Kirbe Weissach An oder nach dem Fest Simon und Judas?

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Im Gemeinderatsprotokoll von 1952 ist der Sachverhalt genau und akribisch beschrieben. Foto: LKZ

Weissach - Die Kirbe findet in diesem Jahr am Wochenende vom 25. bis zum 28. Oktober statt. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Eigens dafür ist das Weissacher Gremium jetzt zusammengekommen, obwohl sich die Politiker doch eigentlich in der Sommerpause befinden.

Aber Kirbe ist in Weissach eben Kirbe. Deren Terminierung folgt der Marktsatzung – und für Satzungen ist der Gemeinderat zuständig. „Die Terminierung der Kirbe war bereits in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig Bestandteil kommunalpolitischer Diskussionen“, ringt auch Hauptamtsleiterin Nadine Pfaffeneder in der entsprechenden Tischvorlage nach einer Erklärung.

Warum dafür aber so spontan und ungeplant, noch dazu mitten in der Sommerpause, eine Sondersitzung nötig war, geht – je nach Lesart – auf spätes Engagement, ein Missverständnis oder auf Versäumnisse in der Gemeindeverwaltung zurück.

Mehrere Rechtsdokumente

Tatsache ist: Für die Frage, wann die Kirbe zu sein hat, gibt es mehrere Rechtsdokumente. Zum einen wäre da ein Gemeinderatsprotokoll vom 4. März 1862, zum zweiten ein Gemeinderatsprotokoll vom 17. Oktober 1952, und zum dritten ein Gemeinderatsprotokoll – fast noch aktuell – vom 17. Juni 2013.

Verbindlich ist natürlich nur der jüngste Gemeinderatsbeschluss von 2013. „Der Kirbemontag ist der erste Montag nach Simon und Judas“, steht da. Gemeint sind die beiden Apostel Judas Thaddäus und Simon der Zelote, die beide ihren Gedenktag am 28. Oktober haben. Wichtig ist dort das Wörtchen nach. Fällt also – wie 2019 – der 28. Oktober auf einen Montag, dürfte die Kirbe demnach erst am darauffolgenden Wochenende gefeiert werden.

Der Knackpunkt aber ist: An jenem Freitag ist Allerheiligen, Tanzen wäre an diesem stillen Feiertag nicht geboten. „Wir wollten erst mit den Verantwortlichen des Kirbejahrgangs sprechen“, erklärte die Hauptamtsleiterin Nadine Pfaffeneder am Dienstag den Gemeinderäten. Normalerweise gebe es in jedem Frühjahr ein Vorgespräch. Organisator der Kirbe ist immer der Jahrgang in Weissach, der in jenem Jahr 18 oder 19 wird. „In diesem Jahr hat sich der Kirbejahrgang erst sehr spät zusammengefunden“, sagt sie. Am 10. Juli habe es das erste Gespräch gegeben.

Anders die Sicht der jungen Menschen des Jahrgangs selbst. Es stimmt, dass man sich sehr spät gefunden habe, sagte Micha Morlok vom Kirbejahrgang, der als Betroffener und Sachverständiger vor den Gemeinderäten reden durfte. „Das liegt daran, dass die Motivation des Jahrgangs 2000 nicht so groß ist.“ Nur zwei Leute helfen mit. „Wir bekommen Unterstützung vom Jahrgang zuvor“, sagte er.

Bands und DJs sind schon gebucht, der Sicherheits- und Sanitätsdienst schon engagiert

Und untätig waren die Jugendlichen bis jetzt nicht. Bands und DJs sind schon gebucht, der Sicherheits- und Sanitätsdienst schon engagiert, Techniker aquiriert und die Strudelbachhalle gebucht. „Dabei haben wir uns nach dem Veranstaltungskalender der Gemeinde gerichtet“, sagte Micha Morlok. Auch hätten die Organisatoren, viele Besucher und die Gewerbetreibenden ihre Urlaubsplanung auf den im Veranstaltungskalender genannten Termin abgestimmt.

Und in eben jenem Almanach war schon seit Mitte vergangenen Jahres der Kirbe-Termin vom 25. bis zum 28. Oktober genannt – auch wenn die Hauptamtsleiterin offenbar schon bei der Terminbesprechung aller Vereine im Herbst 2018 darauf hingewiesen worden war, dass das nicht den gültigen Gemeinderatsbeschlüssen entspricht. Im November 2018 wurde Bernd Hörnlen in dieser Sache bei der Bürgerfragestunde des Gemeinderats vorstellig.

„Das hat die Verwaltung versemmelt“, kommentierte darum der Gemeinderat Marco Grafmüller (Bürgerliste) am Dienstagabend. „Wir hätten früher reagieren müssen und auf den richtigen Termin umschwenken müssen.“

Sei es, wie es sei. Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen verstanden, dass man drei Monate vor der Kirbe nicht mehr auf den traditionellen Termin umschwenken könne. Darum hoben sie die Hände und segneten einen Beschluss ab. Einmalig, nur in diesem Jahr, darf der Kirbejahrgang jetzt von der Marktsatzung abweichen und die Kirbe schon an Simon und Judas veranstalten, und nicht erst nach Simon und Judas.

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