Keller in Weil der Stadt Zeugen einer langen Stadtgeschichte

Von Brunhilde Arnold
Spannende Unterwelt: Martin Buhl zeigt den interessierten Besuchern den Rathauskeller. Foto: Jürgen Bach

Erst untertauchen in die Kellerwelten von Weil der Stadt und dann Eintauchen in verschiedene Epochen der ehemals freien Reichsstadt – mit diesem Konzept lockten die Tourist-Info und Martin Buhl rund 20 Neugierige in die Untergründe der Kernstadt.

„Die Leute haben mich einfach reingelassen“

Der CDU-Stadtrat, der seit Jahren Gäste durch Weil der Stadt führt, hatte erstmals zu einer speziellen Keller-Besichtigung eingeladen. „Die Leute waren sofort bereit, mir ihre Keller zu öffnen, sie haben mich einfach reingelassen“, berichtete Martin Buhl von seinen Erkundungen für die Führung. „Der Impuls dazu kam von Gerd Diebold“, erzählte er. Der durch die Nachtwächter-Führungen bekannte ehemalige Wassermeister der Stadt, Gerd Diebold, hatte vor Jahren bereits einmal die Keller in der „Oberstadt“, also in der höher gelegenen Bebauung rund um Kirche und Rathaus, für Interessierte geöffnet. Weiter unten nahe der Würm hatten viele Gebäude wegen der Hochwassergefahr keine Keller, erzählte Martin Buhl. Die Bewohner dort mussten sich in der oberen Kernstadt Lagermöglichkeiten für Lebensmittel, Wein und Bier besorgen. Ab etwa vier Metern Tiefe unter der Erde herrsche das ganze Jahr über eine Temperatur von etwa acht Grad Celsius, ideal zum Frischhalten.

Hinunter ins Dunkle

In vier Keller führt Martin Buhl seine Gäste. Er weist auf unebene Stufen hin, die hinunter ins Dunkle führen und auch auf Stellen, an denen große Menschen besser den Kopf einziehen. Zwei der Keller gehören zu Gebäuden der Stadt. Der Ratskeller befindet sich unter dem Rathaus. Die Gäste erwarten dort ein großes Stadtwappen und ein Stapel Bierbänke. „Wir sind hier im alten Stauferkern“, erklärt Martin Buhl. Zu sehen ist die die inzwischen zugemauerte Öffnung eines Verbindungsgangs zum Nachbargebäude Schirott. Angeblich habe es von der Stadtmauer bis zum Rathaus Gänge durch Keller gegeben, in denen etwa Boten unbehelligt in die Stadt kommen konnten. Im Ratskeller erläutert der Stadtführer die Struktur der selbstverwalteten freien Reichsstadt bis zu deren Ende 1802. Und er erzählt von gut dokumentierten Fällen, in denen zwei Stadtschreiber – als Syndikus nach dem Bürgermeister die wichtigsten Personen in der Verwaltung – nicht immer zum Wohle der Stadt gehandelt haben.

Im Keller des heutigen Stadtmuseums bekommen die Besucher mehrere, allerdings leere Weinfässer zu sehen, das größte davon von der Partnerstadt Riquewihr gestiftet. In dem 1721 errichteten Gebäude hätten interessante Bewohner gelebt, so Buhl, etwa der Verleger des Würmboten, viele Bürgermeister und auch die Handwerkerbank hatte dort einst ihren Sitz. Zum alten Rathaus im Nachbargebäude gab es einen Kellerdurchgang, der noch im 20. Jahrhundert offen gewesen sei, sagte Martin Buhl.

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In den ersten Privatkeller steigen die Führungsgäste unter der Zehntscheuer des ehemaligen Herrenalber Pfleghofs in der Pforzheimer Straße hinab. Zwar brannte das Gebäude 1965 komplett ab, der Keller aber blieb erhalten. Von dort führt heute noch ein begehbarer Gang ins Nachbargebäude.

Hopfen zopfen, Stiel dran lassen

Um in den Keller eines Hauses an der Paul-Reusch-Straße zu gelangen, müssen die Besucher besonders tief nach unten gehen. Im zweiten unteren Stockwerk gelangen sie in den Keller der von 1791 bis 1960 bestehenden Hechtbrauerei. Dort berichtet Martin Buhl über das Brauerei- und Gastronomiewesen in der Stadt, das früher sehr ausgeprägt gewesen sei. So habe es im 18. Jahrhundert 27 schilderführende Gastwirtschaften mit zwölf Brauereien gegeben. Die Stadt war ein bedeutender Markt- und Handelsplatz, deswegen wurde alles Bier auch vor Ort getrunken. Der lokale Anbau von Hopfen wurde immer attraktiver. Noch bis 1972 sei die Ernte im Ort aufgearbeitet worden. Ernst Ölschläger, der heutige Besitzer von Gebäude und Keller, erinnert sich zur Freude der Gäste an den Spruch der Hopfenzupfer: „Hopfen zopfen, Stiel dran lassen. Wer’s nicht kann, soll‘s bleiben lassen.“

Zum Abschluss der Führung gibt es ein im Keller gut gekühltes Bier der Hechtbrauerei, die André Beyerle in der Nachfolge seines Urgroßvaters Max Himmelseher wieder in Betrieb genommen hat.

Interesse? Am 30. September wird es wieder eine Kellerführung mit Max Buhl geben. Näheres dazu bei der Stadt&Tourist Info Weil der Stadt.

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