Erzieher es protokollieren. „Kitas sind keine Massenteststationen“, begründet die Rathaussprecherin Angela Hammer das Vorgehen. Außerdem hätten die Kinder zu den Eltern das größte Vertrauen – „und es ist sichergestellt, dass womöglich positiv getestete Kinder gar nicht erst in der Kita auftauchen“. Kinder unter drei Jahren machen Lollitests, die älteren in der Regel Nasaltests. „Diese Altersteilung hat sich im vergangenen Jahr bewährt“, sagt Angela Hammer. Die jüngst bestellten Tests auch für die kirchlichen und freien Träger würden bis Ende Februar reichen und an die 50 000 Euro kosten.

Lollitests haben sich in Ditzingen bewährt

Ditzingen erweitert nun die „bereits etablierte Teststruktur“ von zwei freiwilligen Tagen auf drei verpflichtende Tage. Das Personal nutzt vor Ort stets Lollitests. Diese seien bei Kitapersonal wie Kindern erprobt und bewährt, sagt Jennifer Brix von der Stadt. Die Eltern seien umgehend informiert worden, nachdem die Landesregierung über die Testpflicht informiert hatte. In den vergangenen Monaten hätten die Eltern laut den Erzieherinnen und Erziehern das Angebot weitgehend positiv angenommen, berichtet Jennifer Brix. Jedoch: „Einige wenige lehnen die Regelungen, die ab dem 10. Januar gelten, leider ab.“

Gerlingen möchte auf „Grenzüberschreitung“ verzichten

Die Stadt Gerlingen, die die Eltern vor Weihnachten per E-Mail informierte, testet seit 22. November drei Mal pro Woche auf freiwilliger Basis in der Kita, davor waren es zwei Mal. Man habe sich für die Lollitests entschieden, da Kinder die Teststäbchen eigenständig in den Mund nehmen können, sagt die Rathaussprecherin Sofie Neumann. „Dadurch erfolgt keine Grenzüberschreitung durch zum Beispiel Abnahme in den Nasenflügeln.“ Die Kosten für die Testungen von April bis Dezember 2021 betrugen laut Neumann insgesamt rund 80 000 Euro. Von Januar an rechnet die Kommune mit Kosten von monatlich rund 16 000 Euro.

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Der Lollitest ist auch in Hemmingen das Mittel der Wahl, da er sich bei Kindern „sehr einfach“ umsetzen lässt, sagt der Hauptamtsleiter Ralf Kirschner. Die Erfahrung zeige: Es sei sehr wichtig, den Kindern nicht ständig wechselnde Tests zuzumuten, die jeweils ein unterschiedliches Handling erfordern. In den Kitas wird seit Ende September drei Mal pro Woche freiwillig getestet, bis dahin waren es seit April zwei Mal. „Aufgrund des steigenden Inzidenzwertes im Landkreis und der Tatsache, dass auch in den Kindertageseinrichtungen ein hohes Infektionsrisiko herrscht“, sagt Ralf Kirschner. Die Gemeinde habe immer die Einrichtungen im Rahmen der Möglichkeiten offenhalten und gleichzeitig Kinder und Personal bestmöglich schützen wollen.

Hemminger nehmen Testangebot unterschiedlich an

Dem Hauptamtsleiter ist bislang keine negative Reaktion auf die Testpflicht bekannt. „Das freiwillige Testangebot wurde sehr unterschiedlich angenommen“, stellt Ralf Kirschner indes fest: An repräsentativen Testtagen im November/Dezember in einer Kita von weniger als 40 Prozent der Kinder, wohingegen in einer anderen Einrichtung fast alle Kinder freiwillig getestet wurden. In den übrigen Kitas habe die Testquote zwischen 60 und 80 Prozent gelegen. Sind alle Kitaplätze belegt, kalkuliert die Kommune mit Materialkosten von bis zu 5800 Euro pro Woche von Montag an.

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Das Land übernimmt die Kosten für die Testpflicht in Kitas nach eigenen Angaben zu 100 Prozent. Dafür investiert es zusätzlich 22,4 Millionen Euro. Diese Mittel seien zunächst bis zu den Faschingsferien gedacht. Insgesamt beträgt das Fördervolumen seit vergangenem April 62,3 Millionen Euro.

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