Kinderhäuser in Leonberg Hitze-Kitas werfen viele Fragen auf

Von Ulrike Otto
Das Atrium im Kinderhaus am Stadtpark bei der Eröffnung im Dezember 2014: Durch die Glaskuppel strömt Licht herein, der Raum heizt sich dadurch aber auch auf. Foto: factum

Leonberg - „Gewächshaus? Oder Kinderhaus?“ fragt sich eine Leserin, nachdem sie über die Zustände in den Kinderhäusern Stadtpark und Warmbronn gelesen hat. Diese heizen sich im Sommerhalbjahr stark auf, weshalb Klimageräte angeschafft werden sollen. Zunächst hatte der Gemeinderat dafür im Dezember einen Sperrvermerk erlassen. Der zuständige Sozialausschuss sollte diesen nun aufheben, hat das aber vorerst zurückgestellt. Stattdessen soll die Verwaltung bis Oktober Lösungen erarbeiten. Der Gemeinderat befasst sich am heutigen Dienstag, 19 Uhr, unter Tagesordnungspunkt 19 erneut mit dem Thema.

„So mit Kindern und den Mitarbeitern umzugehen, ist unverantwortlich“, schreibt eine andere Leserin unserer Zeitung. Ein anderer will die Planer und Genehmigenden in Haftung nehmen. Die Zustände hatte die Leiterin des Kinderhauses am Stadtpark den Ausschussmitgliedern eindringlich geschildert. Manchmal herrschten schon morgens vor 7 Uhr 29 Grad im Haus. So schreibt die Stadtverwaltung selbst: „Im Sommer 2018 traten mehrfach gesundheitliche Probleme bei Kindern und Beschäftigten auf.“

Wer ist verantwortlich?

Für beide Kitas wurde jeweils eine Betriebserlaubnis erteilt. Ausgestellt hat diese der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Dabei müssen Vorgaben aus vielen unterschiedlichen Bereichen beachtet werden. Beim Hitzeschutz greife das Arbeitsstättengesetz, das den Schutz der Mitarbeiter am Arbeitsplatz regelt. „Ob diese Vorgaben eingehalten werden, überprüfen jedoch nicht wir direkt“, erklärt Kristina Reisinger, die Pressesprecherin des KVJS. Dazu fordere man eine Stellungnahme der zuständigen Ämter an, etwa des Bau- und des Gesundheitsamtes.

Wer kontrolliert?

Letzteres ist eine Abteilung im Landratsamt. „Das Gesundheitsamt ist bei hygienischen Fragen und Fragen zu Raumluftbelastungen beteiligt“, erklärt Benjamin Lutsch, der Sprecher des Landratsamtes in Böblingen. Dies geschehe anhand von Plänen. Für die Überwachung des Arbeitsstättengesetztes sei das Baurechtsamt zuständig. „Diese Aufgabe übernehmen wir bei kleineren Kommunen, nicht aber bei den Großen Kreisstädten“, sagt Lutsch.

Bei der Stadt Leonberg bestätigt man, dass das Bauverwaltungs- und Bauordnungsamt sowie Gebäudemanagement in diesen Fragen aktiv würden. Die beiden Erstgenannten während geplant und gebaut wird. Das Letztgenannte regelt alles Technische rund um den Betrieb.

Seit wann ist das Problem bekannt?

Das Kinderhaus am Stadtpark wurde im Dezember 2013 eröffnet, die Einrichtung in Warmbronn im Juli 2014. Damals war nur eine sogenannte Nachtlüftung zum Kühlen vorgesehen. Ist ein Sommer lang und heiß, mehrten sich die Hinweise der Mitarbeiter. Darauf habe man reagiert.

„2017 wurden die Schlafräume mit mechanischen Lüftungselementen ausgestattet, welche die warme Luft abziehen. 2018 wurde eine Sonnenschutzfolie auf das Glasdach aufgebracht. In diesem Jahr wurden Lüftungsklappen zur Nachströmung nächtlicher Kaltluft über den beiden Eingangstüren im Erdgeschoss installiert - die warme Luft wird über die Klappen im Dach abgeführt“, berichtet Tom Kleinfeld, der Pressesprecher der Stadt.

Die Leiterin des Kinderhauses Stadtpark hatte jedoch im Ausschuss berichtet, dass man diese Dachklappen nachts zulasse. In der Vergangenheit habe es Probleme mit den Sensoren gegeben, die diese bei Regen automatisch schließen.

Schlecht geplant?

Den Architekten gehe Schönheit vor Funktionalität – dieser Vorwurf war auch im Ausschuss von Gemeinderäten zu hören. Das will Hansulrich Benz so nicht stehen lassen. „Das ist ein sehr komplexes Thema“, sagt der Weissacher, der von 2014 bis 2018 Vorsitzender der Architektenkammer im Kreis Böblingen war. Mit den beiden Bauten hat er nichts zu tun. „Ich kenne das Projekt nicht,“, sagt er.

Er warnt davor, den Architekten den Schwarzen Peter zuzuschieben. „Natürlich steht der Name des Architekten am Gebäude, er wird damit immer in Verbindung gebracht. An einem solchen Projekt sind aber viele Fachleute beteiligt“, erklärt Benz. „Der Architekt ist wie ein Dirigent. Wenn einer falsch spielt, ist er trotzdem schuld, weil es ja sein Orchester ist.“

Welche Kühlung und Belüftung notwendig sind, das berechneten Ingenieure für Heizungs- und Lüftungstechnik. „Man müsste rausfinden, welches Konzept vorgeschlagen war und ob etwas weggespart wurde“, meint der Architekt. Schon eine kleine Veränderung könne einen riesigen Rattenschwanz an Veränderungen nach sich ziehen. Dies sei aber im Nachhinein schwierig, nachzuvollziehen. „Aber wenn es dort drin so heiß wird, dann muss man sich fragen, warum das nicht funktioniert“, meint der Weissacher.

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