Immer mehr Eltern benötigen eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Und die Zahlen steigen.

Renningen - Dank der zwei neuen Kindergärten und weiterer zusätzlicher Angebote im Bereich Kinderbetreuung sieht sich die Stadt Renningen für die nächste Zeit gut aufgestellt – auch wenn die Schere zwischen den beiden Ortsteilen Renningen und Malmsheim weiter ein Problem bleibt. Für die kommenden Jahre erwartet die Verwaltung allerdings einen steigenden Bedarf in der Kleinkindbetreuung und prognostiziert eine Unterversorgung, wenn nicht mit zusätzlichen Betreuungsplätzen gegengesteuert wird. Das und mehr geht aus dem aktuellen Kindergarten- und Krippenbedarfsplan für Renningen hervor, den Daniel Dreßen, Leiter der Abteilung Kinder und Familie, jüngst im Gemeinderat vorgestellt hat.

 

Nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie war das Kindergartenjahr 2020 für Renningen ein durchaus turbulentes. Nach den Betreuungsengpässen 2019 musste die Stadt Anfang des Jahres 2020, aufgrund von Erziehermangel, für mehrere Kindergärten die Öffnungszeiten reduzieren oder diese Einschränkungen zumindest in Aussicht stellen, bevor wegen des Lockdowns ohnehin alle Einrichtungen geschlossen werden mussten. Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt, auch im Hinblick auf den Erziehermangel. Vor einigen Monaten ist der neue Kindergarten Rankbachstraße an den Start gegangen, mittlerweile mit der vollen Gruppenzahl.

Es gibt 800 Kindergartenplätze

Aktuell gibt es in Renningen rund 800 Plätze in Kindergärten, verteilt auf 32 Gruppen – 500 im Ortsteil Renningen, 300 in Malmsheim. Bei Krippen sind es 70 Plätze in Renningen, 60 in Malmsheim. Hinzu kommen Angebote in der Kindertagespflege. Knapp 80 Kinder unter drei Jahren werden derzeit in der Tagespflege betreut, hinzu kommen Betreuungsangebote für Kinder über drei Jahren.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, lässt die Stadt jedes Jahr einen Kindergartenbedarfsplan erstellen, aus dem hervorgeht, wie sich die Zahlen in den kommenden Jahren vermutlich entwickeln, wo neuer Bedarf entsteht oder vielleicht sogar wegfällt. Nun hat Renningen mit Schnallenäcker II viele neue Bürger bekommen, bald wird das Baugebiet Schnallenäcker III entstehen. Die Zahl der Geburten ist von 2014 (124) bis 2020 (226) um mehr als 100 gestiegen. Das beauftragte Planungsbüro biregio hat auf Basis dieser und weiterer Daten Prognosen für Bedarfszahlen in der Kinderbetreuung bis ins Jahr 2039 erstellt. So weit in die Zukunft zu schauen, empfindet die Stadt allerdings als schwierig, zumal nach Schnallenäcker III erst mal keine Neubaugebiete mehr geplant sind. Betrachtet werden daher vor allem die nächsten zehn Jahre.

Befinden sich derzeit 37 Prozent der Kinder unter drei Jahren in einer Betreuung, geht die Stadt bis in zehn Jahren von einem Bedarf von bereits 47 Prozent aus. Bei den Ein- bis Dreijährigen wird eine Steigerung des Bedarfs von aktuell 57 Prozent auf fast 70 Prozent im Jahr 2031 prognostiziert. Dem gegenüber steht eine spätestens ab 2023 einsetzende und zunehmende Überdeckung bei den Kindergartenplätzen (Ü3).

Im Hinblick auf die Krippenplätze wurden einige Maßnahmen bereits umgesetzt, zum Beispiel die Umwandlung einer Kindergartengruppe in der Wiesenstraße in eine Krippengruppe. In naher Zukunft sind weitere Projekte geplant: Zehn weitere Betreuungsplätze entstehen im U3-Bereich in der Krippe Wiesenstraße, die Umsetzung erfolgt zum 1. Januar 2022. Auch im Kita-Neubau in Schnallenäcker III sind neben drei Kindergartengruppen außerdem drei Krippengruppen geplant. Dieser soll bis zum Jahr 2024 fertig sein. Insgesamt bedeutet das 30 neue Krippenplätze.

Innenentwicklung im Auge behalten

Weitere Überlegungen sind, den Handlungsspielraum durch den sinkenden Bedarf an Kindergarten- zugunsten von Krippenplätzen zu nutzen, zum Beispiel in der Blumenstraße, Lehenbühlstraße oder auf anderen innerstädtischen Flächen, außerdem weitere Projekte in der Wiesenstraße. „Um die Differenz zwischen U3 und Ü3 weiter zu reduzieren, könnte man in den Kindergärten Kinder ab zwei Jahren aufnehmen“, regte Dreßen an. Das sei grundsätzlich sinnvoll und zu überlegen, „bisher fand das aufgrund der angespannten Platzsituation aber keinen Platz in den Überlegungen“.

All diese Ansätze stehen jedoch unter Vorbehalt: „Wenn sich die Nachverdichtung in Renningen weiter überproportional entwickelt, könnte sich der prognostizierte Spielraum relativieren.“ In jedem Fall empfiehlt die Verwaltung daher eine schrittweise Umsetzung der einzelnen Projekte, „mit jährlichem Abgleich der innerstädtischen Entwicklung“.

Was der Verwaltung heute schon Kopfzerbrechen bereitet, ist die vom Land beschlossene Verlegung des Stichtags für den Grundschuleintritt, wie Daniel Dreßen berichtete. Die Verweildauer im Kindergarten wird sich dadurch um letztlich drei Monate verlängern, also müssen zur selben Zeit mehr Kinder im Kindergarten betreut werden. „Das wird zu massiven Problemen führen“, prognostizierte Daniel Dreßen nicht nur für Renningen. „Die durchschnittliche Jahrgangsbreite erhöht sich damit um 25 Prozent.“